Rind: Fruchtbarkeit leidet im Herbst

Nach den heißen Sommertagen wird es bald wieder kühler. Doch gerade jetzt gibt es Fruchtbarkeitsstörungen bei den Milchkühen, die sich auf Hitzestress der letzten Wochen zurückführen lassen.
Selbst Außenklimaställe mit offenen Seitenwänden, hoher Traufe und durchgängig offenem First schützen die Kühe bei hohen Temperaturen nicht vor Hitzestress, da hier die Luft im Stall geradezu „steht“.
Selbst Außenklimaställe mit offenen Seitenwänden, hoher Traufe und durchgängig offenem First schützen die Kühe bei hohen Temperaturen nicht vor Hitzestress, da hier die Luft im Stall geradezu „steht“.
Genügend frisches und sauberes Wasser muss zwar an jedem Tag zur Verfügung stehen, ist aber im Sommer wichtiger denn je, da eine erhöhte Wasseraufnahme die Tiere bei ihrer Wärmeabgabe unterstützt. Im Sommer verbindet sich mit einer hohen Wasseraufnahme nicht automatisch auch eine hohe Futteraufnahme und eine hohe Milchleistung, sondern eher die gesteigerte Wärmeabgabe unter Hitzestress. Sauberes Wasser heißt: In den Sommerwochen müssen alle Tränken häufig gereinigt werden.

Einwandfreie Fütterung
• An heißen Tagen fressen Kühe deutlich weniger Futter und nehmen damit auch weniger Struktur auf. Die Kraftfuttermenge sollte aber keinesfalls gesteigert werden, auch wenn die Tiere ihre Milchleistung reduzieren, da es eine Pansenübersäuerung begünstigen würde.
• Stattdessen ist unbedingt auf eine ausreichende Rohfaserversorgung zu achten. Das wiederum setzt eine einwandfreie Futterqualität und -hygiene voraus. Gerade die Silagequalität droht sich bei hohen Temperaturen zu verschlechtern. Bei warm werdender Silage würden bereits eine häufigere Futtervorlage und möglicherweise der Zusatz von Propionsäure helfen.
• Eine Zulage von pansengeschütztem Futterfett trägt dazu bei, den Energiegehalt der Gesamtration weiter zu erhöhen und damit die Energieversorgung zu unterstützen ohne aber die volumenabhängige Aufnahmekapazität der Tiere zu belasten.
• Ein Zusatz von Hefen kann die Futteraufnahme der Tiere und Verdaulichkeit der Ration in dieser Zeit unterstützen.
• Betriebe, in denen die Milchkühe noch ausgedehnten Weidegang haben, könnten während sehr heißer Tage die Weidefütterung besonders auf die kühlen Abendstunden (bzw. Nachweide) konzentrieren. In den Abend- und Nachstunden ist die Hitzebelastung geringer und das Weidegras weist höhere Zuckergehalte auf als morgens, so dass letztlich die Schmackhaftigkeit des Weidefutters und damit auch die Futteraufnahme der Tiere steigen.

Fazit
Die heißen Tage im Sommer sind für hochlaktierende Milchkühe eine extrem anstrengende Zeit. Mit einer entsprechenden Durchlüftung, ausreichenden Trinkwasserbereitstellung und angepasster Fütterung können Leistungseinbrüche und Gesundheitsprobleme von vornherein vermieden werden. „Extremsportler“, wie Hochleistungskühe sind, brauchen einen optimalen Gesundheitsstatus, gerade im Sommer, und der der nächste Sommer kommt bestimmt.

Autorin: Dr. Katrin MAHLKOW-NERGE, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (D)


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Aktualisiert am: 05.08.2009 17:48
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