Optimierung der Anbindehaltung

Die Haltung von Rindern in Anbindeställen ist in Österreich noch weit verbreitet. Besonders bei kleineren Betrieben und im Berggebiet ist die Anbindehaltung häufig anzutreffen. Durch das Bundestierschutzgesetz und durch Richtlinien in der Biologischen Landwirtschaft sind in den nächsten Jahren mitunter Anpassungen in den Ställen erforderlich. Diese Broschüre soll Orientierungshilfe und Anleitung für die Verbesserung bestehender Anbindeställe sein.

Richtig betreute Anbindehaltung bietet viel Tierkomfort
Richtig betreute Anbindehaltung bietet viel Tierkomfort
Die derzeit in Österreich übliche Art der Anbindehaltung unterscheidet sich bereits stark von Anbindesystemen der Vergangenheit. Bereits in den 1990-er Jahren wurden durch Landestierschutzgesetze Mindeststandards geschaffen sowie Mindestauslaufzeiten festgelegt.

Die Ansprüche der Tiere an ihre Umwelt können am besten durch einen Laufstall erfüllt werden. Der Neubau eines Laufstalles oder Umbau einer Anbindehaltung auf Laufstall ist aber vielfach aufgrund der Kosten oder aus Platzmangel nicht möglich. Für kleine Betriebe und besonders für Betriebe im Berggebiet oder in steilen Lagen ist die Beibehaltung und Optimierung einer bestehenden Anbindehaltung eine gute Lösung. Entscheidend für das Wohlbefinden der Tiere im Anbindestall sind ein optimales Management, regelmäßiger Auslauf bzw. Weide und die Umsetzung der Vorgaben des Tierschutzgesetzes. Für Biobauern ist zusätzlich die Verpflichtung zum Auslauf verteilt über das ganze Jahr und die Vorgaben des Tiergerechtheitsindexes zu beachten.

Anbindevorrichtung
Ziel einer gut funktionierenden Anbindung ist es, den Kühen neben einer entsprechenden Steuerungsfunktion ausreichend Bewegungsfreiheit und ein artgemäßes Komfortverhalten (Kratzen, Belecken etc.) zu ermöglichen. Besonders wichtig ist, dass durch eine geeignete Anbindung in Verbindung mit einem rutschsicheren und weichen Standplatz ein artgemäßes und unbehindertes Aufstehen und Abliegen möglich ist.
In der Praxis haben sich auch Nackenrohraufstallungen bewährt. Dabei sind die Kühe mittels Kette oder Gurt (ca. 70 cm Länge) an einem Nackenrohr befestigt welches ihnen sowohl horizontal aber auch vertikal genügend Bewegungsmöglichkeiten ermöglicht. Zusätzlich ist der Kopfraum frei und die Kuh kann beim Aufstehen ungehindert einen Kopfschwung ausführen.

Anbindehaltung in der Biologischen Landwirtschaft
Die Anbindehaltung auf Biobetrieben ist als eine Ausnahmeregelung für die kleinstrukturierten Familienbetriebe in Österreich zu verstehen. Unter bestmöglichen Haltungsbedingungen mit viel Auslauf dürfen Rinder auch auf Biobetrieben in Anbindehaltung gehalten werden.

Das Wichtigste in Kürze
Die Haltung von Rindern in zeitweiliger Anbindehaltung ist eine Tradition im alpinen Raum. Das Tierschutzgesetz regelt sehr eindeutig die Haltungsbedingungen. Die Fristen des Tierschutzgesetzes für die Anpassung der Standmaße bis Ende des Jahres 2011 sind unbedingt zu beachten.
In vielen Ställen ist eine Anpassung an das Tierschutzgesetz möglich, indem auf die bestehenden Standplätze neue tierschutzrechtskonforme Anbindestände (Nackenriegel- oder Horizontalanbindungen, Grabnerkette, etc.) montiert werden. Von größter Bedeutung für das Wohlbefinden und die Leistung der Tiere ist ein gutes Management des Stalles. Sowohl eine wiederkäuergerechte Fütterung als auch das Erfüllen aller „Wohlfühlfaktoren“ der Kuh sind für eine wirtschaftliche Milchviehhaltung wesentlich.

Bei größeren Umstrukturierungen am Betrieb sollte aber ein gut gestalteter und gut betriebener Laufstall als arbeitssparende Alternative überlegt werden.

Autoren: DI Hermann TRINKER (BK Liezen), Ing. Alfred FISCHER-COLBRIE (LK Steiermark), Dr. Johann GATEINER, Dr. Elfriede OFNER-SCHRÖCK, DI Wolfgang SCHLEICHER (LFZ Raumberg-Gumpenstein)


Autor:
Aktualisiert am: 08.08.2008 11:22
Landwirt.com Händler Landwirt.com User