Raps braucht mehr Stickstoff in diesem Jahr

Die Winterrapsbestände präsentieren sich in diesem Jahr ganz anders als im Vorjahr. Die Pflanzen haben vor dem Winter weniger Stickstoff aufgenommen und müssen deshalb mit mehr Stickstoff angedüngt werden.
Während der Blüte lagert die Pflanze viel Stickstoff von Stängel und Blatt in Schoten und Körner um.
Während der Blüte lagert die Pflanze viel Stickstoff von Stängel und Blatt in Schoten und Körner um.
Was der Raps bereits aufgenommen hat, muss nicht noch einmal gedüngt werden. Wenn allerdings die Blattmasse teilweise abgefroren ist und der Stickstoff nicht mehr direkt aus den Blättern in den Spross verlagert wird, sondern erst über den Boden wieder in die Rapspflanze gelangen kann, kann dieser Stickstoff bei der Startgabe nicht mehr berücksichtigt werden.
Die Menge des aufgenommenen Stickstoffes können wir überschlägig aus der Entwicklung des Rapses abschätzen:
Mit 12 Blättern je Pflanze bzw. einem Wurzelhalsdurchmesser von 15 mm hat der Raps bei normaler Pflanzenzahl bereits gute 100 kg/ha N aufgenommen, mit 10 Blättern (10-12 mm Wurzelhals) etwa 70 bis 80 kg/ha N und mit 8 Blättern (8-10 mm Wurzelhals) um die 50 kg/ha N, mit 6 Blättern nur 25 bis 30 kg/ha N.
Ein üppiger Raps braucht demzufolge nur mit 40 kg/ha N, auf schweren, bindigen Boden mit 70 kg/ha N angedüngt zu werden.
Raps mit 10 Blättern je Pflanze erfordert eine Startgabe von 60 bis 70 kg/ha N, mit 6 Blättern von über 110 kg/ha N.
Der Nmin- Vorrat im Boden muss nur dann angerechnet werden, wenn er höher als 30 (auf sandigen Boden) bzw. 50 kg/ha N auf lehmigen Boden ist. Das dürfte in diesem Jahr selten der Fall sein.

Gesamtbedarf
Der Gesamtdüngungsbedarf im Frühjahr ohne Blütendüngung ergibt sich:
Ø aus dem Aufnahmebedarf bis Beginn der Blüte, also je nach Ertragserwartung zwischen 180 und 240 kg/ha N.
Ø Dazu muss ein Zuschlag erfolgen, mit dem die Durchwurzelbarkeit und die Bindigkeit des Bodens berücksichtigt wird sowie die Wurzelausbildung des Rapses.
Dieser Bodenzuschlag beträgt auf
- sandigen Boden (bis 8 % Ton) zwischen 20 und 40 kg/ha N,
- schluffigen Boden und lehmigen Sand (bis 15 % Ton) zwischen 30 und 60 kg/ha N,
- Lehmböden (bis 25 % Ton) zwischen 40 und 70 kg/ha N,
- schwere, tonige Böden ( über 25 % Ton) zwischen 50 und 80 kg/ha N.

Die niedrigen Werte sind anzusetzen bei kräftigen Wurzeln und gute Bodenstruktur, die höheren Werte bei schwacher Wurzelausbildung und Verdichtungen in der Krume.

Ø von diesen N-Gesamtbedarf wird abgezogen
- der vor Winter bereits aufgenommene Stickstoff, der auch bei der Startgabe berücksichtigt wurde,
- der Nmin- Vorrat im Wurzelraum,
- die voraussichtliche N-Nachlieferung bis zur Blüte.
Allerdings wird in diesem Frühjahr die Stickstoffnachlieferung erst später zum Tragen kommen, so dass nur bei intensiver Güllewirtschaft und auf Standorten mit früher Erwärmung maximal 30 kg/ha N als Nmob angerechnet werden können, die bis Beginn der Blüte aus dem Boden kommen.
Der Hauptteil der N-Freisetzung aus der organischen Substanz des Bodens wird erst im Mai, während der Rapsblüte zu erwarten sein. Deshalb reichen dann 30 bis 40 kg/ha N zusammen mit Pflanzenschutzmaßnahmen im Knospenstadium und in der Blüte. Wer keine Möglichkeit hat, den Raps über das Blatt zu düngen, sollte zu Beginn des Knospenstadiums 40 kg/ha N als NAC streuen.

Autor: Dr. Hansgeorg SCHÖNBERGER, N.U. Agrar GmbH Schackenthal (D)


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Aktualisiert am: 13.02.2008 16:07
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