Rapspreise: Auch in der Abwärtsspirale?

Weizen- und Rapsnotierungen nehmen seit der Ernte 2009 einen gegenläufigen Verlauf. Während die Getreidenotierung um 11 % nachgeben, legt die Ölfrucht um 7 % zu. Auskunft über die weitere Preisentwicklung sollen der bisherige Preisverlauf sowie die errechnete Preisprognose aufgrund von Änderung der Angebots- und Nachfragesituation ergeben.
Der schwache Eurokurs verbessert die Markt- und Preischancen für Raps.
Der schwache Eurokurs verbessert die Markt- und Preischancen für Raps.
Kurzfristig stützt den Rapspreis eine Angebotslücke, da die weltweite Nachfrage 1 Mio. t über dem diesjährigen Angebot an Pflanzenölen liegt, so die Rabobank in ihrer diesjährigen Marktanalyse zu diesem Produktsektor. Für 360.000t zeichnet allein der weltweite Rückgang an Sonnenblumenöl verantwortlich. Das kommt vor allem dem Raps zugute, da vor allem nur dessen Öl gleichwertigen Ersatz dafür schafft. Dazu bedarf es zusätzlicher 900.000 t Raps, um das zu gewährleisten. Bei auskömmlichen 50 Euro/t Schlaglohn - der vierjährige Mittelwert bewegt sich zwischen 30 und 60 Euro/t - nehmen die Ölmühlen diesen zusätzlichen Auftrag gerne an. Wird im Zeitverlauf diese Range nach oben überschritten, verursacht das kurzfristig steigende bzw. im anderen Fall aber zu fallenden Rapsnotierungen. All diese erfreulichen Gegebenheiten bedingen derzeit eine lebhafte Nachfrage nach dieser Ölfrucht und verhindern einen Eintritt der Rapsnotierungen in eine Abwärtsspirale.
Biodiesel, hergestellt aus Raps, wird wettbewerbsfähiger und sieht einer gestiegenen Nachfrage entgegen. Ferner greifen Tierhalter verstärkt auf Rapsschrot als im Verhältnis zum Sojaschrot preiswerteren Eiweißfutter zurück. Das führt gegenwärtig zu einer ausgeprägten Verknappung dieser Ware und folglich zu einem Notierungsanstieg.
Zudem soll die Ukraine, die mit 2 Mio. t Rapssaat für 80 % der Importe dieser Ölsaat in die EU verantwortlich ist, laut Oil World nahezu ausverkauft sein. Um 400.000 t auf nunmehr 1,5 Mio. t steigert zudem China im laufenden Jahr China seine Rapsimporte gegenüber der Dezemberprognose.
Ferner verleiht die Ende 2009 um ein Jahr verlängerte steuerliche Unterstützung der Biodieselherstellung von 1 $ pro Gallone durch den US- Senat dort der Nachfrage nach Ölsaaten einen weiteren zusätzlichen Schub.

Gründe gegen steigende Notierungen
8,6 Mio. t Raps und damit 1,4 Mio. t mehr als zum Vergleichszeitpunkt des Vorjahres liegen zum Jahresende 2009, laut Oil World, bei Landwirten und Verarbeitern in der gesamten EU in den Lagern.
Zum anderen erfolgt die Angebotszunahme durch die Ausdehnung der Anbauflächen. Das belegt eindeutig die Situation bei Sojabohnen in Brasilien und Argentinien. Mit 67 Mio. t. übertrifft das erstgenannte Land das vorjährige Ergebnis der Sojabohnenernte um 23. Mio. t. Für Argentinien lautet die Vergleichszahl 53 und 10. Mio. t. Beides stellen dort Rekordernten dar und verbessern die Angebotssituation nachhaltig.
Für Raps erwartet Informa, ein renommiertes amerikanisches Institut für landwirtschaftliche Marktanalysen, für 2010 weltweit eine 4%ige bzw. 1,3 Mio. ha Zunahme bei den Rapsflächen auf dann insgesamt eine Anbaufläche von 32,1 ha. 2 Mio. t Mehrertrag an dieser Ölfrucht stehen dann bei günstigen Wetterbedingungen 2011dem Markt zusätzlich zur Verfügung.
Gar ein 5%iger Anstieg der Rapsaussaatflächen wird in den bedeuteten Anbaustaaten der Nordhalbkugel wie Kanada und der EU erwartet. Der enorme Wettbewerbsvorteil dieser Druschfrucht gegenüber dem Getreide macht dem Landwirt diese Entscheidung leicht. Denn das gegenwärtige Preisverhältnis Weizen zu Raps lautet am Terminmarkt für die jeweilige Novembernotierung 1: 2,26, im Zehnjahresmittel hingegen liegt diese Verhältniszahl bei 1: 1,97. Auf 2,04 beläuft sich diese Relation im Mittel des bisherigen Gesamtjahres mit starker Tendenz nach oben. 2,03 beträgt der Vergleichswert des Vorjahres. Ändert sich dieses Preisverhältnisses um einem Tick (0,01 %) nimmt im darauffolgenden Jahr den Umfang der Rapsanbauflächen um 1,7 % in der Gemeinschaft zu oder ab. Die dafür notwendigen Flächen stellen in diesem Jahr vor allem die Gerstenfelder aus dem Vorjahr zur Verfügung. Denn mit dem Auslaufen der Intervention bei dieser Druschfrucht im Mai 2010 fällt die staatliche Garantie eines Mindestpreises ersatzlos weg.

Autor: Joachim RUHMANN, Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR), Bad Kreuznach (D)


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Aktualisiert am: 02.04.2010 10:56
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