Österreichische Molkereien rüsten sich für das Ende der Milchquote

Im Rahmen der Bundestagung für Molkereiwirtschaft in Salzburg sprach der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter Helmut Petschar über die aktuellen Entwicklungen in der Milchwirtschaft.
Johann Költringer und Helmut Petschar von der VÖM beantworteten gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Alpenmilch Salzburg Christian Leeb die Fragen der Journalisten. (Foto: VÖM)
Johann Költringer und Helmut Petschar von der VÖM beantworteten gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Alpenmilch Salzburg Christian Leeb die Fragen der Journalisten. (Foto: VÖM)
"Die heimischen Molkereien erwarten für die Zeit nach dem Ende der EU-Milchquote im Jahr 2015 eine steigende Milchmenge, die es zu verarbeiten und zu vermarkten gilt. Für unsere Branche bedeutet es jedenfalls, sich bereits jetzt darüber im Klaren zu sein, dass unter diesen verschärften Wettbewerbsbedingungen höhere Mengen zu bewältigen sein werden und diese hauptsächlich im Export unterzubringen sind. Dazu müssen Märkte aufgebaut und Produktstrategien entwickelt werden. Insgesamt gilt es für uns, alle Potenziale zu nutzen, die in der Vermarktung und in der Verarbeitung möglich sind. " Dies erklärte der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), Helmut Petschar, im Rahmen der Bundestagung der Molkereiwirtschaft in Salzburg. "Die Weltmilchproduktion wird bis 2020 laut Expertenprognosen um 24% auf 740 Mio. t ansteigen, die Steigerungsrate in der EU soll bei 5,8% liegen und in Österreich wird eine Steigerung um 20 bis 25% auf 3,6 Mio. t erwartet. Indien dürfte zum weltgrößten Milchproduzenten aufsteigen, auch China wird seine Erzeugung steigern, aber ein wichtiges Importland bleiben. Die Zunahme der Produktion in Neuseeland wird zur Gänze in den Export gehen. Südamerika dürfte künftig stärker auf den internationalen Märkten vertreten sein ", erläuterte Petschar.

Kritik an Preisvergleichen mit dem Ausland
Vehement wehrt sich die österreichische Milchwirtschaft auch gegen unseriöse Preisvergleiche mit dem Ausland. "Diese Vergleiche - etwa jene der Arbeiterkammer - erfolgen nur mit dem billigsten Land. Andere EU-Staaten, wie etwa Frankreich oder Italien, haben deutlich höhere Preise bei Trinkmilch. Außerdem wird dabei der Qualitätsaspekt völlig ignoriert ", gab Petschar zu bedenken. Er verwies darauf, dass Österreich beim Anteil der Nahrungsmittel und alkoholfreien Getränke an den Konsumausgaben in der EU-27 an viertletzter Stelle liege: Konkret lag dieser Anteil (laut Eurostat-Berechnungen auf Basis der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung) im Jahr 2010 bei nur 10,2%, während es im EU-Schnitt 12,9% waren. In Rumänien, das in diesem EU-Vergleich an der Spitze liegt, werden 29,1% der Haushaltsausgaben für den Kauf von Lebensmitteln verwendet.

Trendwende am Milchmarkt
Der VÖM-Präsident gab bei der Milchwirtschaftstagung auch einen Überblick über die Entwicklung der Branche im laufenden Jahr: Zunächst gab es auf den internationalen Märkten deutliche Preiskorrekturen nach unten, die auch die österreichischen Erzeugermilchpreise unter Druck setzten. Hauptgrund war die deutlich höhere Anlieferung (Österreich bis Ende August +3,7%, EU im ersten Halbjahr +1,9%). Gleichzeitig kamen aber noch die Preiserhöhungen des letzten Jahres zur Wirkung, sodass der durchschnittliche Milchauszahlungspreis der heimischen Molkereien von Jänner bis Juli 2012 im Schnitt bei 38,69 Cent/kg brutto beziehungsweise 34,54 Cent netto lagen (Basis: natürliche Inhaltsstoffe) und damit auf dem Vergleichswert des Vorjahres. Im Juli lag der entsprechende Auszahlungswert bei 34,78 Cent brutto beziehungsweise 31,05 Cent netto. Das waren knapp 4 Cent brutto weniger als ein Jahr zuvor. Mittlerweile ist auf den internationalen Märkten eine Trendwende nach oben zu beobachten, die sich laut Petschar mit entsprechender Verzögerung auch auf das heimische Preisniveau auswirken sollte. "Angesichts der Kostensteigerungen erachten die Molkereien eine Stabilisierung der bäuerlichen Einkommen für notwendig und gerechtfertigt. Wir hoffen, dass in absehbarer Zeit auch für den Milchsektor wieder stabile Preisentwicklungen zu vermelden sind ", erklärte der VÖM-Präsident. AIZ


Aktualisiert am: 24.09.2012 14:24
Landwirt.com Händler Landwirt.com User