Raus aus der Arbeitsfalle: Effizientes Arbeiten in Ferkelerzeugung und Schweinemast

Auf vielen Betrieben ist die arbeitswirtschaftliche Situation bis aufs Äußerste ausgereizt. Im folgenden Beitrag lesen Sie einige Tipps von Johannes Hilgers wie Sie die vorhandene Zeit effizient nutzen können.
Geregelten Produktionsrhythmus im Betrieb fahren

Der wichtigste Schritt raus aus der Arbeitsfalle ist ein geregelter Produktionsrhythmus. Der Mehrwochenrhythmus ist Grundpfeiler für geplantes und planbares Arbeiten in der Ferkelerzeugung. Der Dreiwochen-Rhythmus beispielsweise hat den großen Vorteil, dass jede Woche eine Arbeit anfällt. Die Arbeiten lassen sich bündeln, damit größeren Gruppen gearbeitet wird.

Entlarven Sie Zeitfresser im Schweinestall

Viel Zeit lässt sich sparen, wenn bei der Reinigung und Desinfektion der Abteile kleine Dinge geändert werden. So reduziert sich die eigentliche Reinigungszeit auf fast die Hälfte, wenn man dem Schmutz mittels Rasensprenger und Zeitschaltuhr oder professioneller Einweichanlage zu Leibe rückt. Umgerechnet kostet eine Einweichanlage mit Zusatznutzen wie Desinfektion und Kühlung bei einem 1000 bis 1200 Plätze zählenden Maststall gut 1 € je Schwein. Reinigungsschaum erleichtert das Entfernen von Fetten geflieste Wände lassen sich doppelt so schnell säubern wie gestrichene.

Setzen Sie Prioritäten

Die Kunst besteht darin, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden: Setzen Sie Vertrauen in Ihren Mitarbeiter und betrauen Sie ihn mit Aufgaben, die nicht von Ihnen selbst erledigt werden müssen, oft aber sehr zeitaufwändig sind. Lassen Sie den Gedanken zu, sich von verschiedenen Arbeiten gänzlich zu trennen und einen Lohnunternehmer oder eine Fachfirma zu beauftragen. So haben Sie Zeit für Ihr „Kerngeschäft“, das heißt: Umrauscherquote bei möglichst nicht mehr als 10 %, Saugferkelverluste unter 10 % und Geburtsbetreuung im Abferkelstall.

Bringen Sie Farbe ins Spiel

Im Deckzentrum entscheidet sich, wie hoch die Umrauschqoute ist. Die Kennzeichnung mit verschiedenen Farben sorgt für den Durchblick. Egal wie groß die Besamungsgruppe ist, halten Sie alle wichtigen Brunstinformationen vom Beginn der ersten Duldung bis zur erfolgreichen Belegung auf dem Rücken der Sau farblich markiert fest.

Geburtsmanagement optimieren

Geburtsüberwachung und Ferkelverluste stehen in einem direkten Zusammenhang. Wer seine Sauen regelmäßig während der Geburten betreut und wo nötig die Geburt auch einleitet, kann sich über weniger als 10 % Verluste freuen. In Anbetracht der Tatsache, dass Sauenhalter 42 % ihrer Arbeitszeit im Abferkelstall verbringen, sollten sie auch zum Zeitpunkt der Geburten dort sein. Das erfolgreiche Belegen großer Gruppen ist Voraussetzung für einen praktikablen Weg der Geburtensynchronisation, um den Zeitraum der Geburtsüberwachung von sieben auf drei Tage zu reduzieren. Die Abferkelungen lassen sich bündeln; die Geburtsbetreuung ist sichergestellt.

„Kleine Helfer“ nutzen

Wer einen Ferkelwagen zum Impfen und Einziehen der Ohrmarken benutzt, spart sich das Bücken und hat mehr Arbeitskomfort. Wird mit zwei Messern kastriert, kann das ungebrauchte Messer zur Desinfektion in Jodlösung stehen. Gereinigte Futterschalen lassen sich auf Kunststoffrosten befestigen und griffbereit im Zentralgang aufhängen. Wer beim Treiben der Tiere auf fremde Hilfe verzichten muss, kann sich mit einer Absperrung, an welcher die Schweine entlang getrieben werden, den Weg von einer Stalleinheit in die nächste ebnen.

Orientieren Sie sich am Ergebnis

Erfolg beflügelt. Auf einer großen Tafel im Vorraum des Stalles werden die aktuellen Leistungsdaten festgehalten und können mit den Vormonaten verglichen werden. Der Vergleich der Zahlen zeigt sofort, in welchen Bereichen es gut läuft und ermöglicht gleichzeitig eine gezielte Schwachstellenanalyse. Außerdem wird klar, welche Tiere typische Problemsauen sind und damit zur Arbeitsfalle werden. Den wichtigsten Tipp gab er zum Schluss: „Denken Sie positiv. Überlegen Sie in Ruhe, was Sie ändern möchten – und tun Sie es.“

(Quelle: Vortrag von Johannes Hilgers)


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Aktualisiert am: 01.04.2009 22:10

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