Pferdemist und Pferdemistkompost sind wertvoll

Die rund 100.000 Pferde in Österreich liefern pro Jahr 600.000 t hochwertigen Pferdemist bzw. Pferdemistkompost. Die teilweise Entkoppelung der Pferdehaltung von der Landwirtschaft machte diesen wertvollen Nährstoffträger und Humuserhalter im Boden zum lästigen Abfallprodukt. In dieser ÖAG-Broschüre werden der Wert und die Wirkung auf Boden/Pflanze sowie auch auf die Veredlung von Pferdemist bis hin zum Kompost bewusst gemacht.
Pferdemistkompost zählt zu den langsamen Stickstoffquellen. Je nach Einstreumenge liefert er mit der organischen Masse viel Futter für die Bodentiere.
Pferdemistkompost zählt zu den langsamen Stickstoffquellen. Je nach Einstreumenge liefert er mit der organischen Masse viel Futter für die Bodentiere.
Bei den Kleinpferden fallen pro Tag je nach Einstreu rund 11 kg Mist und bei den Pferden über 500 kg Lebendgewicht mit Fohlen rund 20 kg Mist an. Pro Jahr fallen rund 4000 bis 8000 kg Pferdemist je nach Lebendgewicht an. Unterstellt man die herrschenden Nährstoffpreise für Stickstoff, Phosphor, Kalium und Kalzium, so liegt pro Tonne Pferdemist ein Wert von 13 Euro vor, ohne die organische Masse bewertet zu haben. Der jährlich gesammelte Pferdemist in Österreich hat einen Wert von 7 bis 8 Mio. Euro. Die Pferde liefern einen Mistwert von 50 bis 100 Euro pro Jahr, je nach Größe und Art der Fütterung.
Nach einer Umfrage bei den Pferdewirten rund um Wien liegen die Entsorgungskosten für den Pferdemist zwischen 0 und 245 Euro pro Pferd und Jahr. Durchschnittlich werden rund um die Ballungszentren rund 80 Euro pro Pferd für die Entsorgung des Mistes ausgegeben, bei einigen Betrieben übersteigt dies die 10.000 Euro-Marke im Jahr. Gehen wir davon aus, dass im ländlichen Raum die pflanzenbauliche Verwertung großteils ohne zusätzliche Kosten gelingt, so bleiben doch rund 4 Mio. Euro als Kosten für diese Dienstleistungen. Neben den geschätzten Nährstoffwerten für diesen entsorgten Pferdemist von 3,9 Mio. Euro gehen diesen Pferdewirten nicht weniger als 7,9 Mio. Euro verloren.

Nährstoffgehalte von Pferdemist und Pferdemistkompost
Der Pferdemist, je nach Einstreu, stellt ein sehr heterogenes Material dar, so dass repräsentative Durchschnittswerte nur schwer zu ermitteln sind. In Tabelle 1 sind die Pferdemist- und Pferdemistkompostanalysen aus den unterschiedlichen Herkünften „Lipizzanergestüt Piber, Stadl-Paura, ausgewählten Betrieben rund um Wien und Einzelbetrieben aus Österreich“ eingegangen. Die Art und Menge der Einstreu bestimmt den Nährstoffgehalt, den Trockenmassegehalt und den pH-Wert entscheidend mit. Ebenso spielt die Frische des Mistes, der Harnanteil, der Rotteverlauf bzw. die Kompostphase und der Wassereinfluss (Niederschläge, Abdeckung) eine wesentliche Rolle, wie hoch die Nährstoffwerte in der Frischmasse sind.
Ein abgedeckter Pferdemist mit durchschnittlicher Stroh- oder Sägespäneeinstreu weist etwa 30 bis 35 % Trockenmasse auf, ein veredelter Pferdemist in Richtung Kompost schwankt von 35 bis 60 % Trockenmasse. Durch das Kompostieren steigt der Trockenmassegehalt an und das Ausgangsgewicht des Frischmistes nimmt bis zu 50 % ab. Das heißt, werden Mieten mit 20.000 kg Frischmist angesetzt, so verbleiben nach dem Kompostieren noch 10.000 kg Kompost übrig.

Fazit
Die organischen wirtschaftseigenen Dünger (Gülle, Jauche, Mist und Kompost) hatten früher eine hohe Bedeutung in der Kreislaufwirtschaft, verloren in den letzten 20 Jahren deutlich an Wert und sind nun aufgrund hoher Nährstoffpreise und dem steigenden Verständnis für nachhaltiges Handeln wieder in den Mittelpunkt einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung gerückt. Pferdemist ist optimal im Ackerbau bei allen Kulturen einsetzbar. In den Wiesen sollte der Pferdmist zumindest gut verrottet sein und für Weiden ist eine Kompostierung notwendig. Pferdebetriebe, die auf gewerbliche Art ihren Mist entsorgen lassen, könnten über die Kompostierung ihren Pferdemist zu hochwertigem Kompost veredeln und hinsichtlich Bodenfruchtbarkeit und Kulturertrag nutzbringend einsetzen. Es gilt, über 600.000 t Pferdemist richtig in den eigenen oder in externe Kreisläufe einzubinden. Eine nachhaltige und artgerechte Pferdehaltung wird auch daran gemessen, ob sie künftig ordnungs- und sachgemäß einen Gegenwert von rund 8 Millionen Euro den Böden wieder zuführt, von denen auch das Futter kommt. Die Pferdebetriebe ohne landwirtschaftliche Flächen sollten sich an Maschinenringe ( www.maschinenring.at), Kompostierer und Bauern wenden, die ihren Pferdemist ökologisch und ökonomisch zum Gedeihen der Kulturen sinnvoll einsetzen. Wie das Pferd, so ist auch ihr Mist von „edlem“ Wert.


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Aktualisiert am: 07.07.2009 11:59
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