RTK-Lenksysteme: Hohe Genauigkeit wird bezahlbar

Präzises Fahren erhöht die Arbeitsqualität, entlastet die Fahrer, reduziert Stress und ist betriebswirtschaftlich interessant. Systeme mit einer hohen Genauigkeit von etwa +/–5 cm waren bisher ziemlich teuer. Neue Anbieter bringen mit sinkenden Preisen und ausgereiften technischen Lösungen Bewegung in den Markt.
Ein Beispiel für eine GPS-gelenkte Anwendung ist die Einzelkornsaat. Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet ist die gezielte Zwischenreihenapplikation von PSM im Getreidebau.
Ein Beispiel für eine GPS-gelenkte Anwendung ist die Einzelkornsaat. Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet ist die gezielte Zwischenreihenapplikation von PSM im Getreidebau.
Die meisten Lenksysteme verwenden zur Erkennung der Spur das Globale Positionierungssystem, kurz GPS. Mit einer Antenne und einem Empfänger auf dem Traktor werden die Signale der GPS-Satelliten empfangen. Aus diesen wird zuerst die aktuelle Position des Fahrzeugs berechnet und anschließend die Fahrspur des Traktors bestimmt.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten des Parallelfahrens. In Europa sind hauptsächlich gerade Fahrten von Punkt A nach Punkt B und das Konturfahren entlang geschwungener Vorgänger-Spuren verbreitet.

Wie genau muss es sein?
Die generelle Positionsabweichung der GPS-Signale liegt aufgrund technischer und atmosphärischer Gegebenheiten bei zirka +/– 3 bis 5 m. Zur Ansteuerung von Lenkungen ist dies zu ungenau. Mit Korrektursignalen von den Satelliten oder von erdgebundenen Funkstationen wird die Genauigkeit erhöht. Je genauer und stabiler die Position sein soll, desto aufwändiger wird die benötigte Empfangs- und Korrekturtechnik.
Bei Lenksystemen wird zur besseren Einordnung auch zwischen absoluter und Spur-zu-Spur-Genauigkeit unterschieden. Die absolute Genauigkeit gibt an, mit welcher Genauigkeit eine Position nach einigen Tagen oder auch Jahren wiedergefunden wird. Beim kostenlosen Korrektursignal Egnos beträgt diese beispielsweise etwa zwei Meter. Für die meisten landwirtschaftlichen Anwendungen ist allerdings die relative Genauigkeit innerhalb der nächsten Minuten, die Spur-zu-Spur-Genauigkeit, relevant. Sie wird erreicht, wenn innerhalb von 15 Minuten wieder an der Vorgängerspur entlang gefahren wird und beträgt bei Egnos 20 bis 30 cm. Im Gemüsebau mit langsamen Fahrgeschwindigkeiten wird diese Zeitspanne aber oft überschritten. Hier ist dann die absolute Genauigkeit des Systems relevant.
Egnos wird bei einfachen Systemen verwendet, die sich mit dieser Genauigkeit für große Arbeitsbreiten bei der Grunddüngung und organischen Düngung mit überlappenden Streubildern eignen. Für die Bodenbearbeitung (Scheibeneggen, Grubber, Saatbeetkombinationen) mit großen Arbeitsbreiten und genauem Anschlussfahren kommt die nächste Stufe mit kostenpflichtigen Satellitenkorrekturdiensten und einer Spur-zu-Spur-Genauigkeit von +/– 10 cm in Frage.
Zum präzisen Säen, Pflanzen und Hacken muss es noch genauer sein. Hier beginnt der Bereich der Real Time Kinematik (RTK) Systeme, die sowohl eine Spur-zu-Spur- als auch absolute Genauigkeit von +/– 2,5 cm liefern. Mit dieser Genauigkeitsstufe ist die kontrollierte Befahrung von Flächen realisierbar. Die als Controlled Traffic Farming bezeichnete konsequente Trennung von Fahr- und Wachstumsraum mit permanenten Fahrgassen wird derzeit vor allem von australischen, dänischen und niederländischen Gemüsebaubetrieben praktiziert.

Anbieter von Lenksystemen
Es gibt eine Vielzahl von Lenksystemanbietern. Die Auswahl an professionellen Systemen und die Möglichkeiten der Zusammenstellung betriebsspezifischer Lösungen wird immer größer. Funktionalitäten wie Dokumentation über das Terminal, Fernzugriff des Servicetechnikers auf die Einstellungen des Lenksystems, Integration der Bedienung in das ISOBUS-Terminal wie auch die Kombination mit einer Teilbreitensteuerung der Pflanzenschutzspritze zur Verminderung von Überlappungen komplettieren das Angebot.
Weiterführende Informationen zum Thema finden sich beim Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft KTBL ( www.ktbl.de), diversen Fachzeitschriften und auf unserer Homepage www.landwirt.com.

Autor: Martin HOLPP, ART Tänikon (CH)


Aktualisiert am: 05.01.2010 11:59
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