Preismaske neu - wer profitiert?

Mit der Einführung der neuen Preismaske für Schlachtschweine am 7. April 2008 haben sich die Vermarktungsbestimmungen geändert. Genau ein Jahr später durchleuchten die Schweineberatung Steiermark und die Styriabrid die Auswirkungen auf die Vermarktung und zeigen auf, wo Optimierungspotenzial steckt.
Primäres Ziel muss die bestmögliche Gewichtssortierung der Verkaufspartien sein.
Primäres Ziel muss die bestmögliche Gewichtssortierung der Verkaufspartien sein.
Das Qualitätsklassengesetz und die EU-Verordnungen für Schweineschlachtkörper sehen eine regelmäßige Überprüfung der Schätzformel für den Muskelfleischanteil (MFA) vor. Dieser Zerlegeversuch wurde vor anderthalb Jahren von der Universität für Bodenkultur in Wien durchgeführt. Aus einer Anzahl von 700 Tieren aus den verschiedenen Bundesländern wurden 127 Schlachtkörper ausgewählt, die in der österreichischen Schweineprüfanstalt in Streitdorf zerlegt wurden. Aus den Ergebnissen wurde von Dr. Alfons Willam vom Institut für Nutztierwissenschaften an der Universität für Bodenkultur die neue Regressionsformel rechnerisch ermittelt. Die Steigerung gegenüber der alten Formel umfasst 1,5% MFA und ist ein Ausdruck der guten züchterischen und produktionstechnischen Steigerung der österreichischen Betriebe.

Anhebung auf 56 % MFA
Nachdem die Ergebnisse bekannt waren, fanden Gespräche mit der Fleischwirtschaft statt über eine wertneutrale Anpassung der Preismaske statt. Das konkrete Ergebnis war die Verschiebung der Basis von 54 % MFA auf 56 % MFA. Analog dazu wurde die Obergrenze bei den Zuschlägen von bisher 61 % MFA auf 63 % MFA verschoben. Zusätzlich wurde das Normgewichtsband auf 104 kg angehoben. Für den Gewichtsbereich von 85 bis 94 kg wurde ein Zuschlag von einem Cent pro kg ausgehandelt.

Mengenstaffel und Gewichtszuschläge
Einer der Hauptknackpunkte bei den Verhandlungen war der Maximalzuschlag von 3 Euro/Schwein. Es gab unterschiedliche Vorschläge, die von einer Reduzierung bis zu einer Anhebung auf 100 Stück/Partie reichten. Das Ergebnis war die Verschiebung des höchsten Zuschlages von 3 Euro von 70 auf 92 Stück (Grafik 1). Im Bereich bis 45 Stück gab es keine Änderung, von 46 bis 64 Stück bekommt der Mäster etwas mehr und von 65 bis 91 Stück bekommt er etwas weniger. Wie bereits erwähnt, kann auch ein Zuschlag im Idealgewichtsbereich realisiert werden.

Was bedeutet das für Ihren Betrieb?
Mit zunehmendem Schlachtgewicht sinken die täglichen Zunahmen. Ab rund 100 kg Schlachtgewicht sinkt auch der MFA. Neben dem Risiko von Ausfällen und dem höheren Futterverbrauch zeigen die Berechnungen deutlich, dass das optimale Schlachtgewicht bei 93 kg liegt. Über 98 kg Schlachtgewicht sind massive Verluste zu verzeichnen. Dazu ist auch die Futterverwertung interessant, die bei einem Ferkel ca.1: 2,2 und bei einem 110 kg Mastschwein ca. 1:4,2 beträgt. Hat ein Betrieb also viele schwere Schweine auf der Abrechnung ist es ratsam, das Verkaufsregime zu verändern um einerseits Abschläge zu vermeiden und andererseits das Wachstumspotential der Ferkel auszunutzen. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Umstellung für die Summe der Betriebe wertneutral ausgefallen ist. Im Detail kann die neue Preismaske allerdings eine Änderung des Rhythmus der Verkäufe erfordern.

Autor: Hans-Peter BÄCK, Styriabrid


Aktualisiert am: 20.03.2009 09:55
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