Österreichs Milchverarbeiter ziehen positive Bilanz für 2011

Das Jahr 2011 ermöglichte der österreichischen Milchwirtschaft eine weitere Stabilisierung. Dies teilte Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM) und Geschäftsführer der Kärntnermilch, im Rahmen einer Pressekonferenz mit.
VÖM- Präsident Helmut Petschar: „Für die österreichischen Molkereien sind die Auslandsmärkte sehr wichtig, gerade auch im Hinblick auf die Entwicklung nach dem Quotenende.“
VÖM- Präsident Helmut Petschar: „Für die österreichischen Molkereien sind die Auslandsmärkte sehr wichtig, gerade auch im Hinblick auf die Entwicklung nach dem Quotenende.“
Aufgrund der festen Vorgaben vom EU- und Weltmarkt konnten die Molkereien die Milcherzeugerpreise bei gestiegener Anlieferung erhöhen und damit zu einer notwendigen Verbesserung der bäuerlichen Einkommen beitragen. Die Verarbeiter selbst verdienten deutlich weniger - unter anderem auch aufgrund der mangelnden Bereitschaft des Handels zu erforderlichen Preisanpassungen. Bei den Exporten konnte ein Rekordwert erzielt werden, gleichzeitig stiegen die Importe.

Umsatz der Molkereien gestiegen
Die Umsätze der österreichischen Milchverarbeiter erreichten im Jahr 2011 mit rund 2,2 Mrd. Euro ein Plus von 6%. Diese Entwicklung resultierte aus einem gestiegenen Preisniveau bei Molkereiprodukten sowie aus der höheren Verarbeitungsmenge. Das bereinigte EGT in Prozent der Betriebsleistung sank jedoch im Durchschnitt der heimischen Molkereien von 1,2% auf nur mehr 0,5%. "Die Ursache dafür ist vor allem, dass es nicht möglich war, die notwendigen Preisanpassungen beim Handel, die aufgrund der gestiegenen Rohstoffkosten notwendig waren, entsprechend umzusetzen ", erläuterte Petschar. Der durchschnittliche Verwertungserlös je Kilogramm Milch konnte von 69,5 auf 73 Cent gesteigert werden, wie aus einer Hochrechnung des OÖ Raiffeisenverbandes hervorgeht. Die Milchanlieferung lag 2011 mit 2,9 Mio. t um 4,4% über dem Niveau des Vorjahres und erreichte damit einen Rekordwert. Europaweit hat die Anlieferung nur um 2,1% zugenommen, sie blieb aber dennoch deutlich unter der EU-Quote. Die Zahl der Milchlieferanten sank 2011 neuerlich, und zwar von 36.583 auf rund 35.400, was einem Minus von 3,2% entspricht. Die durchschnittliche Anlieferung pro Betrieb erhöhte sich gleichzeitig von 76 auf 82 t pro Jahr. Dieser deutliche Anstieg kann laut Petschar nicht darüber hinwegtäuschen, dass die heimischen Milchbetriebe im internationalen Vergleich sehr klein strukturiert sind.

Rekord bei Exporten und Importen
2011 war auf dem österreichischen Milchmarkt eine weitgehend stabile Entwicklung feststellbar. Die gesamte Absatzmenge blieb gleich, wobei bei Käse etwas mehr und bei der bunten Palette etwas weniger abgesetzt wurde. Wertmäßig ergab sich jedoch aufgrund der höheren Preise ein Absatzplus von 5,7% auf 1,46 Mrd. Euro.Der milchwirtschaftliche Außenhandel verzeichnete im Jahr 2011 neue Rekordwerte: Die Exporte erhöhten sich von 908 Mio. auf 970 Mio. Euro (+6,8%), gleichfalls nahmen die Importe von 534 Mio. auf 584 Mio. Euro (+9,4%) zu. Daraus resultierten auch ein höherer positiver Außenhandelssaldo von 386 Mio. Euro (+3%) sowie eine Exportquote von 44,1% und eine Importquote von 26,5%. Die steigenden Importe werden laut Petschar vor allem von den Supermärkten für den Preiseinstieg bei Handelsmarken genutzt. Eigenmarken des Handels haben bei Molkereiprodukten bereits einen Anteil von 28% erreicht. Für die österreichischen Molkereien seien die Auslandsmärkte sehr wichtig, gerade auch im Hinblick auf die Entwicklung nach dem Quotenende, so der VÖM-Chef.

Milchprodukte für Konsumenten günstig
"Trotz moderater Preiserhöhungen bei einzelnen Erzeugnissen im Jahr 2011 sind Milchprodukte in Österreich nach wie vor günstig, dies zeigt auch die Entwicklung des Verbraucherpreisindexes seit 1986. So ist der Gesamtindex bis Februar 2012 um 74% gestiegen, bei Nahrungsmitteln um 59% und bei Milchprodukten nur um 34%, während Wohnung, Wasser und Energie um 112% teurer wurden und die Lohnentwicklung ein Plus von 119% zeigte. Von teuren Lebensmitteln kann daher keine Rede sein ", stellte Petschar fest. Außerdem sei der Anteil der Ausgaben für Lebensmittel an den Gesamtausgaben der Haushalte laufend zurückgegangen und betrage nur mehr 12,1%, für Milchprodukte würden nur 1,6% ausgegeben. Die Preise für Standardprodukte bei Butter und Käse lägen zurzeit deutlich unter dem Niveau vor 30 Jahren. AIZ


Aktualisiert am: 05.04.2012 22:54
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