Ohrrandnekrosen in Schach halten

In der Schweinepraxis wird vermehrt das Auftreten von Ohrrand- bzw. Ohrspitzennekrosen beobachtet. Ursachen hierfür sind noch nicht restlos geklärt und meist multifaktoriell. Die Ausschaltung dieser Faktoren, kombiniert mit der Behandlung der Infektion, führt letztendlich zum Erfolg.
Die Ursache für Ohrrandnekrosen beim Schwein ist nach wie vor nicht restlos geklärt.
Die Ursache für Ohrrandnekrosen beim Schwein ist nach wie vor nicht restlos geklärt.
Charakteristisch für Ohrrandnekrosen ist, dass Teile der Ohrmuschel (Ohrspitze, Ohrrand) eines oder beider Ohren nekrotisch werden und absterben. Die Stellen der Nekrosen (abgestorbenes Gewebe) trocknen aus und werden krustig. Es kommt zu einem Abfallen von Teilstücken bis hin zum ganzen Ohr. Die Hautveränderungen reichen von einer geringgradigen, oberflächlichen Dermatitis (Entzündung) bis hin zu einer hochgradigen Ulzeration (Geschwürbildung) und Nekrose.

Problem bei Vermarktung
Erkrankte Tiere zeigen reduzierte Fresslust und teilweises Kümmern. In vereinzelten Fällen treten Todesfälle auf. Die Erkrankung betrifft meist einzelne Tiergruppen im Alter zwischen der 6. und 12. Lebenswoche. Dabei können entsprechende Veränderungen der Ohren bei über 80 % der Tiere einer betroffenen Gruppe beobachtet werden. Wirtschaftlich betrachtet stellen die erkrankten Tiere ein großes Problem in der Vermarktung dar, da die Verletzung der Haut Ausgangspunkt für Kannibalismus und Eindringstelle für Sekundärerreger sein kann.

Bakterielle & virale Ursachen
In der Ursachenforschung ging man zunächst von einer Mischinfektion mit anschließender Schädigung der Haut aus. Als infektiöse Ursache wurden Staphylococcus hyicus (Ferkelruß) gefolgt von Streptokokken und Spirochäten, die letztendlich zu Nekrose und Ulzeration führen, beschrieben. Mechanische Irritation wie Ohrbeißen oder Parasiten (Räudemilben) wurden ebenenfalls als Primärverursacher diskutiert.

Ernährungsbedingte Ursachen
Neben verschiedenen parasitären (Räudemilben), viralen (PRRSV, PCV-2) und bakteriellen ( Staphylococcus spp., Streptococcus spp., Mycoplasma suis) Erregern, werden aber zunehmend ernährungsbedingte Ursachen diskutiert. Pilzgifte (Mykotoxine; DON, ZON, T2-Toxin) werden in der Literatur als ein möglicher auslösender Faktor genannt. Hier gelten vor allem Mutterkornalkaloide oder Ergotalkaloide als mögliche Verursacher.

Differentialdiagnose
Differentialdiagnostisch muss Kupfer-, Zink- (primär und sekundär - Störung der Zinkabsorption auf Grund von hohen Kalzium und Phytasegaben) oder Iodmangel in Betracht gezogen werden. Weiters können Defizite an essentiellen Fettsäuren, Vitamin A, B, E und C zu Hautdefekten und Nekrosen führen.
Gründe für Ohrrandnekrosen sind also multifaktoriell und die Ursachen nach wie vor nicht restlos geklärt.

Autor: Dr. Thomas VOGLMAYR, Traunkreis Vet Clinic, Ried


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Aktualisiert am: 09.10.2007 10:50
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