Nur fruchtbare Kühe sind wirtschaftlich

Mangelnde Fruchtbarkeit ist nach wie vor die Abgangsursache Nummer Eins in den Milchviehherden. Den Ursachen dafür ging Mag. Franz Viehböck beim „Landwirt“-Agrarforum Rind auf den Grund.
Nur fruchtbare Kühe sind wirtschaftlich!
Nur fruchtbare Kühe sind wirtschaftlich!
Die Fruchtbarkeit ein sehr komplexes Geschehen. Es ist eine Herausforderung für jeden Milchviehhalter die Fruchtbarkeit auf einem hohen Stand zu bringen bzw. zu halten. Neben der bedarfsgerechten Versorgung der laktierenden und trockenstehenden Kühe ist eine regelmäßige Brunstkontrolle und Dokumentation das A und O einer guten Fruchtbarkeit der Herde.

Zu fette Kühe fressen zu wenig
Die Fütterung ist einer der wichtigsten Faktoren, welche die Fruchtbarkeit maßgeblich beeinflusst. Es ist vor allem die ausreichende Futteraufnahme nach der Geburt, welche die Energiebilanz wesentlich beeinflusst. Überkonditionierte Kühe oder Kalbinnen fressen nach dem Abkalben deutlich weniger und beginnen mit einem starken Abbau von angelegten Fettreserven. Wichtigster Bestandteil des Fütterungsmanagements ist es daher die Energieversorgung bedarfsgerecht zu gestalten. Keinesfalls dürfen spätlaktierende Kühe bzw. höherträchtige Kalbinnen energetisch überversorgt sein.

Rund um die Geburt
Die Nachgeburt sollte innerhalb von 6 Stunden nach der Geburt abgehen. Oft geht diese bei verfetteten Kühen oder Kalbinnen, bei Schwergeburten oder Zwillingsgeburten nicht spontan ab. Dies führt oft zu ernsthaften Problemen. Infolge einer Entzündung der Gebärmutter kommt es zu Anstieg der inneren Körpertemperatur und in der Folge zu schlechter oder fehlender Fresslust. Hier ist ein rasches tierärztliches Eingreifen unbedingt notwendig. Gebärmutterentzündungen müssen hintan gehalten werden, die Fresslust muss gesteigert werden, damit die Kühe nicht in ein Energiedefizit schlittern, welches die Spirale des Körperfettabbaues in Gang setzt. Wenn es gelingt die Tiere bei guter Fresslust zu halten und den Körperfettabbau zu bremsen, haben auch Kühe mit Nachgeburtverhalten sehr gute Aussichten auf eine neuerliche Trächtigkeit.

Nach 6 Wochen untersuchen
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die regelmäßige Kontrolle von Kühen nach der Geburt. Wurden Kühe zur Zeit der Geburt wegen Störungen wie Nachgeburtsverhalten und Gebärmutterentzündungen behandelt, so sollten diese Tiere etwa 25 Tage nach der Geburt das 1. mal kontrolliert werden. Hier ist vor allem die Rückbildung der Gebärmutter von großer Bedeutung. Ist diese mangelhaft, so wird versucht eine Brunst einzuleiten. Kühe die bis 6 Wochen nach der Geburt nicht in Brunst beobachtet wurden, sind ebenfalls rektal zu kontrollieren. Dabei werden oft Eierstockszysten festgestellt, die ebenfalls einen stark negativen Einfluss auf die weitere Fruchtbarkeit haben. Oft zeigen die erhobenen Eierstocksbefunde kleine funktionslose Eierstöcke. Dies ist oft eine Folge von starkem Energiemangel nach der Geburt und verlängert die Zwischenkalbezeit erheblich. Erst wenn die Tiere an Körpergewicht wieder zunehmen, setzt der Zyklus wieder ein bzw. sind Brunsten erst dann wieder erkennbar. In dieser Zeit ist eine intensive Brunstkontrolle und deren Dokumentation von größter Wichtigkeit. Die Brunstkontrolle sollte 3 x täglich außerhalb der Melkzeiten durchgeführt werden. So gelingt es auch Tiere mit schwachen Brunstzeichen als brünstig zu erkennen. Dadurch wird die Brunsterkennungsrate deutlich gesteigert und so die Zwischenkalbezeit verringert.

Hier finden Sie die Präsentation von Franz Viehböck


Aktualisiert am: 25.01.2011 10:51
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