Rescue Deck - was leistet die neue Ferkelamme?

Zur Rettung überzähliger Ferkel großer Würfe steht seit einem Jahr mit dem „Rescue Deck“ eine Kombination aus Amme und Haltungssystem zur Verfügung. Im Landwirt-Praxistest fühlten wir der neuen Ammentechnik auf den Zahn.
In die „Rescue Decks“ können Ferkel mit einem Alter von einem Tag eingestallt werden.
In die „Rescue Decks“ können Ferkel mit einem Alter von einem Tag eingestallt werden.
Dank der fortschreitenden Züchtung und des immer besseren Managements auf den Betrieben konnten viele Sauenhalter ihre Ferkelzahlen in den letzten Jahren steigern. Doch bei großen Würfen kümmern meist einige Ferkel. Gleichzeitig verlieren die Sauen während der Säugezeit zuviel an Gewicht. Vor diesem Hintergrund stellt sich zunehmend die Frage: Wie managet man große Würfe? Zwangsläufig wird man bei der Beantwortung dieser Frage auf die „Amme“ stoßen. Einerseits auf die Ammensau, andererseits auf die technische Amme.
Technische Ammen wurden schon vor vielen Jahren beworben und verkauft – mit dem Ergebnis, dass sie heute auf den Betrieben in einer Ecke verstauben. Sie waren zu anfällig und verursachten zu viel Arbeit.

Praxistest über ein Jahr
Auf der EuroTier 08 wurde erstmals eine völlig neue Ammentechnik vorgestellt, das sogenannte „Rescue Deck“, was soviel heißt wie „Rettungsbox“. Diese bei uns neue Technik der mutterlosen Aufzucht von Ferkel kommt ursprünglich aus den USA. Seit Dezember 2008 wird diese Technik im Zuge eines Landwirt-Praxistests im Lehr- und Forschungsstall der landwirtschaftlichen Fachschule Lambach eingesetzt und genau unter die Lupe genommen.
In der 1,5 x 1 m großen Kunststoffbox haben ca. 12 Ferkel Platz. Sie ist mit einem Tenderfoot-Rost ausgestattet. Ein Deckel mit einer Öffnung für die Wärmelampe schließt die 60 cm hohe Box nach oben hin ab. Zwei patentierte Tränker für Milch und einer für Wasser sind in der Box montiert. Die Box wird im Abferkelstall (meist über einer Abferkelbucht) montiert. Neben der Box steht ein Behälter mit Rührwerk, in dem die Milch angerichtet wird. Eine Umwälzpumpe pumpt Milch über eine Ringleitung zu den Schalen in der Box und wieder zurück.

Fazit
„Rescue Deck“, die neue Technik der mutterlosen Aufzucht funktioniert sehr gut, allerdings ist sie teurer im Vergleich zur natürlichen Amme. Eine natürliche Amme ist aber nur beim Wochenrhythmus ohne Probleme einsetzbar. Während sich der Einsatz einer natürlichen Amme im 3-Wochen-Rhythmus schon schwierig gestaltet, ist er im 4-Wochen-Rhythmus gar unmöglich. Im Preisvergleich mit Ammen die in einer Abferkelbucht stehen steigt das „Rescue Deck“ günstiger aus. In die Rettungsboxen können auch schon Ferkel mit einem Alter von einem Tag eingestallt werden. Voraussetzung ist eine konsequente Hygiene.

Autor: Dipl.-HLFL-Ing. Hannes MADER, Agrarbildungszentrum Lambach


Aktualisiert am: 15.02.2010 15:50
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