Pflanzenschutztage 2008

Die Deutschen Pflanzenschutztage fanden heuer in der Christian-Albrechts-Universität in Kiel statt. An vier Tagen gab es aktuelle Informationen zum Pflanzenschutz in den diversen Kulturen und zur rechtlichen Lage. Einen breiten Raum nahmen die Themen Maiswurzelbohrer und Fusarium in Getreide ein. Die geplanten Änderungen bei der Zulassung und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf EU-Ebene waren ebenfalls Gegenstand einigerVorträge.
In Kiel trafen sich die Pflanzenschutzexperten des deutschsprachigen Raumes, auch die Österreicher waren kompetent vertreten.
In Kiel trafen sich die Pflanzenschutzexperten des deutschsprachigen Raumes, auch die Österreicher waren kompetent vertreten.
Auch bei deutschen Untersuchungen wurde festgestellt, dass Getreide aus biologischem Anbau deutlich geringer mit Mykotoxinen belastet war als jenes von konventionellen Betrieben.
In Bio-Betrieben kommt Mais in der Fruchtfolge relativ selten vor, außerdem wird vielfach geackert und keine reduzierte Bodenbearbeitung betrieben. Interessant war, dass auch Stroh untersucht wurde, und hier hat sich herausgestellt, dass sowohl konventionell produziertes, als auch Stroh aus Biobetrieben (vor allem Hafer) sehr stark mit Mykotoxinen belastet war. Die Werte lagen zum Teil deutlich über dem Lebensmittelgrenzwert von 1.250 μg pro kg. Hier könnten Probleme vor allem in Ställen, wo Schweine auf Stroh gehalten werden, auftreten.
Systematische Untersuchungen in Deutschland von Mais auf den Befall mit Fusariumpilzen und den Gehalt von Mykotoxinen haben ergeben, dass auch dort die Belastung relativ hoch ist. Wie in Österreich gibt es teilweise Überschreitungen des Grenzwertes bei DON und bei ZON. Über die Ursachen ist man sich – auch wie in Österreich – noch nicht klar. Hier herrscht noch viel Forschungsbedarf.

Winterraps
Auch in Deutschland gab es letztes Jahr starken Befall durch Phoma-Wurzelhals- und Stängelfäule. Ausschlaggebend war der eher feuchte Herbst. Generell kann gesagt werden, dass das Phoma-Risiko durch eine hohe Anbaudichte in der Region gefördert wird. Außerdem ist der Vorjahresbefall ausschlaggebend und auch wieviel Rapsstängel zur kritischen Infektionsphase des neuen Raps im Herbst noch nicht eingearbeitet sind. Über das Onlineforum von rapool.de kann die Infektion in Deutschland abgerufen werden. Für Österreich sieht man die aktuelle Befallssituation unter der Adresse http://www.proplantexpert.com/expert/servlet/BasicServlet?nutzer=basicAtPhoma
Heuer und auch im Vorjahr gab es große Probleme im Raps mit der Sklerotinia Weißstängeligkeit. Versuche haben gezeigt, dass ein Behandlungstermin Mitte der Blüte deutlich besser ist als Ende der Blüte. Warme, wüchsige Witterung und Niederschläge zum Zeitpunkt des Fallens der ersten Blütenblätter sind die optimalen Bedingungen für die Infektion. Zwischen den eingesetzten Fungiziden gab es nicht allzu große Unterschiede. Aus den vielen Versuchen ging das Produkt Proline als das konstanteste hervor, aber auch Ortiva und Cantus Gold zeigten gute Wirkungen. Hinsichtlich der Rentabilität der Versuche hat sich gezeigt, dass diese nur in Befallsjahren gegeben ist.

Mais
Auch in Deutschland breitet sich der Maiszünsler stetig nach Norden aus. Ganz Bayern hat schon Befall, und zwar in jenen Gebieten naturgemäß am meisten, wo sehr viel Mais angebaut wird. Interessanterweise ist der Maiszünslerbefall oder die Probleme damit nur in jenen Regionen wirklich ein Thema, wo nach dem Mais nicht ordnungsgemäß gehäckselt und eingeackert wird. Es hat sich im Raum Passau Rotthalmünster gezeigt, dass nur ein sorgfältiges, sauberes Häckseln der Maisrückstände auf mindestens 3 cm Stängellänge und ein sauberes Einackern vor einem größeren Befall mit Maiszünsler im nächsten Jahr schützen kann. Sehr interessant ist, dass bei Vorhandensein von Maisstängeln an der Erdoberfläche Maiszünslerlarven, die in tieferen Bodenschichten vorhanden sind, wieder aus den Stängel im Boden hochkriechen und sich in die erdoberflächlich liegenden Stängel einbohren und so den Winter überleben können. Für die Praxis heißt das: Neben dem sauberen Häckseln ist es sehr wichtig, dass auch die Maisstängel – vor allem wenn sie länger sind – exakt und sauber tief in den Boden eingearbeitet werden. Oberflächlich aufliegende Stängel locken nur erneut Maiszünslerlarven an, sich einzubohren, auch wenn das aus dem Boden geschieht.

Autor: DI Hubert KÖPPL, Landwirtschaftskammer OÖ, Linz


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Aktualisiert am: 23.10.2008 14:52
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