Raps: Erntebeschleuniger zum Drusch

Beim Gedanken 14 Tage vor dem Druschtermin mit einer Vorerntesikkation durch den Raps zu fahren, schütteln sich die meisten Landwirte. Vor ihrem geistigen Auge sehen sie, wie die Rapsschoten im oberen Bereich nur so aufspringen und eine weiße Fahrspur hinterlassen. Und genauso sieht es auch tatsächlich aus. Aber ist der Schaden wirklich so groß?
Die Sikkation erhöht den Ertrag, erleichtert die Ernte, verringert die Verluste und rechnet sich – auch wenn die Überfahrt zur Sikkation einen weißen Streifen hinterlässt.
Die Sikkation erhöht den Ertrag, erleichtert die Ernte, verringert die Verluste und rechnet sich – auch wenn die Überfahrt zur Sikkation einen weißen Streifen hinterlässt.
Die Vorerntesikkation hat sich mit 3 % ertragssteigernd ausgewirkt. Das ist auf geringe Ausfallverluste sowie auf geringere Ausdruschverluste grüner Gummischoten und geringere Schüttler- und Reinigungsverluste zurückzuführen. In Jahren mit erhöhtem Grünanteil dürften diese Anteile noch wesentlich größer sein.

Wie ist der Nutzen zu definieren?
Er setzt sich zusammen aus der Leistungssteigerung des Mähdreschers und den daraus resultierenden Zeitvorteilen, aus der Kraftstoffeinsparung, der Kornfeuchte und Besatzsenkung sowie aus der Senkung der Verluste, wie Ausfall-, Ausdrusch- und Schüttler- und Reinigungsverluste. Setzt man alles bescheiden an so ergeben sich ca. 82,50 €/ha.
Davon sind die Durchfahrschäden und die Kosten der Mittelausbringung abzuziehen.
Es verbleibt ein Gewinn, je nach Arbeitsbreite, zwischen 7,50 und 30,50 €/ha. Der Gewinn kann in anderen Jahren durchaus höher sein.

Fazit
An eine Vorerntesikkation im Raps muss sich das Auge erst gewöhnen. Die Schäden bei der Durchfahrt, mit Ausfall und umgefahrenen Pflanzen, betragen im Streifen der Fahrspur etwa 30 %. Sie relativieren sich bei einer Arbeitsbreite von 18 m auf etwa 3 % und verringern sich bei Arbeitsbreiten von 36 m auf 1,7 %. Zu den Kosten kommt die Ausbringung mit ca. 30 €/ha.
Dem gegenüber steht ein Nutzen von ca. 85 €/ha, der sich aus geringen Druschverlusten (Gummischoten, Schüttler/Rotor, Reinigung, Ausfall), höherer Mähdrescherleistung bei geringem Kraftstoffverbrauch zusammensetzt.
Ein entscheidender Vorteil ist die gezielte Steuerung des Erntetermins. Gerade bei den intensiv geführten Sorten mit späterer und ungleichmäßiger Abreife kommt es zu Arbeitsspitzen im Weizen und damit zur Gefährdung der Weizenernte. Jeder Tag Erntevorverlegung durch eine gezielte Abreife bringt 0,5 % Gesamtverlustsenkung bei allen Folgenkulturen. Hat der Betrieb noch 600 ha Folgekulturen zu dreschen, bringt jeder Tag früherer Ernteabschluss ca. 4.500 €. Behandelt man 100 ha Raps, kostet das ca. 6.000 €. Zieht man den Raps zwei Erntetage nach vorn, beträgt der Nutzen 9.000 €. Die Erntesicherheit und die Verringerung des Wetterrisikos sind die entscheidenden Faktoren.



Autoren: Andrea FEIFFER, Sondershausen und Marko HESSE, Neunheilingen (D)


Autor:
Aktualisiert am: 10.06.2008 11:45
Landwirt.com Händler Landwirt.com User