Problemkühe schon in der Trockenstehzeit erkennen

Eine Kuh, die zu Laktationsbeginn erkrankt, beansprucht viel Zeit. So bleibt wenig Aufmerksamkeit für jene Kühe, die am Ende der Laktation verfetten. Aber genau diese Kühe sind es, die nur wenige Wochen später Gefahr laufen, krank zu werden. Deshalb sollte bei ihnen angesetzt werden.
Wenn Kühe in der Trockenstehzeit zu fett werden, können sie in der Folgelaktation zu Problemkühen werden.
Wenn Kühe in der Trockenstehzeit zu fett werden, können sie in der Folgelaktation zu Problemkühen werden.
Die Kosten der Milchviehhaltung setzen sich grob gerechnet zu je einem Drittel aus den Aufwendungen für Grund- und Kraftfutter, sowie aus den Kosten für die Bestandesergänzung zusammen. Demgegenüber betragen die unmittelbaren Kosten für die Tiergesundheit nur etwa 5 %. Das geht unter anderem aus Auswertungen der Milchvieh-Arbeitskreise hervor. Für den Landwirt schlagen sich allerdings die unmittelbaren Tiergesundheitskosten sofort und direkt zu Buche, weil sie als Ausgaben für den Tierarzt auffallen. Tatsächlich ist der größte Teil der Tiergesundheitskosten im Bereich Bestandesergänzung versteckt.

Gesunde Kühe werden alt
Eine gute Herdengesundheit zeigt sich vor allem in einer langen Nutzungsdauer der Kühe und damit einem geringen Remontierungsbedarf. Dabei ist es für die Rechnung unerheblich, ob die Remontierung über Zukäufe oder dadurch erfolgt, dass Kalbinnen nicht verkauft werden können, sondern als Ersatz für abgehende Kühe im Bestand gehalten werden müssen.
In der Milchviehhaltung treten Probleme mit zum Teil großen wirtschaftlichen Schäden besonders in den Bereichen Fruchtbarkeit, Euter- und Klauengesundheit und Stoffwechsel auf. Dabei nehmen die Stoffwechselprobleme eine besondere Stellung ein, weil sie direkt für Fruchtbarkeitsstörungen, Klauenprobleme und vieles mehr verantwortlich sind. Diese Erkrankungen zeigen sich an einzelnen Tieren einer Herde als Ausdruck von Problemen der gesamten Herde und müssen deshalb anders angegangen werden als Einzeltierprobleme. Für das Einzeltier hat die unmittelbare tierärztliche Behandlung weiterhin eine zentrale Bedeutung.

Autor: Mag. Berthold Grassauer, Tierarzt in Ranten

Mehr darüber erfahren Sie in Ausgabe 22 von „Der fortschrittliche Landwirt“

Weiter in dieser Ausgabe:
  • Kosten für Jungviehaufzucht nicht unterschätzen
  • Ammoniakbelastung durch saubere Laufflächen verringern
  • Stressarmer Umgang mit Mutterkühen
  • Wie Kompost zum hygienischen Substrat wird

Aktualisiert am: 07.11.2012 11:24
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