Rindergesundheit: Keine Chance der Labmagenverlagerung

Die Gefahr einer Labmagenverlagerung ist bei Hochleistungskühen in den ersten 4-8 Wochen nach der Geburt am höchsten. Ein Rinderpraktiker gibt Ihnen Ratschläge, was Sie dagegen tun können getan und wie sich das Auftreten dieser Krankheit verhindern lässt.
Ein aufgegaster, verlagerter Labmagen klingt wie eine fast leere Milchkanne.
Ein aufgegaster, verlagerter Labmagen klingt wie eine fast leere Milchkanne.
Häufig leiden die Tiere vor einer Labmagenverlagerung an anderen Erkrankungen wie Nachgeburtsverhalten, Endometritis, Ketose, subklinische Acidose oder Klauenrehe. Diese Erkrankungen bewirken eine schlechte Fresslust – worauf viel Platz im Bauchraum frei wird und sich der Labmagen verlagern kann.

Diese Faktoren begünstigen eine Labmagenverlagerung:
Fütterungsfehler:
-Verfettung vor der Geburt
-rasche Futterumstellung
-Rohfasermangel
-Kraftfutterüberschuss

Haltungsfehler:
-Bewegungsmangel
-mangelnder Kuhkomfort

So beugt der Landwirt vor
-Eine optimale Fütterung der Trockensteher und Frischmelker à Nur ein mit ausreichend Rohfaser gefüllter Pansen verhindert eine Verlagerung des Labmagens.
-Die Wasserversorgung unmittelbar nach der Geburt ist lebensnotwendig! Bewährt hat sich ein so genannter „Energietrunk“ mit Glukose, den die meisten Kühe gierig aufnehmen.
-Routinemäßiges Drenchen (Zwangsernähren mit 30-40 l Wasser mit diversen Zusätzen) der Kuh gleich nach der Geburt wird unterschiedlich beurteilt. Zwar hilft es die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Labmagenverlagerung zu reduzieren, doch steigt das Risiko einer Lungenentzündung beträchtlich.
-Gabe von Propylenglycol oder anderen glucoplastischen Zusatzstoffen (zB Ketoproof© oder Nia-Drench©), um eine negative Energiebilanz um die Geburt zu minimieren.
-Harntest zum vorzeitigen Erkennen einer Ketose verwenden (zB Ketostix©)
-Bestmöglicher Kuhkomfort!
-Jeden zusätzlichen Stress für die Kuh vermeiden (Hitze, Rangordnungskämpfe, etc.).
-Fiebermessen in den ersten 10 Tagen nach der Geburt soll das Auftreten einer linksseitigen Labmagenverlagerung um einen großen Prozentsatz verhindern, weil Erkrankungen wie Mastitis, Gebärmutterentzündung oder Mangelsituationen frühzeitig erkannt werden.
-Kranke Kühe um den gefährlichen Zeitpunkt (4-6 Wochen nach der Geburt) nicht zu lange mit eigenen „Hausmitteln“ selbst behandeln, sondern im leisesten Verdachtsfall sofort den Tierarzt verständigen. Dieser kann durch frühzeitiges Gegensteuern meist Gröberes verhindern und einer Verlagerung des Labmagens voebeugen.

Autor: Dr. Markus KÖNIGSHOFER, Traunkreis Vet Clinic


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Aktualisiert am: 19.06.2008 16:39
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