Prof. Günter Breuer (BOKU) im Interview

Am Betrieb Breuer wird ökonomisches Wissen mit praktischen ackerbaulichen Kenntnissen kombiniert. Günter Breuer ist neben seiner Lehrtätigkeit auf der BOKU auch erfolgreicher Landwirt im niederösterreichischen Lassee.
„Bei diesen Produktpreisen muss es egal sein, wenn ich am Hektar ein paar Kilo weniger ernte.“
„Bei diesen Produktpreisen muss es egal sein, wenn ich am Hektar ein paar Kilo weniger ernte.“
D er fortschrittliche Landwirt: Sie versuchen auf Ihrem Betrieb, die Bodenbearbeitung möglichst kostensparend zu gestalten. Wo liegt hier das Potenzial?
Günter Breuer: Jeder landwirtschaftliche Betrieb ist ein spezifisches System, die Bodenbearbeitung ein kostenintensives und zeitaufwendiges Rädchen. Bei uns am Betrieb ist es wichtig, die Arbeitsstunden pro Hektar zu verringern. Was wir, meine Gattin, unser Sohn Lukas und ich, nicht schaffen, wird von Fremdarbeitskräften erledigt oder müssen wir auslagern. Das verursacht zusätzliche Kosten. Man versucht natürlich ständig zu optimieren und nach Einsparungspotentialen Ausschau zu halten. So sind wir auch bestrebt, die Anzahl der Maschinen und Geräte so gering wie möglich zu halten. Wir bevorzugen universell einsetzbare Geräte. Wenn wir investieren, dann meist gemeinsam mit unserem Kooperationspartner. Gemeinsam schaffen wir uns Geräte mit entsprechender Arbeitsbreite an, zusätzlich sind die Geräte ausgelastet. Wir nutzen damit auch den technischen Fortschritt, da die Geräte früher ersetzt werden müssen. Früher war es häufig so, dass wir durch die lange Nutzungsdauer zwar intakte, aber technisch überholte Geräte hatten. Schlechtere Arbeitsqualität und höhere Arbeitszeitaufwendungen waren die Folge. Dies können und wollen wir uns nicht leisten. Wir versuchen durch hohe Flächenleistungen und möglichst geringe Bodenbearbeitungstiefen die variablen Kosten für Energie und Reparaturen niedrig zu halten. Auch Traktorstunden können damit eingespart werden, was sich in einer längeren Nutzungsdauer und damit in geringeren Kapitalkosten (Anm.: Abschreibung und Zinskosten) niederschlägt.

Der fortschrittliche Landwirt: Sie bewirtschaften Ihre Betriebe seit 2001 biologisch. Wie mussten Sie da bei der Bodenbearbeitung umdenken?
Günter Breuer: Als wir noch konventionell gewirtschaftet haben, wurde nur gegrubbert. Nach Zuckerrübe und Sonnenblume haben wir bei trockenen Erntebedingungen gleich direkt gesät. Jetzt hat die Fruchtfolge Priorität. Derzeit pflügen wir ca. 30% der Ackerfläche. Vor allem dort, wo es Unkrautprobleme gibt und wo es notwendig ist, um für die Folgekultur ein optimales Saatbeet zu schaffen. Ich traue mir auch biologischen Landbau ohne Pflug zu. Da gibt´s dann aber kein Gemüse und keinen Mais. Durch die Umstellung auf biologischen Landbau mit Gemüseanbau haben sich die Gesamtarbeitsstunden bei uns am Betrieb verzehnfacht. Das kann nur durch Saisonarbeitskräfte bewältigt werden. Ein Problem, das ich auf uns zukommen sehe, ist, dass uns in der Landwirtschaft verlässliche Saisonarbeitskräfte beschränkt zur Verfügung stehen und qualifizierte Facharbeitskräfte, die Spezialmaschinen bedienen können, ausgehen.
Autoren: Reinhild JÄGER im Gespräch mit Ao. Univ. Prof. DI Dr. Günter BREUER, BOKU Wien


Autor:
Aktualisiert am: 05.08.2009 17:32
Landwirt.com Händler Landwirt.com User