Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlichen Betrieben: Lohnt sich eine Investition?

Photovoltaikanlagen bieten für landwirtschaftliche Betriebe eine neue Einnahmequelle. Regelmäßige Erlöse stehen einem vernachlässigbaren Arbeitsaufwand, jedoch auch einem hohen Investitionsaufwand gegenüber. Berechnungen von drei unterschiedlich großen Modellanlagen mit Dachaufbau und Dachintegration zeigen, dass die Investitionen an den meisten Standorten rentabel sind, sofern zinslose Investitionskredite oder günstige Bankkredite genutzt werden können.
Im Unterschied zum Betrieb einer Biogasanlage verursacht die Nutzung von Sonnenenergie keinen nennenswerten zusätzlichen Arbeitsaufwand.
Im Unterschied zum Betrieb einer Biogasanlage verursacht die Nutzung von Sonnenenergie keinen nennenswerten zusätzlichen Arbeitsaufwand.
Diese Art der Energieerzeugung eignet sich vor allem für Betriebe mit hoher Arbeitsauslastung oder geringem Flächenangebot.

Schlussfolgerungen
- Photovoltaikanlagen in der Landwirtschaft können an den meisten Standorten rentabel betrieben werden, wobei der Umfang des gewährten Investitionskredits eine wesentliche Einflussgröße darstellt.
- Ohne Investitionskredit ist eine Kostendeckung gefährdet und kann nur mit optimalen Bedingungen (Standort, günstige Zinskonditionen usw.) gewährleistet werden.
- Die erzielten Gewinne bewegen sich in den meisten Fällen auf einem bescheidenen Niveau, übertreffen aber alternative Kapitalanlagen mit vergleichbarem Risiko.
- Aufgrund der geringen Skaleneffekte können auch mit kleineren Anlagen angemessene Rentabilitäten erreicht werden.
- Speziell bei großen Anlagen sind für den Bankkredit günstige Konditionen anzustreben; ansonsten bleibt die Rentabilität auf dem Niveau von mittleren Anlagen oder gar darunter.
- Eine Kostendeckung bei schlechteren Standortvoraussetzungen wie zum Beispiel in Nebelgebieten ist möglich, indem die schlechteren Erträge mit günstigen Krediten kompensiert werden.
- Bei Neubauten, anstehenden Dachsanierungen und bei hohen Ansprüchen an die Gestaltung der Anlage ist eine Dachintegration der Auf-Dach-Montage vorzuziehen. In diesem Fall sind auch amorphe Si-Solarzellen oder Dünnschichtmodule zu prüfen, die insbesondere bei größeren Flächen Vorteile aufweisen. Integrierte Anlagen passen sich besser in bestehende Bauten ein und werden im Baubewilligungsverfahren aus ästhetischer Sicht oft bevorzugt. Dies führt zu einer generell breiteren Akzeptanz von Photovoltaikanlagen.
- Bei der Prüfung von Offerten muss neben den Investitionen pro kWp auch dem Systemverlust, der in hohem Masse den Stromertrag beeinflusst, besondere Beachtung geschenkt werden. Für eine möglichst genaue Ertragsabschätzung der offerierten Anlagen dürfte sich deshalb der Beizug eines neutralen Planungsbüros lohnen.
- Vor der Baueingabe ist im Rahmen einer Machbarkeitsstudie auch eine Vorabklärung mit den lokalen Behörden zu empfehlen.
- Stehen größere Flächen zur Verfügung, müssen die maximal mögliche Netzanschlusskapazität und allfällig damit verbundene Anpassungskosten frühzeitig abgeklärt werden.

Die Lebensdauer der Anlagen mit kristallinen Solarzellen beträgt in der Regel mindestens 30 Jahre. Wenn die Anlagen jedoch bereits mit 25 Jahren abgeschrieben sind, folgen darauf nur noch die vergleichsweise geringen Unterhaltskosten. Die nach 25 Jahren erzielten Stromerlöse können somit weitgehend als Gewinne verbucht werden und verbessern damit die Rentabilität der Anlage insgesamt.

Autoren: Christian GAZZARIN, Thomas ZUMBÜHJL, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, Tänikon, Peter TOGGWEILER, Enecolo AG, Mönchaltorf, CH


Autor:
Aktualisiert am: 19.06.2008 16:14

Landwirt.com Händler Landwirt.com User