Rindergrippe hat viele Ursachen

Grippe-Erreger allein können gesunde Rinder meist nicht krank machen. Erst das Zusammenwirken verschiedener belebter und unbelebter Faktoren kann zu unterschiedlich schweren Erkrankungen führen. Rindergrippe ist eine typische Faktorenkrankheit, daher gibt es viele Möglichkeiten der Vorbeugung und Bekämpfung.
Rindergrippe führt zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen. Es muss früh genug reagiert werden.
Rindergrippe führt zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen. Es muss früh genug reagiert werden.
Eine erfolgreiche Strategie gegen die Rindergrippe muss immer ein Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen sein. Dabei muss versucht werden, den Keimdruck auf die Tiere zu verringern und die Abwehrkräfte der Rinder zu steigern. Impfungen können deshalb nur einen begrenzten Beitrag zur Vorbeuge leisten – Defizite bei den Haltungsbedingungen können sie nicht ausgleichen.

Nur richtige Behandlung bringt Heilung
Einer von Rinderhaltern häufig geäußerten Klage, Antibiotika würden bei der Behandlung der Rindergrippe-kranken Tiere „nicht mehr“ oder zumindest „nicht mehr so gut“ wirken, kann bei sachlicher Betrachtung nicht zugestimmt werden.
Tatsächlich wirken die meisten derzeit eingesetzten antibakteriellen Medikamente vergleichsweise gut, wenn sie – und das ist der alles entscheidende Punkt – rechtzeitig, also in der Frühphase der Erkrankung, angewendet werden. Sind in fortgeschrittenen Krankheitsfällen erst einmal bleibende Lungenschäden vorhanden, kann mit keinem Antibiotikum eine Heilung erreicht werden.
Zum Verständnis dieser und anderer Zusammenhänge bei der Rindergrippe müssen auch den Tierhaltern die wesentlichen Erkenntnisse zu Ursachen und Wesen, der Krankheitssymptomatik im Verlauf, den Erfordernissen einer korrekten Behandlung und möglichen Vorbeugemöglichkeiten bei dieser Erkrankung bekannt sein.
Im Hinblick auf die durch Rindergrippe verursachten wirtschaftlichen Schäden in Rinderbeständen werden fahrlässigerweise meist nur die Totalverluste sowie Kosten für Tierarzt und Medikamente summiert. In vielen Betrieben schlagen jedoch finanzielle Einbußen infolge eingeschränkter Leistungsfähigkeit dauerhaft Lungen-geschädigter Mastrinder und Milchkühe weit mehr zu Buche.
Dies sollte stets bedacht werden, wenn sich Tierhalter (vordergründig vielleicht verständlich) über den zeitlichen und gegebenenfalls auch finanziellen Aufwand empfohlener Vorbeugemaßnahmen und Tätigkeiten zur regelmäßigen Kontrolle der Tiere beklagen.

Fazit
Bei der Rindergrippe handelt es sich um ein sehr komplexes Krankheitsgeschehen. Um möglichst effektive, auf die Belange des einzelnen Betriebes zugeschnittene Vorbeuge-, Kontroll- und Behandlungsmaßnahmen durchführen zu können, bedarf es eines vertrauensvollen Miteinanders zwischen Landwirt und Hoftierarzt. Inwieweit der Tierhalter in die Maßnahmen einbezogen werden kann, ergibt sich zum einen aus rechtlichen Grundlagen, zum anderen aus der Betriebsart sowie den Ambitionen und Fähigkeiten des Landwirts.
Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass im Verhältnis Landwirt – Tierarzt meist nicht die vordergründig billigste Lösung auf Dauer auch die wirtschaftlichste ist. In schweren sowie vom üblichen Krankheitsbild abweichenden Fällen muss es möglich sein, den Hoftierarzt rasch zuzuziehen. Dies ist durch Hoftierärzte im engeren Sinn und z.B. auf Fressererzeuger- und Mastbetriebe spezialisierte Kollegen in der Regel gewährleistet, logischerweise jedoch nicht durch überregional agierende, sich auf Medikamentenabgabe beschränkende „Tierärzte“. Hier werden Interessen der Verbraucher, der Tierärzteschaft, der Landwirtschaft und nicht zuletzt der Rinder berührt.

Autor: Prof. Guenther RADEMACHER, Universität München


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Aktualisiert am: 09.12.2008 14:21
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