Qualitätsheu durch effektive und kostengünstige Belüftung (ÖAG-Info 3/09)

Wenn Heu als alleiniges Grundfutter dienen soll, dann ist ein hoher Energiegehalt entscheidend. Rechtzeitiges Einbringen und wirksames Trocknen sichern eine entsprechende Heuqualität. Gutes Belüftungsheu zeigt noch eine Grünfärbung, riecht aromatisch und ist schmackhaft.
Heute ist es technisch möglich, frisch gemähtes Wiesengras ohne Vorwelken unter Dach zu trocknen.
Heute ist es technisch möglich, frisch gemähtes Wiesengras ohne Vorwelken unter Dach zu trocknen.
Voraussetzung für eine entsprechende Heuqualität ist einerseits das Einbringen des Feuchtheus vor dem Einsetzen umfangreicher Bröckelverluste. Wichtig ist aber auch ein wirksames Trocknen auf einen Trockensubstanzgehalt von mindestens 87 % innerhalb von 40 bis 70 Stunden. Erst ab diesem Trockensubstanzgehalt ist Vermehrungsgefahr von Bakterien und Schimmelpilzen gebannt. Restfeuchte kann die Ursache einer Erwärmung bis hin zur Selbstentzündung des Heus werden (Vorschriften zur Brandverhütung beachten!). Gutes Belüftungsheu zeigt noch eine Grünfärbung, riecht aromatisch und ist schmackhaft. Die Trockenmasseaufnahme je Tier liegt über derjenigen von Silagefutter, denn Gärsäuren begrenzen die Fresslust.

10 Regeln für die Heubelüftung
o Belüftete Fläche auf Erntefläche/Charge abstimmen (z.B. 25 bis 30 m2 je ha). Je Charge soll die Schichthöhe bei Kaltbelüftung 1,5 m nicht übersteigen, ansonsten 2,5 m.
o Anlage gleichmäßig und locker mit (möglichst vorgeschnittenem) Halbheu befüllen. Sofort bereits beim Beschicken der Anlage Lüfter einschalten, um ein Zusammensacken des Heus zu vermeiden! Die ersten 24 Stunden durchgehend belüften.
o Bei Kaltbelüftung nach den ersten 24 Stunden den Ventilator bei sehr hoher Luftfeuchte zwischendurch abschalten, jedoch bei Heuerwärmung über 35°C aus Sicherheitsgründen laufen lassen. Luftentfeuchter je nach Trocknungszustand unterhalb 50% relativer Luftfeuchte eventuell abschalten.
o Anlage für Trocknungszeit von höchstens 4 Tagen oder 60 bis 75 Stunden auslegen.
o Volumenstrom des Ventilators auf die belüftete Fläche abstimmen (z.B. 0,11 m3/s*m2)
o Druck des Ventilators je nach Anfangsfeuchte des Heus, Heustockhöhe und spezifischen Volumenstrom wählen. Faustregel: 100 bis 240 Pa je m Heustockhöhe.
o Sehr hohe Heustöcke vermeiden. Sie bringen überproportional große Strömungsverluste, ebenso Abwinkelungen in der Luftführung. Heustöcke dicht umwanden. Eventuell die Trocknungsanlage nach Fertigtrocknung entleeren und neu beschicken, um die Kosten für den Ventilatorantrieb zu verringern.
o Für ausreichend große Abluftöffnungen sorgen, um einen Feuchtigkeitskreislauf zu vermeiden (Ausnahme: Umluft-Entfeuchterbetrieb)
o Zur Vermeidung von Schimmelbildung (Heu staubt beim Entnehmen!) unbedingt bis 87 % Trockenmasse trocknen.
o Lange Vortrocknungszeit am Boden verringert die Trocknungskosten beträchtlich, erhöht aber das Wetterrisiko. Wegen Bröckelverluste nicht über 70 % Trockenmassegehalt vortrocknen!

Autoren: Franz NYDEGGER und Gotthard WIRLEITNER unter Mitarbeit von Josef GALLER, Alfred PÖLLINGER und Heinz WITTMANN


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Aktualisiert am: 05.03.2009 13:35
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