Pubertät - Erziehung in herausfordernder Phase

Warum die Pubertät gut und wichtig ist, wie Eltern sie am besten überleben und warum Jugendliche sich oft so fürchterlich benehmen.
Respektiert werden und Respekt erweisen – gerade in diesem Punkt geben Kinder und Jugendliche das weiter, was sie erlebt haben.
Respektiert werden und Respekt erweisen – gerade in diesem Punkt geben Kinder und Jugendliche das weiter, was sie erlebt haben.
Wenn Kinder in die Pubertät kommen, fliegen in vielen Familien die Fetzen. Trotz und das Überschreiten von Grenzen sind an der Tagesordnung. Das ist zwar oft nervig, aber es ist auch gut. Denn: Pubertät ist ein wichtiger Entwicklungsschritt. In dieser Zeit finden Kinder ihren eigenen Weg und ihren Platz in der Welt. Sie testen Grenzen aus und lernen, wie weit sie gehen können. Auch für Erwachsene ist diese Phase ein Lernprozess, denn sie ist eine Vorbereitung auf jene Zeit, in der die Kinder aus dem Haus gehen.

Ohne Pubertät keine gesunde Entwicklung
Es gibt Familien, in denen die Kinder aus unterschiedlichen Gründen ihre Pubertät gar nicht leben dürfen. Sie versuchen oft, die versäumte pubertäre Reifung in verzweifelten Ausbrüchen als Erwachsene nachzuholen. Die Pubertät ist keine Krankheit, die man kurieren kann. Sie ist ein wichtiger Zustand, der vorbeigeht, wenn die Aufgabe der Reifung erledigt ist.
Wie die Pubertät konkret abläuft, ist individuell. Bei manchen ist sie kaum spürbar. Das ist ebenso „normal“ wie relativ heftige Reaktionen, die für die Eltern oft schwer auszuhalten sind, auch weil sie um die Zukunftsaussichten des Jugendlichen fürchten. Eine heftige Pubertät bedeutet nicht, dass jemand später sein Leben nicht meistert, wie viele – auch prominente – Beispiele belegen.

Gehirnumbau bringt Teenager aus dem Lot
Dass psychische Erkrankungen erstmals in der Pubertät auftreten, ist kein Zufall. Das Gehirn ähnelt in dieser Zeit einer Großbaustelle. Es bilden sich neue Verbindungen zwischen Nervenzellen; bereits bestehende verschwinden. Forscher vermuten darin die Ursache für die besondere Launenhaftigkeit, Entscheidungsschwäche, Lernschwäche, Vergesslichkeit und Unberechenbarkeit vieler Pubertierender. Doch das ist keinesfalls eine pauschale Entschuldigung für teuflisch schlechtes Benehmen: Jugendliche können ihr Verhalten durchaus steuern, auch wenn das Gehirn noch so verrückt spielt.

Autor: Dr. Leonhard THUN-HOHENSTEIN, Leiter des Fachbereichs Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Universitätsklinik für Psychiatrie in Salzburg


Aktualisiert am: 28.07.2009 16:18
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