Rapsextraktionsschrot in der Schweinefütterung

Rapsschrot wird zunehmend in der Schweinefütterung eingesetzt. Können durch den Einsatz von Rapsschrot Futterkosten gespart werden und was darf dieser im Vergleich zu Sojaextraktionsschrot kosten?
Aktuelle Versuche belegen, dass in der Schweinemast bis zu 15 %, in der Sauenfütterung 5-10 % und in der Ferkelfütterung bis zu 10 % Rapsextraktionsschrot eingesetzt werden kann.

Fütterung: Experten-Interview auf YouTube

Dr. Manfred Weber, Dezernatsleiter für das Fachgebiet „Schwein“ bei der Landesanstalt für Landwirtschaft, Iden (D), gibt in einem kurzen Interview auf der EURO-Tier 2010 einen Überblick über die Einsatzmöglichkeiten von Rapsextraktionsschrot in der Schweinefütterung. Hier kommen Sie zum Interview: Reserven in der Schweinefütterung

Moderne Rapssorten: Keine Probleme durch Glucosinolate und Erucasäuren

Bild zum Vergrößern anklicken (Quelle: www.proteinmarkt.de)
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Bedenken gegen Rapsschrot betrafen in der Vergangenheit in erster Linie den Glucosinolatgehalt, der bei Überschreitung des Grenzwertes die Futteraufnahme der Schweine vermindert und die Schilddrüse hemmt. Durch klassische Pflanzenzucht (ohne gentechnische oder zellbiologische Verfahren) ist es in den 70er Jahren gelungen, die bittere Erucasäure weitgehend durch Ölsäure (0-Raps) zu ersetzen. Außerdem stehen seit rund 25 Jahren glucosinolat-arme Rapssorten (00-Raps) für den Anbau zur Verfügung. Nach wissenschaftlichen Studien vertragen Schweine 1,5 bis 2 Mili-Mol Glucosinolate je Kilogramm Futter. Da in den verschiedenen Untersuchungen von Rapsschrot im Durchschnitt nur sieben Mili-Mol pro Kilogramm analysiert wurden, kann der Rapsschrotanteil am Gesamtfutter heutzutage ohne Probleme 15 % betragen.

Schwein: Was muss bei der Rationsgestaltung beachtet werden

Rapsextraktionsschrot besitzt rund 10 % weniger Rohprotein als Sojaextraktionsschrot und etwa 8 Gramm weniger Lysin pro Kilogramm Futter. Zudem sind die meisten essentiellen Aminosäuren schlechter verdaulich als die des Sojaschrotes. Dagegen ist Rapsschrot relativ reich an den schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein. Auch der Threoningehalt liegt in einem günstigen Bereich. Zu berücksichtigen ist in der Schweinemast auch der geringere Energiegehalt von Rapsschrot (~10 MJ ME). Nachdem gerade in der Anfangsmast ein Energieniveau im Futter von etwa 13,4 MJ ME angestrebt werden sollte, muss überprüft werden, dass sich der „Energie-Verdünnungseffekt“ von Rapsschrot nicht negativ auf die Futterenergie und somit die Tageszunahmen auswirkt. In der Endmast kann dieser „Verdünnungseffekt“ wiederum gewünscht sein und einer übermäßigen Verfettung im letzten Mastabschnitt entgegen zu wirken (z.B.: Breiautomaten-Fütterung).

Mehr Rohfaser im Futter

Nachdem auch die Kosten für Rohfaserträger und –konzentrate sehr hoch sind, kann der im Vergleich zum Sojaschrot deutlich höhere Rohfasergehalt im Rapsschrot (etwa 2-3x so hoch) interessant sein. Oft weicht der Rohfasergehalt im Schweinefutter weit von den offiziellen Empfehlungen ab (z.B.: Mastfutter mit hohem Anteil an Maiskornsilage, tragende Zuchtsauen). Dieser Mangel bringt oft auch erhebliche tiergesundheitliche Probleme mit sich. Beim Einsatz von Rapsschrot liefert dieser dann neben „Eiweiß“ auch Rohfaser. Die genannten Kriterien sollten in der Rationsgestaltung berücksichtigt werden, dennoch ist für den Praktiker schlussendlich gerade in Zeiten von hohen Futterkosten die Preiswürdigkeit eines Futtermittels entscheidend.

Rapsschrot: Preiswürdigkeit beachten

Die Preiswürdigkeit wird nach der Austauschmethode ermittelt. In der Schweinefütterung sind Sojaschrot und Weizen die Ausgangsbasis. Gerechnet und bewertet wird nach den Kriterien Lysin und Energie. Bei den derzeitigen Preisen verliert Rapsschrot jedoch gegenüber Sojaschrot an Attraktivität. Die Preiswürigkeit können Sie mit dem Rationsrechner von DI Hollmichel ganz einfach im Tabellenblatt „Preiswürdigkeit FUMI“ ermitteln. Unter folgendem Link können Sie das Futterberechnungsprogramm downloaden: Futterberechnungsprogramm Schwein (Urheberschutz zustimmen)

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier: Einsatz von Rapsextraktionsschrot in der Schweinefütterung


Aktualisiert am: 14.01.2011 16:30
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