Regionale Lebensmittel gibt es nicht zum Nulltarif

Nur 12 % des Haushaltseinkommens in Österreich werden für Essen ausgegeben - Dumpinglöhne in Deutschland.
Nicht Erzeugerpreise, sondern Energie und Arbeitskosten treiben laut Bauernbundpräsident Jakob Auer die Lebensmittelpreise nach oben.
Nicht Erzeugerpreise, sondern Energie und Arbeitskosten treiben laut Bauernbundpräsident Jakob Auer die Lebensmittelpreise nach oben.
Als historischen Tiefstand bezeichnet Bauernbund-Präsident Jakob Auer die 12 % des Haushaltseinkommens, die Herr und Frau Österreicher aktuell für Lebensmittel ausgeben. Einzig in Großbritannien, Irland und Luxemburg wären Nahrungsmittel noch günstiger zu haben, relativiert Bauernbund-Präsident Jakob Auer die jüngsten Preisvergleiche der AK Wien, die österreichische Produzenten und Verarbeiter für ihre hohen Preise anprangern. "Die Lebensmittelpreise steigen wegen hoher Energie- und Arbeitskosten, nicht wegen höherer Erzeugerpreise. Regional produzierte Lebensmittel sind ein kostbares Gut, das es nicht zum Nulltarif gibt“, lehnt Auer die an den Tag gelegte "Geizhals-Mentalität " scharf ab.

Zur Struktur der österreichischen Landwirtschaft generell: "Die Preisvergleiche der AK sind einmal mehr unseriös, weil sie weder die kleinteilige österreichische Struktur oder unsere hohen Produktionsstandards beachten, noch den unterschiedlichen Lohnnebenkosten Rechnung tragen ", appelliert Auer an die Verantwortlichen zu einer sachlichen Diskussion zurückzukehren. Er erinnert auch an das Unternehmerrisiko, dem Landwirte immer wieder asugesetzt sind, so wie aktuell einige Obstbauern wegen Frost und Dürre von Einkommensrückgängen betroffen sind und das Kilo Erdbeeren im Handel trotzdem gleich viel kostet, wie im Vorjahr.

Deutschland mit Dumpinglöhnen im Wettbewerbsvorteil
"Wettbewerbsvorteile gegenüber Österreich verschafft sich die deutsche Fleischindustrie beispielsweise auch durch Dumpinglöhne und Billigarbeiter aus Osteuropa", weiß Auer. Und zum Größenunterschied in der Landwirtschaft generell:
"Bei der größten deutschen Molkerei, dem Deutschen Milchkontor, liefern 11.000 Landwirte 6,7 Mio. t Milch an. Demgegenüber gibt es in ganz Österreich 36.583 Bauern, die 2,9 Mio. t produzieren. In der heimischen Landwirtschaft gelten damit völlig andere Größenordnungen: der durchschnittliche bäuerliche Betriebe bewirtschaftet knapp 20 ha Fläche, in Deutschland sind es etwa 50 ha, in Tschechien gar knapp 100 ha. "Österreich darf stolz sein auf seine bäuerlichen Familienbetriebe und den hohen Anteil an Bio-Landwirtschaft. Die tatsächlichen Herstellungskosten der Landwirte lassen sich über den Rohstoffpreis, 35 Cent beispielsweise bei Milch, bei Weitem nicht abdecken ", stellt Auer klar.


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Aktualisiert am: 12.06.2012 18:49
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