Ohren kaputt - wer zahlt?

Kälber haben Ohrmarken zu tragen, nicht aus modischen Gründen, sondern weil es der Kontrolle der Nahrungssicherheit dient. Doch wenn die Ohrmarken nicht in Ordnung sind, können das Tier und auch der Geldbeutel des Bauern gewaltig leiden.


Die Ohren sind immer noch wund und bleiben verkrüppelt.
Die Ohren sind immer noch wund und bleiben verkrüppelt.
Dem Besucher fällt auf, dass einige der Kälber auf dem Betrieb Gallob keine Ohrmarken mehr haben – dafür sind die Ohren ziemlich verkrüppelt und eitern. Die Tiere sind im Wuchs zurück geblieben, zwei sind auch schon verendet. Was war passiert?
Der Amtstierarzt stellt fest: „Die Veränderungen an den Ohren der Tiere reichen von unauffällig (…) bis zu schweren blutig-etrigen Entzündungen mit Umfangsvermehrung an den Ohren und bei einigen Tieren dadurch bedingt hängenden Ohren. Als schwere Entzündung mit der Notwendigkeit der Entfernung der Ohrmarke werden jene gewertet, bei denen eine Blauverfärbung des Ohrgewebes oder eine nekrosebedingte Vergrößerung des Ohrloches um den Dorn der Marke sichtbar ist.“

Dass die Ohrmarken korrekt eingezogen waren, bestätigt die Tierärztin des Betriebes. Somit kommen als Ursache für die eitrigen Entzündungen folgende Ursachen infrage:
1 Beim Ohrmarkenstechen entsteht eine Wunde, in die dann zB beim Tränkevorgang ansonsten harmlose Stallkeime eindringen können. Diese Möglichkeit wurde untersucht, ist aber praktisch ausgeschlossen.
2 Möglich ist auch, dass es sich um eine allergische Reaktion handelt. Die Tierärztin ist davon überzeugt, dass eine allergische Reaktion wohl nicht in Frage kommt.
3 Möglich und sehr wahrscheinlich ist ihrer Ansicht nach die festgestellte geringe Beweglichkeit des Dorns im Gegenstück der Ohrmarke.
Noch eine interessante Bemerkung: Aus einer vor mehreren Jahren gemachten Untersuchung ist bekannt, dass bei Schafen und Ziegen die bei den Kälbern beschriebenen Krankheitszeichen auftreten, wenn die Ohrmarken eine dauerhafte Druckstelle im Ohr verursachen.
Abgesehen von den Schmerzen, die die Kälber auszuhalten haben, geht es auch um viel Geld – Franz Gallob schätzt den entstandenen Schaden auf ein paar Tausend Euro – dem Betrieb ist also ein durchaus beachtlicher Schaden entstanden. Für Familie Gallob lautet die entscheidende Frage: Wer kommt dafür auf?

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Aktualisiert am: 23.04.2004 12:44
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