Rinderzucht mit Information direkt aus dem Genom

Über 100 Teilnehmer kamen in diesem Jahr zum traditionellen ZAR-Seminar nach Salzburg. Das Hauptthema der Fachreferate behandelte das Projekt Gesundheitsmonitoring Rind sowie aktuelle Entwicklungen in der genomischen Selektion (GS).
Die Referenten beim ZAR-Seminar (V.l.n.r.): Ök.-Rat Anton Wagner, Dipl.-Ing. Birgit Gredler, Dipl.-Ing. Astrid Köck, Dr. Birgit Fürst-Waltl, Dr. Christa Egger-Danner, Dr. Hermann Schwarzenbacher, Dr. Christian Edel, Univ.-Prof. Dr. Johann Sölkner, Matthias Leisen, Mag. Franz Sturmlechner. Foto: ZAR/Kalcher
Die Referenten beim ZAR-Seminar (V.l.n.r.): Ök.-Rat Anton Wagner, Dipl.-Ing. Birgit Gredler, Dipl.-Ing. Astrid Köck, Dr. Birgit Fürst-Waltl, Dr. Christa Egger-Danner, Dr. Hermann Schwarzenbacher, Dr. Christian Edel, Univ.-Prof. Dr. Johann Sölkner, Matthias Leisen, Mag. Franz Sturmlechner. Foto: ZAR/Kalcher
Univ.-Prof. Dr. Johann Sölkner, Vorsitzender des ZAR-Ausschusses für Genetik, eröffnete den hochkarätigen Referentenkreis mit den Grundzügen des Genoms und der Bedeutung von Leistungsinformationen. In Anbetracht der zukünftig erwarteten Erhöhung des jährlichen Zuchtfortschrittes bei der Milch (150 – 200 kg Milch pro Jahr) wies er auf mögliche Auswirkungen im Fitness- und Gesundheitsbereich hin. Dr. Christa Egger-Danner sieht in der Erfassung der Diagnosedaten im Rahmen des Projektes GESUNDheitsmonitoring Rind (GMON) ein wichtiges Instrument, die Tiergesundheit langfristig zu stabilisieren und zu verbessern.

Nutzen der Gesundheitszuchtwerte
Dr. Birgit Fürst-Waltl (BOKU) referierte über den Nutzen von Gesundheitszuchtwerten. Aufbauend auf den Daten des Projektes GMON startete Anfang 2008 die Forschungsarbeit „Entwicklung einer Zuchtwertschätzung (ZWS)“ für die Merkmale Mastitis, Fruchtbarkeit (bisher nur Zuchtwerte für das Merkmal Non-Return-Rate 90) und Stoffwechselerkrankungen (Mastitis). Im April 2009 wurden erstmals Gesundheitszuchtwerte aus dem Projekt veröffentlicht. Die Fruchtbarkeit und deren Störungen analysierte DI Astrid Köck (BOKU). Die im Rahmen von GMON erfassten Diagnosen Gebärmutterentzündung, Stillbrunst, Zysten, Schwergeburten, Aborte u.a. wurden ausgewertet und die Heritabilitäten bzw. genetischen Korrelationen zwischen den Merkmalen berechnet. Die Ergebnisse zeigten auch in diesem Fall, dass die Diagnosedaten aus GMON für die ZWS sehr gut nutzbar sind. Dass der Bauer Geld nicht nur aus der Milch, sondern auch vom Gesundheitszustand seiner Herde verdient, versuchte Dr. Hermann Schwarzenbacher (ZuchtData) darzustellen. Dafür notwendig sind Kennzahlen, die grafisch aufbereitet Probleme bzw. Veränderungen im Herdenbestand frühzeitig ersichtlich machen. Betriebsvergleiche auf Bezirk- bzw. Landesebene haben hier einen zusätzlichen Informationswert.

Genomische Selektion
Den zweiten Themenblock des Tages eröffnete Dr. Christian Edel (LfL Bayern) mit den Grundlagen der genomischen ZWS. Diese ist die Kombination aus Molekulargenetik und Statistik mit dem Ziel, den Zuchtwert eines Tieres ohne Eigen- oder Nachkommenleistung vorherzusagen. Dafür notwendig ist jedoch eine möglichst große Gruppe von Tieren mit sicheren Zuchtwerten, die genotypisiert und als Lernstichprobe (Kalibrierungsstichprobe) herangezogen wird. Selten sind Wissenschaft und Praxis derart eng miteinander verknüpft, wie es bei der Entwicklung der genomischen Selektion der Fall ist. Zu den Erfahrungen aus der praktischen Umsetzung der genomischen Selektion gab es interessante Ansätze aus Schleswig-Holstein. Der Geschäftsführer der Rinderzucht Schleswig-Holstein eG, Herr Matthias Leisen, sieht in der Genomselektion die größte Veränderung im Zuchtplan seit Anfang der Nachzuchtprüfungen in den frühen 70er Jahren bzw. vielleicht sogar seit dem Einsatz der künstlichen Besamung. Er appellierte, die Kräfte in der Rinderzucht zu bündeln, damit die genomische Selektion auch weiterhin bei den Rinderzüchtern bleibt und nicht in die Hände privater Investoren gerät, wie es in anderen tierischen Produktionssparten schon vielfach der Fall ist. Zu aktuellen Entwicklungen der GS in Österreich nahm Dr. Birgit Gredler (BOKU) Stellung. Das Projekt „Entwicklung einer genomischen ZWS für Fleckvieh“ läuft bereits seit etwa zwei Jahren in enger Zusammenarbeit mit Deutschland. Der aktuelle Genotypenpool umfasst 4.440 Fleckviehstiere. Mit der Rasse Braunvieh ist Österreich beim internationalen Projekt „InterGenomics“ dabei, das von Interbull in Schweden geleitet wird. Derzeit liegen Genotypen von etwa 3.000 Braunviehstieren vor. Parallel dazu wird gemeinsam mit Deutschland an einer genomischen ZWS für Braunvieh gearbeitet.

Die Unterlagen zum Seminar (alle Präsentationen) stehen ab sofort auf www.zar.at in der Rubrik „Publikationen“ ->Seminarunterlagen zur Verfügung.


Aktualisiert am: 02.04.2010 20:35
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