Österreichische Milchverarbeiter verzeichneten 2009 Umsatzminus von 7,5 %

Die Umsätze der österreichischen Molkereien und Käsereien verringerten sich im Jahr 2009 um 7,5 % auf 1,98 Mrd. Euro. Dies ist laut VÖM vor allem auf die rückläufigen Preise bei Milchprodukten zurückzuführen.
Präsident Dir. Helmut Petschar (re.) und Mag. DI Johann Költringer bei der Bilanzpressekonferenz. Foto: Nimmervoll
Präsident Dir. Helmut Petschar (re.) und Mag. DI Johann Költringer bei der Bilanzpressekonferenz. Foto: Nimmervoll
Die Wertschöpfung je Kilogramm eingesetzter Milch fiel im Vergleich zu 2008 von 77,56 auf 68,27 Cent. Das bereinigte EGT (Jahresgewinn vor Steuer) hat sich von minus 0,5 % im Jahr 2008 wieder auf plus 1,5 % eingependelt und erreichte damit das durchschnittliche Niveau der Jahre zuvor. Weiters wurden deutliche Rückgänge bei den Erzeugerpreisen verzeichnet, die aber dennoch deutlich über dem EU-Niveau lagen. Dies berichtete heute der Präsident der Vereinigung österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), Helmut Petschar, bei der Bilanzpressekonferenz. Petschar verwies dabei auch auf den zunehmenden Druck des Handels, der verstärkt Eigenmarken und Preisaktionen forciere. Dem wollen die Molkereien verstärkt mit einer konsequenten Qualitätsstrategie begegnen. Einen Wettbewerbsvorteil sieht Petschar, der auch Geschäftsführer der Kärntnermilch ist, in gentechnikfreien Erzeugung von Milchprodukten.

Anlieferung leicht gesunken - Keine Superabgabe
Die Milchanlieferung lag 2009 mit rund 2,709 Mio. t und 4,19 % durchschnittlichem Fettgehalt um 0,3 % unter dem Wert des Vorjahres. Dieser Umstand sowie die halbierte Fettkorrektur und die von der EU erhöhte Milchquote bewirkten, dass es im Ende März zu Ende gegangenen Quotenjahr 2009/10 keine Überlieferung gab und - nach 13 Jahren erstmalig - keine Superabgabe nach Brüssel zu zahlen war. Die österreichischen Molkereien nahmen 2009 die Auszahlungspreise für Milch mit natürlichen Inhaltsstoffen (inklusive Mehrwertsteuer) im Schnitt von 43,57 auf 32,48 Cent/kg zurück (minus 25,5 %), wobei gegen Ende des Jahres eine leichte Erholung einsetzte. "Die Ursachen dafür waren der Absturz am EU-Milchmarkt sowie der schwache Inlandsabsatz infolge der Wirtschaftskrise und der verstärkte Einsatz von Imitatprodukten in der industriellen Weiterverarbeitung von Lebensmitteln ", erläuterte der VÖM-Präsident. Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld je Betrieb reduzierte sich von 30.262 Euro auf 22.854,- (minus 24,5%). Die Zahl der Milchlieferanten ging im Jahr 2009 von 39.107 auf 38.500 um 1,6 % zurück. Die durchschnittliche Milchanlieferung erhöhte sich damit von 69.500 auf 70.400 kg pro Jahr und Betrieb.

Schwierige Absatzentwicklung im Inland
2009 war aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage ein Jahr mit schwieriger Absatzentwicklung. Erst ab dem 2. Halbjahr konnte eine leichte Belebung vermerkt werden. Laut RollAMA wurde insgesamt eine konstante Absatzmenge bei einem durchschnittlichen Preisrückgang von 3,3 % verzeichnet. Auch EU-weit herrschte im abgelaufenen Jahr eine ähnliche Situation, erst der Einsatz von Maßnahmen durch die EU-Kommission und ein Anziehen der Exporte konnten die Märkte etwas beleben. "Derzeit plant die EU keine neuen Interventionsmaßnahmen, im Gegenteil, es ist zu erwarten, dass die öffentlichen Lager im heurigen Jahr zumindest teilweise abgebaut werden und somit eine zusätzliche Belastung auf dem Milchmarkt entstehen könnte ", betonte Petschar.

Molkereiprodukte für Konsumenten billiger
Milchprodukte sind für die österreichischen Verbraucher im abgelaufenen Jahr billiger geworden. Im Februar 2010 lag der Unterschied gegenüber dem Vorjahr bei 3 %, der Verbrauch ist allerdings aufgrund der Wirtschaftskrise nicht gewachsen. Aktuell liegen die Preise für wichtige Molkereiprodukte laut VÖM deutlich unter jenen vor dem EU-Beitritt vor 15 Jahren (Trinkmilch minus 11 %, Butter minus 36,6 %). "Die schwierige Situation unserer Molkereiwirtschaft verschärft sich durch das aggressive Verhalten des Lebensmittelhandels, insbesondere durch Diskontpreise für wichtige Milchprodukte, die oftmals aus billiger Produktion aus dem Ausland stammen. Gleichzeitig setzt der Handel verstärkt auf austauschbare Ware mit Eigenmarken und auf Preisaktionen bei Milchprodukten ", stellte Petschar fest und verwies auf deutlich steigende Butterimporte. Er appellierte an die Verantwortlichen des Einzelhandels, sie sollten weniger die Tiefstpreise und mehr den Wert von Molkereiprodukten hervorheben. "

Außenhandel erleidet preisbedingte Rückgänge
Im Außenhandel mussten die österreichischen Molkereien 2009 bei vergleichbaren Mengen umsatzmäßig Rückgänge verbuchen. Damit verringerte sich die Exportquote von 43,5 auf 42,2 %. Die Ausfuhren beliefen sich wertmäßig auf 835 Mio. Euro (minus 10,4 %), die Importe schrumpften um 8,4 % auf 489 Mio. Euro, was zu einem Rückgang des positiven Außenhandelssaldos um 13 % auf 346 Mio. Euro führte. Nach wie vor wichtigstes Exportprodukt ist Käse, hier konnte Österreich auch unter schwierigen Marktverhältnissen mit seiner Qualitätsstrategie im Ausland punkten, während die Handelsketten verstärkt billige Mengen für Eigenmarken importierten. Der Durchschnittspreis der exportierten Käsearten lag mit 3,73 Euro/kg deutlich über dem von Importkäse mit 3,50 Euro. Die Milchwirtschaft versuchte im abgelaufenen Jahr, einen möglichst hohen Verarbeitungsgrad im Inland zu erreichen, dem entsprechend sank der Anteil der Tankmilchexporte auf 3,8 % des Gesamtumsatzes.

Gemischte Aussichten für 2010
"Auch wenn wir derzeit von den Rekordtiefstständen des Jahres 2009 entfernt sind, so sind dennoch weitere Verbesserungen am Markt notwendig. Diese könnten etwa durch eine stärkere Belebung des Außenhandels erfolgen. Hier ist die EU-Kommission zu einem verantwortungsvollen Einsatz diverser Marktinstrumente aufgerufen. Es sollten öffentliche Maßnahmen ergriffen werden, etwa die strategische Lagerhaltung von Milchprodukten, um die hohe Volatilität einzudämmen und eine stabile Entwicklung auf den Märkten zu gewährleisten ", verlangte der Präsident. Die VÖM erwarte durch die anstehenden Beschlüsse in der EU auch eine Klarheit hinsichtlich Lebensmittelkennzeichnung für die Konsumenten, sodass in weiterer Folge irreführende Bezeichnungen unterbunden werden könnten. Im Hinblick auf das Auslaufen der Milchquote im Jahr 2015 arbeite die Branche an der Entwicklung von alternativen Modellen. Insgesamt sollte die Wettbewerbssituation der Milcherzeuger und -verarbeiter in der Lebensmittelkette verbessert werden, so Petschar. (aiz)


Aktualisiert am: 08.04.2010 18:17
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