Richtige Bodenbearbeitung nach Getreide und Raps

Nach der Getreide- und Rapsernte ist der Boden für die Folgekultur vorzubereiten. Damit die Ausfallsamen auflaufen können und das Stroh den Feldaufgang nicht verhindert, muss der Boden in mehreren Stufen bearbeitet werden.
Durch den Schwerstriegel werden Strohhaufen auseinander gezogen und  das Stroh gleichmäßig verteilt. (Bildquelle: R. Klingel)
Durch den Schwerstriegel werden Strohhaufen auseinander gezogen und das Stroh gleichmäßig verteilt. (Bildquelle: R. Klingel)
In diesem Jahr steht wieder mehr Zeit für die Bodenbearbeitung nach Getreide vor Raps oder Zwischenfrüchten und vor allem vor der Wintergetreidebestellung zur Verfügung. Diese Zeit sollte genutzt werden, auch um vergrabene Ernterückstände aus dem Vorjahr hochzuholen und zusammen mit dem in dieser Ernte anfallenden Stroh intensiv einzumischen. Deshalb empfiehlt es sich den Spaten in die Hand zu nehmen und nachzugraben, ob im unteren Bereich der Krume noch nicht zersetzte Strohreste zu finden sind. In diesem Fall ist die notwendige Bearbeitungstiefe durch die Lage der Strohreste vorgegeben. Die "angekohlten“ Strohnester im Boden wirken sich ungünstig auf die Nährstoffdynamik aus und bilden eine Störzone, durch die weder Wurzeln wachsen, noch Wasser kapillar aufsteigen kann.

Getreidestroh richtig bearbeiten
Voraussetzung für eine effektive Stoppelbearbeitung sind möglichst kurze Stoppeln, kurze Strohhäcksel und eine gute Verteilung der Spreu durch den Mähdrescher. Nach der Getreideernte müssen Strohhaufen unbedingt auseinandergezogen und die Ernterückstände gleichmäßig verteilt sein, bevor sie mit Erde vermischt werden. Einmal in den Boden eingearbeitet, ist eine Nachverteilung des Strohs mit den Bodenbearbeitungsgeräten nicht mehr möglich. Scheibengeräte rollen nur über Strohhaufen hinweg und ziehen sie nicht auseinander, vor allem verteilen sie das Stroh nicht. Stroh im Saathorizont ist ein häufiger Grund für schlechten Feldaufgang. Deshalb muss vor der (Kurz-)Scheibenegge unbedingt ein Zinkengerät eingesetzt werden. Die Verteilung des Strohs erfolgt am besten mit dem Schwerstriegel oder einem flach arbeitenden Grubber.

Ausgetrockneter Boden
Ist der Boden bis unter die Krume ausgetrocknet und kann nicht genug Wasser aus dem Unterboden aufsteigen, damit Ausfallgetreide und Unkrautsamen ankeimen, ist es zweckmäßiger, das Stroh unmittelbar nach der Ernte nur zu verteilen, um danach sofort den Boden tief, bis unter die Verdichtungszone zu lockern und sofort wieder rückzuverfestigen, damit der Boden nachfolgende Niederschläge aufnehmen kann. Auch nach einer Pflugfurche anstelle der tiefen Lockerung muss der Acker in den Trockengebieten sofort wieder rückverfestigt und saatfertig hergerichtet werden, unabhängig vom Zeitpunkt des Pflügens.

Bodenbearbeitung nach Raps
Kann Ausfallraps in diesen Erdbrocken keimen? (Bildquelle: R. Klingel)
Kann Ausfallraps in diesen Erdbrocken keimen? (Bildquelle: R. Klingel)
Nach der Rapsernte ist alles daran zu setzen, die ausgefallenen Rapssamen möglichst vollständig zum Keimen zu bringen. Einmal in den Boden eingearbeitet und nicht gekeimt, fällt der Rapssamen in eine „ewige Keimruhe“, die den Ausfallraps in den Folgejahren kontinuierlich auflaufen lässt. Ölhaltige Samen haben im Boden eine Überlebensdauer von 20 Jahren und länger.

Bodenbearbeitung bei nassem Boden - Raps
Bei nassem Boden nach der Rapsernte werden abgefallene Schoten durch Striegeln oder Walzen aufgerissen, damit die Rapssamen ausfallen. Dadurch werden auch Kaffhaufen auseinandergezogen, in denen die Rapssamen trocken liegen und infolgedessen nicht
ankeimen. Durch die Walze werden die Ausfallrapssamen in den Boden gedrückt und keimen besser an. Wer Zeit hat, kann danach einen 5–7 cm tiefen Zwischenarbeitsgang schalten, um auch Ausfallsamen aus den Vorjahren zum Keimen zu bringen. Dafür ist die Kurzscheibenegge hervorragend geeignet, mit der auch längere Rapsstängel durchschnitten werden.
Danach sollte mit der Stoppelbearbeitung nach der Rapsernte weitere drei bis vier Tage gewartet werden, um einen Großteil der vorhandenen Rapssamen ankeimen zu lassen. Diese Bearbeitung sollte je nach Masse des Rapsstrohs 12–15 cm tief erfolgen, um zu verhindern, dass zu viele Rapsstängel oder auch herausgerissene Wurzeln, im und auf dem Saathorizont bleiben. Die danach noch auflaufenden Rapskeimlinge werden mit Glyphosat abgespritzt oder durch einen weiteren flachen Bearbeitungsgang vernichtet.

Autor: Dr. Hansgeorg SCHÖNBERGER, N.U. Agrar GmbH, Schackenthal (D)

Weitere Details zur Bodenbearbeitung nach Getreide und Raps, z.B. zu unterschiedlichen Bodenverhältnissen oder die Hauptfehler bei der Bodenbearbeitung im Sommer können Sie in der Ausgabe 13/2012 des "Fortschrittlichen Landwirts" nachlesen. Gratis Probeheft bestellen.

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Aktualisiert am: 22.06.2012 08:18
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