Rapsbanbau im Herbst 2007

Die Bedingungen der letzten Rapssaison waren außergewöhnlich. Auch heuer zeigte der Witterungsverlauf Abnormitäten: Trotz Frühjahrstrockenheit ist genug Wasser im Boden, die kommende Aussaat wird unter eher feuchten Bedingungen erfolgen. Darauf sind Saattermin, Düngung und Pflege abzustimmen.
Nährstoffmangel und/oder Nässe, die die Nährstoffaufnahme behindert, führen zu einer Blauviolett Verfärbung des Rapses. Raps darf im Herbst nicht hungern.
Nährstoffmangel und/oder Nässe, die die Nährstoffaufnahme behindert, führen zu einer Blauviolett Verfärbung des Rapses. Raps darf im Herbst nicht hungern.
Die notwendige tiefe Bearbeitung zum Raps darf erst erfolgen, wenn der Boden soweit abgetrocknet ist, dass keine Schmierschicht an der Bearbeitungsgrenze entsteht. Ist der Boden im Unterkrumenbereich noch feucht oder gar nass, darf maximal auf 18 - 22 cm gegrubbert bzw. auf 22 - 25 cm gepflügt werden, um unvermeidliche Verdichtungen im nächsten Jahr wieder unterfahren zu können.
Durch die mehrmalige Bodenbearbeitung lässt sich auch Ausfallraps dezimieren. Noch wichtiger ist, den Ausfallraps nach der Rapsernte zum Keimen zu bringen, um ihn dann ausmerzen zu können.

Raps später säen?
Wenn die Temperaturen im Herbst wie im Vorjahr durchschnittlich um 2 °C ansteigen, braucht der Raps erst um den 20. September aufzulaufen, kann also bis zum 10. - 12. September gesät werden. Er hatte bis zum 20. März, bis er endgültig zu schossen begann, im Frühjahr genug Zeit zum Wachsen und um Ertragsorgane (schotentragende Triebe) zu bilden.
Legt man aber die Witterung der letzten 30 Jahre zugrunde und hebt nur die Temperaturen im Herbst um 2 °C an, dann ist der Raps zB in der Steiermark in 2 von 10 Jahren trotzdem zu schwach, in 5 von 10 Jahren höchstens knapp ausreichend entwickelt und bildet zu wenig Ertragsanlagen aus, wenn erst im September gesät wird. Damit kommen für reine Septembersaaten nur Standorte in Frage, auf denen die Vegetation bislang schon bis Anfang Dezember in Gang war.
Man könnte den Raps auch nur einige Tage später in der letzten August- oder ersten Septemberwoche säen.

Runter mit der Saatstärke
Der zweite Schritt, um das vorzeitige Schossen im Herbst zu vermeiden, ist die Verringerung mit der Saatstärke: Je mehr Standraum die Einzelpflanze hat, um so besser bildet sie die Rosette aus und um so später beginnt sie den Stängel zu bilden.
Bei Saatterminen, die dem Raps vor Winter wenigstens 80 Tage wachsen lassen, reichen unabhängig von der Sorte 30 bis 35 Pflanzen je m², um bei 8 bis 10 Verzweigungen je Pflanze etwa 250 Verzweigungen je qm zu bilden, und das Ertragspotential auszuschöpfen.

Fazit
· Trotz milder Herbste hat die Qualität der Rapsbestellung Vorrang vor dem Saattermin. Früh und gut bestellt ist allemal besser als spät und nass, auch wenn der Raps danach noch lange wachsen kann.
· Die Stängelbildung im Herbst wird vermieden durch den Anbau schoßfester Sorten und durch reduzierte Saatstärken.
· Bildet der Raps vor dem 20. September 4 Laubblätter, kann die Stängelbildung durch wachstumsregulatorisch wirksame Azole verhindert werden. Dadurch wird auch der Frühbefall mit Phoma gestoppt.
· Der Raps darf im Herbst nicht hungern. Bor braucht der Raps vor allem für die Frosttoleranz. Das gilt auch für das Kali. Die ausreichende Versorgung mit Stickstoff, Phosphor und Schwefel ist notwendig, damit der Raps genug Ertragsanlagen bilden kann.
· NH4-haltige Dünger sind besser geeignet, um die N-Versorgung im Herbst sicherzustellen. Nitratdünger erhöhen das Winterrisiko.
· Die Bekämpfung von Schadinsekten im Herbst ist im Raps auch weiterhin eine der wirtschaftlichsten Maßnahmen.

Von Dr. Hansgeorg SCHÖNBERGER, N.U. Agrar GmbH, Schackenthal ( www.nu-agrar.de)


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Aktualisiert am: 04.08.2007 18:47
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