Raps: Der Grundstein wird im Herbst gelegt

Hohe Erträge sind nur mit optimaler Bestandsführung im Herbst möglich. Was demnach heuer noch unbedingt durchgeführt werden muss, erklären Rupert Reich und ÖR Josef Dieplinger, Betreuer des Beratungsvereins „Pflanzenbau-Inn-Form“.
Raps darf nicht zu früh gedüngt werden. Nur wenn er sich zu Beginn die Nährstoffe selbst suchen muss, entwickelt er eine kräftige Pfahlwurzel.
Raps darf nicht zu früh gedüngt werden. Nur wenn er sich zu Beginn die Nährstoffe selbst suchen muss, entwickelt er eine kräftige Pfahlwurzel.
„Wenn der Landwirt einen Rapsertrag von 5.000 kg als Ziel hat, dann kann er das mit optimaler Bestandsführung in Kombination mit optimaler Witterung erreichen“, gibt Rupert Reich die Zielrichtung der Betreuung durch „Pflanzenbau-Inn-Form“ vor. „Was im Herbst verpasst worden ist, kann im Frühjahr nicht mehr aufgeholt werden“, so ÖR. Josef Dieplinger. Dieplinger berät die Vereinsmitglieder mit Erfahrungen, die er im Laufe von 50 Jahren sammelte. Auf seinem Betrieb führt er jedes Jahr Versuche zur Bestandesführung durch, deren Ergebnisse in die Beratung einfließen.

Mit 10 Blättern in den Winter
Das Ziel der Herbstentwicklung ist, dass der Rapsbestand mit 10 bis 12 Blättern in den Winter geht. „Man darf den Raps weder hungern lassen, noch überfüttern“, weiß Dieplinger. Je nach Entwicklung braucht Raps 30 bis 60 kg N im Herbst (60 N wenn Stroh nicht abgefahren wurde). Geht Raps kräftig in den Winter, hat der Landwirt keinen Druck im Frühjahr so früh wie möglich in den Bestand zu fahren. Da Raps sehr empfindlich auf Verdichtungen in der Wurzelzone reagiert, sollte der Boden bei den Überfahrten möglichst trocken sein.

Fungizidanwendung
Die Anwendung von Fungiziden im Herbst hat bei frühem Phoma Auftreten den größten Effekt. Als Fungizide bieten sich Folicur (mind. 0,75-1 l/ha), Caramba (mind. 1-1,25 l/ha) oder Kombination von Folicur/Caramba + Cantus (0,3 l/ha) an. Der optimale Zeitpunkt der Behandlung liegt wenn Befall festgestellt wird, im 4 - 5 Blatt Stadium. Für die Fungizidanwendung muss Blattmasse vorhanden sein, da es über die Blätter wirkt. „Das Einkürzen der Rapsbestände mit 0,6 Liter Caramba oder 0,5 Liter Folicur ist für uns Standard“, so Josef Dieplinger. Die Wachstumsreglereffekte von Folicur/Caramba fördern die Wurzelentwicklung und verhindern ein Aufstängeln im Herbst. Bei Phomawetter sollte die Aufwandmenge auf die Phomawirkung (siehe oben) erhöht werden. Cantus hat keinen wachstumsregelnden Effekt.

Schädlingsbekämpfung
Obwohl das Saatgut mit Insektiziden gebeizt ist, kann bei früher Saat ab dem 4 Blatt Stadium der Rapserdfloh auftreten. Die Erdfloh-Fraßspuren lassen sich von Schnecken-Schäden leicht unterscheiden: Sie fressen Löcher in die Blätter während Schnecken von außen nach innen fressen. „Wenn Sie Erfloh-Spuren im Bestand sehen, so müssen Sie bei der Fungizidbehandlung ein Insektizid anwenden“, rät Josef Dieplinger.

Fazit
Die Bestandesführung von Raps ist nicht komplizierter als bei Weizen und anderen Kulturen. Durch die richtige Behandlung zum richtigen Zeitpunkt können hohe Erträge realisiert werden. „Die richtige Sortenwahl kann ein Eintragspotential von 200 kg ausmachen, während die optimale, zeitlich abgestimmte Bestandsführung erfahrungsgemäß über 1000 kg bringen kann“, so Rupert Reich.

„Landwirt“-Tipp
Unter www.pflanzenbau-inn-form.at können Sie Versuchsergebnisse, Sorten, Infos zur Bestandsführung etc. abrufen und mehr über den Verein „Pflanzenbau-Inn-Form“ erfahren.

Von Roman GOLDBERGER, Rainbach und Dipl. Ing. Stephanie GROßPÖTZL, Sigharting


Aktualisiert am: 10.09.2008 10:36

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