Rinder zähmen: sanft statt verkrampft

Monty Roberts Methoden der sanften Pferdeausbildung lassen sich auch aufs Rind übertragen. Hier erfahren Sie, wie es geht.
In einer runden Umzäunung wir mehrere Tage ohne Kräftemessen mit Freiwilligkeit geübt – dann sind die Tiere führig.
In einer runden Umzäunung wir mehrere Tage ohne Kräftemessen mit Freiwilligkeit geübt – dann sind die Tiere führig.
Der Wechsel vom Anbinde- zum Laufstall sowie ständige Betriebsvergrößerungen, Zuerwerb und Rationalisierungsmaßnahmen führen zu einer schleichenden Verwilderung unserer Tiere. Der tägliche Kontakt zu den Tieren beschränkt sich auf den Melkstand, die Begegnung im Futtertenn, vielleicht noch auf den Weideaus- und eintrieb. Die Tiere fühlen sich im Herdenverband relativ sicher und lassen sich gut lenken. Die Schwierigkeiten entstehen, wenn wir plötzlich Einzeltiere absondern müssen. Die künstliche Besamung, tierärztliche Behandlungen, die Klauenpflege oder das Verladen können ernste Probleme auslösen.

Erkenntnis
Es wäre notwendig, dass viele Leute die Sprache der Tiere verstehen lernen und ihr Wissen auch weitergeben. Die Landwirtschaft hat dies nötig – sie darf dieses Feld nicht nur „Tierschützern“ überlassen.
Niemand von uns Menschen hat das Recht, zu einem Mitmenschen oder einem Tier zu sagen: Entweder du machst, was ich dir sage, oder ich werde dir wehtun.

10 Tipps
1. Sicherheit hat 1. Priorität: Absperrungen, Panels, gutes Schuhwerk
2. Zeit: Zeigen Sie dem Tier, dass Sie den ganzen Tag Zeit haben, so werden Sie rascher zum Ziel kommen.
3. Ruhe: Arbeiten Sie dann mit den Tieren, wenn Sie selbst innerlich ruhig sind – Stress überträgt sich.
4. Hast: Hastige Bewegungen verängstigen das Tier – langsame Bewegungen fördern das Vertrauen.
5. Neugier: Tiere wollen Neues kennen lernen. Bleiben Sie einfach stehen, machen Sie sich klein und schauen Sie was passiert.
6. Stimme: Die Stimme kann als Hilfsmittel eingesetzt werden. Wörter mit a, o, beruhigen; i und e können schrill wirken und verängstigen.
7. Schritt für Schritt: Übungen wiederholen bis sie sitzen. Wer zu schnell vorwärts geht, übt am Schluss länger.
8. Fluchtmöglichkeit: Dem Tier immer eine Fluchtmöglichkeit offen lassen. Unsere Arbeit basiert somit immer auf Freiwilligkeit.
9. Störfaktoren: Störfaktoren sind am Anfang auszuschalten, aber später bewusst einzubauen (Scheppern von Büchsen, Motorengeräusche, Hunde, Radio, Lautsprecher usw.).
10. Tierauswahl: Beginnen Sie mit jungen Tieren – meiden Sie Tiere, die bereits mit Menschen schlechte Erfahrungen gemacht haben. Altbullen, die Sie nicht kennen, sind tabu.

Landwirt-Tipp
Im Rahmen der BIO AUSTRIA Bauerntage 2010 wird es am Dienstag, dem 26. Jänner, eine praktische Vorführung dieser Zähmungsmethode beim Milchviehtag geben.
BIO AUSTRIA Bauerntage 2010 im Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels, OÖ
Das Programm mit einer Beschreibung der einzelnen Bildungstage finden Sie unter www.bio-austria.at.

Autor: Carl BRANDENBURGER, Plantahof, Schweiz


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Aktualisiert am: 05.01.2010 13:51
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