Pflanzenöl: Motor statt Bratpfanne

Rapsöl zum Salatdressing ist bekannt. Rapsöl als Dieselalternative ist technisch möglich, aber noch nicht etabliert. Der Chor der Skeptiker ist laut. Eine bunte Pioniergruppe ist dabei, die gängigen Vorbehalte zu widerlegen.
An dieser Presse entsteht das Öl für den Tank, den Salat und für Kochzwecke.
An dieser Presse entsteht das Öl für den Tank, den Salat und für Kochzwecke.
Etwa 130 t Raps verarbeitet August Wolpert jährlich zu Rapsöl. Der Direktvermarkter aus Neunheim bei Ellwangen im östlichen Baden-Württemberg presst daraus hochwertiges Speiseöl zum Verkauf – und mit der gleichen Technologie auch Rapsöl für den Dieseltank. „Und das können Sie ruhig wörtlich nehmen – ich kenne Dieselfahrer, die ohne Umrüsten statt Diesel das billigere Rapsöl in den Tank laufen lassen.“ Einschränkend fügt er aber hinzu, dass dies ohne Schaden nur für Motoren geht, die schon zehn oder mehr Jahre auf der Kurbelwelle haben. „Die sind auch noch nicht so ausgefeilt, die packen das viel leichter als die optimierten Maschinen von heute“.

Anpassen: Motor oder Treibstoff?
Reines Pflanzenöl ist nicht Biodiesel: Pflanzenöl (meist Rapsöl) ist zwar der Ausgangsstoff für Biodiesel, allerdings wird das Pflanzenöl in einem chemischen Verfahren zu Biodiesel und so an die Anforderungen normaler Dieselmotoren angepasst. Beim reinen Pflanzenöl passiert genau das Gegenteil: Der Motor wird wegen der anderen Beschaffenheit des Kraftstoffes umgerüstet. Die aufwändige Biodieselproduktion, bei der nochmals fossile Energie benötigt wird, kann so eingespart werden. Deshalb sind auch die Anforderungen an den Motor sehr unterschiedlich. Es geht also nicht um Biodiesel. Die Ansprüche des Biodiesels an Treibstoffschläuche und ähnliches haben deshalb auch nichts mit der Pflanzenölumrüstung zu tun.

Die rechtliche Sicht
Rapsöl hat andere Brenneigenschaften als Diesel, so dass es beim Fahren mit Rapsöl ohne Anpassen des Motors zu einer unvollständigen Verbrennung kommt. Neben technischen Problemen bis hin zum Motorausfall lassen sich damit auch die Abgasnormen nicht mehr einhalten. Daher müssen moderne Dieselmotoren sowohl aus technischer als auch aus umweltrechtlicher Sicht sachgerecht umgerüstet werden.
Aus rechtlicher Sicht erlischt die Betriebserlaubnis und der Versicherungsschutz, wenn Änderungen an vorgeschriebenen Fahrzeugteilen vorgenommen wurden oder sich das Abgasverhalten ändert.
Da aber bei einer seriösen Umrüstung diesbezüglich Änderungen nötig sind, muss das Umrüstunternehmen über Typengutachten und ein Qualitätsmanagementsystem verfügen (Zertifizierung).

Autor: Dr. Rudolf HÖNLE


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Aktualisiert am: 09.10.2007 11:11
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