ÖBf: 2009 war ein Jahr der Herausforderungen

2009 war ein weiteres Jahr der Herausforderungen für die Österreichische Bundesforste AG (ÖBf).
Unter dem Titel "Horizont 2020 - das Nachhaltigkeitskonzept" haben sich die Bundesforste mit einem neuen Unternehmenskonzept neue Ziele gesetzt.
Unter dem Titel "Horizont 2020 - das Nachhaltigkeitskonzept" haben sich die Bundesforste mit einem neuen Unternehmenskonzept neue Ziele gesetzt.
Nach den schweren Windwürfen 2007 und 2008 durch die Stürme Kyrill, Paula und Emma hatten die ÖBf mit einem massiven Borkenkäfer-Befall zu kämpfen, der auch als "Bote der Klimaerwärmung" gesehen wird. Hinzu kam die Wirtschaftskrise, die sich vor allem beim Holzabsatz sowie im Bereich der Beteiligungen auswirkte. Trotz all dieser Herausforderungen konnte schlussendlich - dank der breiten Aufstellung des Unternehmens - ein positives Ergebnis für das vergangene Geschäftsjahr erwirtschaftet werden, wie die beiden Vorstandssprecher, Georg Erlacher und Georg Schöppl, heute bei einem Pressegespräch in Wien berichteten. Die Betriebsleistung der ÖBf, die jeden zehnten Quadratmeter Österreichs bewirtschaften, betrug 2009 220,4 Mio. Euro nach 271,5 Mio. Euro im Jahr 2008 und das EGT vor Fruchtgenuss erreichte 6,0 Mio. Euro nach 23,4 Mio. Euro im Vorjahr.

Holzernte übertraf Hiebsatz um 0,56 Mio. fm
Die Holzernte-Menge lag 2009 bei insgesamt 2,154 Mio. Festmeter (fm) gegenüber 2,511 Mio. fm im Jahr 2008 und übertraf den Hiebsatz, also die nachhaltige Holzerntemenge, um 563.000 fm. Dies ist vor allem auf den hohen Schadholzanteil von 86 % zurückzuführen. Auch 2007 und 2008 erreichte dieser bereits eine ähnliche Höhe. In den Jahren davor lag der Schadholzanteil hingegen bei ungefähr 60 bis 65 %. Für heuer ist folglich wieder ein geringerer Einschlag geplant, um im Sinne der Nachhaltigkeit zu wirtschaften.

Hohe Holzernte- und Waldpflegekosten, geringere Erlöse
Die widrigen Umstände haben sich auch auf die Erntekosten ausgewirkt, die heuer 29,2 Euro pro fm betrugen, gegenüber 28,1 Euro im Jahr 2008. Dies wird damit begründet, dass schwierige Erntebedingungen vorherrschten und teilweise auch Hubschrauberverbringungen notwendig waren. Doch auch die Kosten für die Waldpflegemaßnahmen sind stark gestiegen. Im Vergleich zu 2007 führte die teurere Ernte zu einem finanziellen Mehraufwand von 4,7 Mio. Euro und die intensivere Waldpflege zu zusätzlichen Kosten von 6,6 Mio Euro. Weiters verringerten sich die Erlöse durch die schwierige gesamtökonomische Situation um geschätzte 21,2 Mio Euro. Dies ergibt Einbußen durch Wirtschaftkrise und Naturkatastrophen von 32,5 Mio Euro. im Vergleich zu 2007.Ferner fiel der Durchschnittserlös für 1 fm Holz von 60,47 Euro auf 55,69 Euro. Generell sprach Erlacher aktuell jedoch von einem "durchaus positiven Preistrend" insbesondere bei Nadelholz, wo sogar eine Marktverknappung festzustellen sei. "Schwierig" sei die Situation wiederum bei Laubholz und "speziell die Buche schwächelt".

Stabile Zahlen trotz großer Herausforderungen
Erfolgreich bestanden werden konnten die Herausforderungen im Forst- und Holz-Kernbereich der ÖBf, in dem ein Minus beim Betriebsergebnis von einem Viertel zu verzeichnen war, durch die erfolgreiche Diversifizierung des Unternehmens. Dem Trend der letzten Jahre folgend, konnten neben dem Bereich Jagd und Fischerei, in dem es zu einem leichten Anstieg von 2,5 % kam, vor allem die Geschäftsfelder Dienstleistungen mit 24,2 % sowie Immobilien mit 3,3 % ein deutliches Plus verzeichnen. Folglich schrumpfte das gesamte Betriebsergebnis um verhältnismäßig geringe 18,7 %. "2009 hat sich einmal mehr gezeigt, dass unsere gewählte Strategie der Diversifizierung in verschiedene Geschäftsfelder die richtige Entscheidung war. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es wichtig, mehrere Standbeine und eine solide Basis zu haben. Genau das haben wir durch die Aufteilung in mehrere Geschäftsfelder geschaffen, und das macht sich jetzt bezahlt", so der für Finanzen zuständige ÖBf-Vorstand Schöppl. An den Eigentümer, die Republik Österreich, führen die Bundesforste für das Jahr 2009 insgesamt 2 Mio. Euro Fruchtgenussentgelt und 20 Mio. Euro an Dividende ab.

"Horizont 2020": Konsequente Optimierung und Nachhaltigkeit
Unter dem Titel "Horizont 2020 - das Nachhaltigkeitskonzept" haben sich die Bundesforste mit einem neuen Unternehmenskonzept auch neue Ziele gesetzt: So möchten die ÖBf für die Zukunft zusätzlich verstärkt auf den Bereich Erneuerbare Energien setzen und hier unter anderem in Biomasse-Kraftwerke, Wind- und Wasserkraft sowie Fotovoltaik-Technologien 28 Mio. Euro investieren. Neben den Kosten im Bereich Holzernte sollen auch Prozess- und Logistikkosten im Kerngeschäft gesenkt werden. Auch die innerbetrieblichen Strukturen werden laufend weiterentwickelt und optimiert, wobei der Mitarbeiterstand mit 1.200 Arbeitskräften (derzeit 1.219) weitgehend gehalten werden soll. Schon für heuer rechnen die Bundesforste wieder mit deutlich besseren wirtschaftlichen Ergebnissen. Steigende Holzpreise bei gleichzeitiger Senkung der Erntekosten lassen auf eine gute Bilanz 2010 hoffen. Langfristig streben die ÖBf einen Ausbau der starken Position am Holzmarkt und des Wachstumskurses in den Bereichen Immobilien, Dienstleistungen und Erneuerbare Energie an. Die Flächenpräsenz soll zudem gehalten werden.

Anpassung an den Klimawandel
Weiters wollen die ÖBf die Wälder zunehmend an den Klimawandel anpassen, was durch eine geeignete Baumauswahl und eine effiziente Pflege gelingen soll. An manchen Standorten gilt nach wie vor die Fichte als geeignete Art, in anderen Bereichen gewinnt die Lärche zunehmend an Bedeutung, aber auch unterschiedliche Laubbäume werden eingesetzt. Zudem verschiebt sich die Waldgrenze zunehmend in die oberen Regionen, wie Erlacher berichtete.


Autor:
Aktualisiert am: 17.05.2010 20:51
Landwirt.com Händler Landwirt.com User