Rindfleischbranche in Industriestaaten vor neuen Aufgaben

Die Rindfleischbranche hat es angesichts von Verbrauchsrückgängen in wichtigen Industrieländern mit einem schwierigen Umfeld zu tun, kann jedoch auch durch Innovationen punkten. Das ist Ende Oktober auf der Jahreskonferenz der britischen Exportförderorganisation für Rind- und Lammfleisch (EBLEX) in der englischen Grafschaft Warwickshire deutlich geworden.
Die Rindfleischbranche hat es in den Industriestaaten mit einem schwierigen Umfeld zu tun.
Die Rindfleischbranche hat es in den Industriestaaten mit einem schwierigen Umfeld zu tun.
Der EBLEX-Vorsitzende John Cross empfahl, die englische Rindfleischbranche sollte sich an den globalen Märkten ausrichten, statt sich auf die Inlandsnachfrage zu konzentrieren. Im Hinblick auf Produktivität, Effizienz und Produktionskosten ständen die Rindfleisch- und Lammfleischbranche ähnlichen Herausforderungen gegenüber. Allerdings profitiere der Lammfleischsektor derzeit von einem Boom an den internationalen Märkten, während die Rindfleischbranche weitgehend auf die heimische Nachfrage beschränkt sei. Der britische Markt hingegen hat für die Anbieter laut Cross derzeit aufgrund der Beschränkungen des verfügbaren Einkommens der Verbraucher und durch den Konkurrenzkampf im Lebensmitteleinzelhandel enge Grenzen. Aus den Vereinigten Staaten berichtete Dr. Chris R. Calkins von der Universität Nebraska über den Rückgang der Rindfleischproduktion. Angesichts einer sinkenden Nachfrage auf den heimischen Märkten zeigte er sich erleichtert über eine Erholung der Exporte, die mittlerweile wieder eingesetzt hat, nachdem Ende 2003 in den Vereinigten Staaten der erste Fall von Boviner Spongiforme Enzephalopathie (BSE) festgestellt worden war und danach zahlreiche Handelspartner Importhürden für US-Beef errichtet hatten.

Höhere Schlachtgewichte in den USA
Für dieses Jahr geht Calkins von US-Rindfleischausfuhren im Umfang von rund 1,04 Mio. t aus, nach einem Tiefpunkt von etwa 225.000 t im Jahr 2004. Gleichzeitig sollen damit auf dem eng verflochtenen nordamerikanischen Rindfleischmarkt die Exporte der USA mengenmäßig nahezu das Niveau der Einfuhren erreichen, die von einem Höhepunkt von 1,56 Mio. t im Jahr 2004 danach stetig gefallen sind. Eine weitere Entwicklung, auf die der Wissenschaftler aus aufmerksam machte, ist die Erhöhung des Schlachtgewichts der Rinder in den USA, das er für 2009 auf durchschnittlich 354 kg bezifferte, nach 336 im Jahr 2003 und 313 kg zehn Jahre zuvor. Calkins zufolge sinkt die Profitabilität der Rinderhaltung in den Vereinigten Staaten. Dort haben in den vergangenen Jahren zunehmend ausländische Verarbeiter Fuß gefasst.

Export fördern, heimische Märkte verteidigen
Mit Blick auf die Lage in Großbritannien warnte der EBLEX-Vorsitzende Cross die Rindfleischanbieter davor, sich zurückzulehnen und auf günstige Wechselkursverhältnisse bei der Währung zu hoffen, damit sich Exportmöglichkeiten ergäben. Vielmehr müssten die Ausfuhrmärkte identifiziert und aktiv umworben werden. Dies sei keine leichte Aufgabe, denn gleichzeitig müsse man die Stellung auf den heimischen Märkten verteidigen, mahnte Cross. Er ermunterte die Branche zu Investitionen, denn weder die Regierung noch der Einzelhandel oder die Verbraucher würden die Branche „aus Sympathie heraus“ retten. Wie EBLEX-Forschungsleiter Dr. Duncan Pullar bei der Tagung betonte, wird die Rinderbranche in den nächsten Jahren weiterhin das Thema Klimagasemissionen anzusprechen haben, und zwar „proaktiv“. Mehr wirtschaftliche Leistung gehe Hand in Hand mit geringeren Produktionskosten im Hinblick auf den Ausstoß von Treibhausgasemissionen. Gleichzeitig sieht Pullar eine enorme Bandbreite der Klimagasemissionen in der Rinderhaltung, je nach Haltungssystem und Effizienz. (AgE)

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Aktualisiert am: 09.11.2010 21:18
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