Rapssorten: Halbzwerge sind eine interessante Alternative

Als Halbzwerge bezeichnet man Rapssorten mit einem geringeren Längenwachstum. Versuche zeigen, dass dieser Wuchstyp viele Vorteile hat – und das bei gleichem Ertrag im Vergleich zu normallangen Rapssorten, wie Dr. Andrea Feiffer (feiffer consult) berichtet.
Halbzwerge weisen eine deutlich bessere Druscheignung auf, die sich in mehrjährigen Feldversuchen mit etwa 18 % höherer Mähdrescherleistung sowie mit fast 1 l/t geringeren Kraftstoff ausgewirkt hat.
Halbzwerge weisen eine deutlich bessere Druscheignung auf, die sich in mehrjährigen Feldversuchen mit etwa 18 % höherer Mähdrescherleistung sowie mit fast 1 l/t geringeren Kraftstoff ausgewirkt hat.
Als man die Ernte mit Sichel und Sense einbrachte, spielte die Druscheignung noch gar keine Rolle und das Getreide konnte auf der Tenne nachreifen. Als dann der Mähdrescher auf den Feldern Einzug hielt, verlagerte sich die Ausreife von der Garbe auf den Halm und der Erntetermin von der Gelb- zur Totreife. Die Druscheignung stand plötzlich in hoher Priorität und veränderte die Zuchtziele drastisch. Übermannshohe oder späte Sorten fielen aus dem Sortenkarussell. Sorten mit guter Standfestigkeit, kurzem Stroh und gleichmäßiger Abreife drängten dagegen in den Vordergrund. Was in der Getreidezüchtung mit kurzstrohigen Mähdruschsorten längst umgesetzt ist, begann in der Rapszüchtung sehr wiederstrebend. Lange Zeit schien Kurzstrohigkeit beim Raps mit hohen Erträgen unvereinbar zu sein. Deshalb ging die bisherige Rapszüchtung mit stetig steigender Biomasse einher. Lagerprobleme und eine erschwerte Dreschbarkeit mit höheren Verlusten sind die Folge. Der neue Wuchstyp der Halbzwerge kombiniert Ertrag und Druscheignung sehr erfolgsversprechend.


Etwa 30 cm kürzer
Halbzwerge sind etwa 30 cm kürzer im Wuchs. Während das Schotenpaket bei Normalstrohsorten von einem langen Stängel getragen wird, ist dieser beim Halbzwerg eingespart. Die Verzweigung der schotentragenden Triebe beginnt direkt ab Erdboden. Das verleiht ihm eine standfeste Architektur mit vielen Ertrags- und Druschvorteilen. Halbzwerge überwachsen kaum und lassen sich gegebenenfalls leicht durch Triazole einkürzen. Deshalb ist ihr Aussaatfenster recht breit und reicht fast von Anfang bis Ende der Rapsbestellung. Halbzwerge sind demnach für Frühsaat und als Hybriden auch für Spätsaat geeignet.

Geringe Durchfahrschäden
Zur Blütenbehandlung ist der Halbzwerg deutlich kürzer als die Normalstrohhybriden. Kurzstrohige Sorten sind wegen ihrer Pflanzenarchitektur stärker durch Sklerotiniabefall gefährdet, weshalb sich bei den Halbzwergen immer eine fungizide Maßnahme in der Blüte empfiehlt. Sofern ein Warndienstaufruf nicht vorher erfolgt, kann man allerdings den kurzen Wuchs der Halbzwerghybriden nutzen und die Behandlungsmaßnahmen in der späten Blüte (bis EC 69) durchführen, um den weiteren Zuwachs und damit alle Schoten optimal zu schützen. Bei Normalstrohhybriden ist dieser späte Termin schwer möglich und man wird eher frühe Termine wählen, weil jeder Tag Längenwachstum bringt und damit Durchfahrschäden.
Der Anteil des Zwiewuchses ist in der Fahrgasse von Halbzwergen wesentlich geringer, so dass Ertrag und Druschleistung zur Ernte höher sind.

An die Optik gewöhnen
Bis zur Ernte muss man sich mit einer anderen Optik abfinden. Der Halbzwerg sieht, nach unserem gewohnten Bild, eher mickerig aus und man zweifelt bis zur Ernte seinen Ertrag an. Der Halbzwerg verzweigt sich jedoch intensiv und bringt nicht weniger schotentragende Triebe als Normalstrohhybriden. Er macht viele kleine Schoten, aber größere Körner. Der Ertrag kommt über die Körnerzahl mal TKG. Bei den Landessortenversuchen konnten die Halbzwerge gleichauf mit den führenden Sorten abschneiden und ihre guten Leistungen in den Wertprüfungen und im Bundessortenversuch bestätigen. Ebenso wichtig für Landwirte sind hohe Ölgehalte. Sie werden von der aufnehmenden Hand gut honoriert. Die ersten Generationen konnten nicht ganz überzeugen. Mittlerweile sind jetzige Halbzwerggenerationen mit Vergleichshybriden ebenbürtig.

Kurze Sorten dreschen leichter
Halbzwerge weisen eine deutlich bessere Druscheignung auf, die sich in mehrjährigen Feldversuchen mit etwa 18 % höherer Mähdrescherleistung sowie mit fast 1 l/t geringeren Kraftstoff ausgewirkt hat. Die bessere Druscheignung ergibt sich aus der Kombination von geringerer Biomasse und deren guter Abreife. Das vereinfacht den staufreien Einzug am Schneidwerk sowie den Ausdrusch und die Abscheidung auf Schüttler/Rotoren und Sieben. Gerade Mähdrescherfahrer wissen diese Vorzüge sehr zu schätzen, auch weil die Maschineneinstellung einfacher ist.

Interessante Vorteile
Für den Lohnunternehmer und Landwirt liegen die Vorteile des Halbzwergs in folgenden Bereichen:
- leichteres, energieärmeres Schneiden
- bessere Schneidwerksarbeit durch geringe Stängeldicke und kompaktes Schotenpake
- höhere Mähdrescherleistung durch bessere Abscheidung auf Schüttler/Rotoren und Sieben
- geringere Gesamternteverluste um mind. 2 %
- geringere Rücktrocknung
- sicherer Erntetermin durch gleichmäßige Abreife
- einfachere Mähdreschereinstellung
- geringerer Kraftstoffverbrauch
- bessere Häckslerarbeit und Strohverteilung
- höhere Erntesicherheit
- schnellere Folgearbeiten

Der Fokus der Landwirte bei neuen Sorten wird sich zukünftig verstärkt auf die Ressourceneffizienz richten. Mit welcher Sorte lässt sich die höchste Nutzung der Sonnenenergie, der Mähdrescherleistung, der bestandesführenden Maßnahmen u.a. erzielen bei gleichzeitig hohen Erträgen. Solche Sorten werden vorzüglicher, die sich unkompliziert, leistungsstark und verlustarm in einem gewünschten Erntefenster dreschen lassen sowie im Produktionsmanagement sicher und einfach zu handhaben sind. Wenn der neue Wuchstyp der Raps-Halbzwerge sich auch in Zukunft als ertragsstabil erweist und sich die subjektiven Vorbehalte verringern, werden sich kürzere Sorten über ihre Vorteile durchsetzen.

Autor: Dr. Andrea FEIFFER, feiffer consult, Sondershausen (D)

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Aktualisiert am: 08.08.2012 10:27
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