Praxistest Deutz-Fahr Agrotron TTV 620: Solide Technik gut verpackt

Bislang hatte Deutz-Fahr nur drei stufenlose Traktoren im Programm. Doch will der Hersteller dies in Zukunft ändern. Der fortschrittliche Landwirt hatte den Agrotron TTV 620, das bisherige Topmodell mit 165 PS, im Test. Besonders interessant war der neue Motor mit der neuen Abgasnorm.
Die Leistungswerte des Motors sind gut. Bei fallender Drehzahl steigt die Leistung massiv an. Das niedrige Anfahrdrehmoment wird durch das stufenlose Eccom-Getriebe kompensiert.
Die Leistungswerte des Motors sind gut. Bei fallender Drehzahl steigt die Leistung massiv an. Das niedrige Anfahrdrehmoment wird durch das stufenlose Eccom-Getriebe kompensiert.
Deutz-Fahr gehörte zu den ersten Traktorenherstellern, die die Vorteile eines stufenlosen Fahrantriebs erkannt hatten. Somit war Deutz-Fahr vor ungefähr zehn Jahren auch einer der ersten Hersteller, der ein solches Getriebe im Angebot hatte. Damals kam das stufenlose Getriebe Eccom 1.5 von ZF zum Einsatz. Dieses Getriebe wird auch von anderen großen Herstellern verbaut und hat sich schon tausendfach in der Praxis bewährt. Dementsprechend setzt Deutz-Fahr auch bei der neuesten Serie noch weiter darauf. Voriges Jahr wurde die stufenlose Baureihe um den Agrtron TTV 630 auf 220 PS nach oben erweitert. Auch in den großen Traktoren wird ein Getriebe von ZF verbaut. Doch handelt es sich dort um das größere Getriebe S-Matic. Für den Test stand uns ein Deutz-Fahr Agrotron TTV 620 zur Verfügung.

Gute Noten für die Kabine
Die Kabine hat Deutz-Fahr Mitte der Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts vorgestellt. Damit gehört sie nicht mehr zu den neuesten Vertreterinnen ihrer Art. Das spiegelt sich auch in der Lärmmessung wider. So ermittelte hier die ART Tänikon eine Lärmemission von 74 dB(A). Hier gibt es einige Kabinen am Markt, die durchaus zwei oder drei Dezibel weniger aufweisen. Trotzdem wollen wir die Kabine nicht schlechtmachen, denn trotz ihres Alters gehört sie noch lange nicht zum alten Eisen. So bietet sie einen guten, breiten Einstieg, eine sehr gute Übersicht, einen hellen Arbeitsplatz und eine gute Verarbeitung. Das sind alles Dinge, die bei vielen Herstellern nicht immer selbstverständlich sind. Die Bedienung wirkt mit den einzelnen Farben für die verschiedenen Funktionen zwar etwas bunt, ist aber für jedermann verständlich. Für große Fahrer könnte die Armlehne etwas länger sein. Ebenso nachbessern sollte Deutz beim Beifahrersitz. Er ist zwar gut positioniert und auch ausreichend groß, doch ist das Hartplastik, aus dem der Sitz hergestellt ist, nicht wirklich für längeres Sitzen geeignet. Gut hingegen sind die zahlreichen Ablageflächen in der Kabine. Weiters gab es auch gute Noten für die niveauregulierte pneumatische Kabinenfederung.

Das gab es sonst noch
Lob erntete der Agrotron für sein ruhiges Fahrverhalten auf der Straße. Dazu beigetragen hat neben der guten Kabinenfederung sicher auch die gute Vorderachsfederung. Weiter ist der TTV auf eine Endgeschwindigkeit von 60 km/h ausgelegt. Darum erreicht er sowohl die Endgeschwindigkeit von 40 km/h als auch 50 km/h bei reduzierter Motordrehzahl. Beim Leergewicht hat die ART Tänikon 7.360 kg gemessen. Das zulässige Gesamtgewicht beträgt 10.500 kg, was eine Zuladung von rund 3.140 kg erlaubt. Das ist für diese Klasse wenig. Der Treibstofftank fasst 300 Liter. Das reicht auch für lange Arbeitstage. Die Verarbeitung des Traktors machte einen guten Eindruck.

Fazit: Solide, bewährt und wirtschaftlich
Der Agrotron TTV 620 hat bei den Testfahrern im Allgemeinen einen guten Gesamteindruck hinterlassen. Der Motor stellte sich in der Praxis noch besser dar, als dies am Prüfstand der Fall war. Er ist durchzugsstark, hat einen niedrigen Treibstoffverbrauch und erfüllt obendrein alle gesetzlichen Vorschriften der Abgasstufe IIIA.
Das ZF Eccom-Getriebe ist stufenlos und hat viele praktische Automatikfunktionen. Kritik gab es für die Bedienung des beidseitigen Powershuttles und die Getriebe-Software. Die Kabine zählt trotz ihres Alters noch immer zu den übersichtlichsten am Markt. Sie erhielt von den Testfahrern großes Lob.

Autoren: Stephan SCHMIDLIN (Wahlen, CH) und Ing. Johannes PAAR (Bad Blumau)


Aktualisiert am: 17.02.2010 15:50
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