Organbefunde vom Schlachthof "mit Vorsicht genießen"

Auch in Österreich sollen in Zukunft die Ergebnisse der Schlachttier- und Fleischuntersuchung in einer Datenbank aufgezeichnet und dem Herkunftsbetrieb der Schlachttiere gemeldet werden. Diese Daten sind aber aktuell nur bedingt aussagekräftig.
Das legt eine Untersuchung verschiedener österreichischer Institutionen nahe. Während eines Zeitraums von 22 Monaten erfolgte eine Überprüfung der Zuverlässigkeit (Reliabilität) der Organ- und Schlachtkörperbeurteilungen von 13 amtlichen Tierärzten an einem österreichischen Schlachthof.

Aus veterinärmedizinischer Sicht besonders relevante Parameter wie geringgradige Lungenveränderungen, mittel- und hochgradige Lungenveränderungen, Bursitiden sowie durch Räude verursachte Hautveränderungen wurden einer Beurteilung hinsichtlich der Vergleich- und Wiederholbarkeit der Befundraten der Tierärzte unterzogen. Vergleichbare Befundungen der Fleischuntersuchungsorgane lagen lediglich für den Parameter Räude vor.

Deutliche Unterschiede in der Beurteilung von Organen

Für die übrigen erfassten Befunde trifft die Vergleichbarkeit nicht für alle 13 Veterinäre zu; es wurden signifikante Unterschiede in den Beurteilungen festgestellt. Geringgradige Lungenentzündung beurteilten sieben Tierärzte (53,9 %) über die Zeit konstant, sechs Veterinäre (46,1 %) zeigten signifikante Unterschiede in der Befundung, wobei vier Veterinäre kontinuierlich fallende, zwei Tierärzte kontinuierlich steigende Befundraten aufwiesen. Mittel- und hochgradige Lungenentzündung beurteilte keiner der 13 amtlichen Tierärzte über die Zeit konstant. Hinsichtlich der Räude erfüllten neun Veterinäre (69,2 %) die Wiederholbarkeit, vier Tierärzte (30,8 %) zeigten signifikante Unterschiede in der Befundung über die Zeit.

Verzerrung des tatsächlichen Gesundheitszustandes der Schlachtschweine!

Die großen Schwankungen in der Befunderfassung der amtlichen Tierärzte verzerren den tatsächlichen Gesundheitszustand der Schweine, beklagen die Autoren im Fachjournal „Wiener Tierärztliche Monatschrift“. Ein routinemäßiges Heranziehen der Schlachtbefunde als Indikator für den Gesundheitszustand der Schweine ohne vorherige Evaluierung der Untersuchungsorgane kann daher nur eingeschränkt empfohlen werden. Die Aus- und ständige Weiterbildung der Fleischuntersuchungsorgane wird in Österreich mit Einführung der neuen Dokumentationspflichten noch mehr an Bedeutung gewinnen, so die Autoren in ihrer Publikation.

(Quelle: P. Eckhardt, K. Fuchs, B. Kronberger und J. Köfer; Untersuchungen über die Reliabilität der im Zuge der Fleischuntersuchung erhobenen Befunde von Schlachtschweinen - Vet. Med. Austria / Wien. Tierärztl. Mschr. 96 (2009), 145 – 153)


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Aktualisiert am: 09.07.2009 11:17
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