Pilotprojekt für Dürreversicherung

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Die Landwirtschaft hatte im Sommer 2015 mit teils massiven Dürreschäden zu kämpfen. In Österreich startet ein Pilotprojekt für eine Versicherung gegen Dürreschäden. Dem Grünland wird dabei zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
 Die Dürre hat diesen Sommer in manchen Gegenden zu Totalausfällen geführt. Die Politik hat nun reagiert und ein Pilotprojekt gestartet. (Foto: Agrarfoto)
Die Dürre hat diesen Sommer in manchen Gegenden zu Totalausfällen geführt. Die Politik hat nun reagiert und ein Pilotprojekt gestartet. (Foto: Agrarfoto)
Das Finanzministerium wird aus dem Katastrophenfond 5 Mio. Euro für Dürreschäden zur Verfügung stellen. Diese Mittel können von den Bundesländern verdoppelt werden. Das kündigte Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter Ende August an. „Wir müssen unsere Bauern dabei unterstützen, sich an häufige Extremwetterlagen und damit an den Klimawandel anzupassen“, wird Rupprechter zitiert. Außerdem – und das weist über die Tagesaktualität weit hinaus – wird ein Pilotprojekt für eine Versicherung gegen Dürreschäden finanziell unterstützt. Ziel ist es, den Landwirten mit Prämienzuschüssen den Einstieg in ein Versicherungssystem zu erleichtern. Vorerst werden die Mittel für ein bis 2018 laufendes Pilotprojekt zur Verfügung gestellt. Dies trifft sich mit den Vorschlägen des Präsidenten der Landwirtschaftskammer, Hermann Schultes. Er fordert, die Ernterisikoversicherung deutlich auszubauen. Durch einen Prämienzuschuss bei den Ernterisikoversicherungen „Mehrgefahrenversicherung Acker“ und „Dürreindex Grünland“ gegen das Risiko Dürre soll die Gefahrengemeinschaft vergrößert werden. Das Hagelrisiko liefert dafür bereits das Modell.
Die Versicherungsbedingungen sollten zudem weiterentwickelt und attraktiver gestaltet werden, anstatt Prämien zu senken. Als Beispiel nennt Schultes die Anhebung der Ertragsgrenzen, ab der die Versicherungsentschädigung wirksam wird. Deshalb schlägt Schultes eine Versicherungsprämie vor, die zu 50 % der Landwirt als Eigenbeitrag trägt, Bund und Länder steuern die restlichen 50 % dazu bei. Dieses Verfahren wird im übrigen Europa zum Teil bereits seit 50 Jahren angewandt. Die Schadensformen wie Hagel und Frost, bei denen es bisher schon Zuschüsse zu den Prämien gibt, werden dann auf Dürre ausgeweitet. Das alles ist nicht unvertraut, doch die österreichischen Ziele gehen weiter und richten sich auf ein Modell der Mindestsicherung vor Einkommensausfällen, wie sie in den USA besteht, und die in den meisten Staaten hochsubventioniert wird. Auf dieses Beispiel beruft man sich in den Landwirtschaftskammern. Dafür gibt es einen Pilotversuch. Die Österreichische Hagelversicherung hat einen Vorschlag für ein Pilotprojekt präsentiert, das in den nächsten drei Jahren umgesetzt wird. Es handelt sich konkret um ein Forschungsprojekt auf einer abgegrenzten Fläche, das noch 2015 beginnen soll.

Ausgebranntes Grünland
Doch hier muss auch das kritische Hinschauen beginnen. Für die Erprobungsphase sind 50 buchführende Betriebe, vorwiegend in Niederösterreich, vorgesehen. Unter den Kulturen steht der Winterweizen im Vordergrund. Es tut sich die Frage auf, ob gerade der Winterweizen optimal geeignet ist. Die für den österreichischen Anbau bestimmenden (Qualitäts-) Sorten haben eine Trockenheitsresistenz, wie sie bei den meisten deutschen oder französischen Weichweizensorten nicht anzutreffen ist. Für die diesjährige Dürre haben sie sich unempfindlich gezeigt, allerdings auch des - halb, weil die Trockenheit erst gegen Mitte Juli eingesetzt hat, als die Weizenernte schon fast begonnen hatte. Die diesjährige Dürre ist ein Problem der Herbstkulturen, wie Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln, überhaupt der Hackfrüchte sowie von Soja, Speise- und Ölkürbis. Doch die am stärksten betroffene Kultur ist das Grünland. Das Grünland ist aber in diesem Pilotprojekt nicht berücksichtigt, weil es dafür keinen Börsenpreis an der Euronext-Börse gibt.

Autor: Dr. Dietmar Stutzer, freier Journalist aus Neustift im Mühlkreis

Den ganzen Artikel finden Sie in der LANDWIRT Ausgabe 18/2015


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Aktualisiert am: 09.09.2015 15:43
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