Nord-West-Gefälle in der EU-Milchproduktion

In der Europäischen Union hat sich die Milchproduktion im Zuge von Quotenerhöhungen und rapidem Preisverfall 2009 regional gegenläufig entwickelt. Während im Westen und Südosten des Kontinents weniger Milch angeliefert wurde, weiteten die Milcherzeuger in einigen mittel-, und nordeuropäischen Ländern die Produktion aus.
Während die Anlieferungen in Frankreich und Irland stark rückläufig sind, haben Deutschland und Dänemark in diesem Jahr bisher erheblich mehr Milch erzeugt.
Während die Anlieferungen in Frankreich und Irland stark rückläufig sind, haben Deutschland und Dänemark in diesem Jahr bisher erheblich mehr Milch erzeugt.
Frankreich verringerten sich laut Angaben des interprofessionellen Zentrums der Milchwirtschaft (CNIEL) die Anlieferungen von Jänner bis September 2009 um 4,8 %, während in Irland ein Minus von 2,9 % registriert wurde. In Großbritannien, wo die Milcherzeugung seit Jahren abnimmt, wurde abermals ein Rückgang registriert, und zwar um 1,2 %. In Italien, das durch die Entscheidungen des Health Checks und der dort von den EU-Agrarministerin beschlossenen Quotenerhöhung eigentlich alle Möglichkeiten zur Ausweitung der Produktion hat, gaben die Kühe 0,4 % weniger Milch. Italien hatte beim Health Check für sich statt einer schrittweisen eine einmalige Quotenerhöhung von 5 % durchgesetzt, eine Menge, die etwa den deutschen Milchexporten auf die Apenninenhalbinsel entspricht. Leichte Rückgänge des Rohmilchaufkommens wurden bis Ende September 2009 auch in den übrigen südeuropäischen Staaten registriert.

Fortgesetzter Abwärtstrend in Frankreich
Stärkere Rückgänge der Anlieferungsmengen hatten die Molkereien in vielen osteuropäischen Staaten zu verzeichnen. So meldeten Ungarn und die Slowakei für den Zeitraum Januar bis September 2009 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum ein Minus von 4,0 % beziehungsweise 8,9 %. Auch im Baltikum und in Südosteuropa produzierten die Milchbauern deutlich weniger. Andererseits erhöhte sich das Rohstoffaufkommen in Deutschland, Dänemark und Polen laut CNIEL-Angaben um 3,6 % bis 3,9 %. Belgien meldete sogar ein Plus von 5,1 %. In den Niederlanden stiegen die Anlieferungen an die Molkereien um 2,0 %. Durch diese Verschiebungen nahm die EU-Milchmenge bis Ende September im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum minimal um 0,1% ab. Laut CNIEL-Angaben haben sich die rückläufigen Tendenzen in der französischen Milchproduktion im Spätherbst fortgesetzt. Für Oktober gibt der Branchenverband den Abstand zum Vorjahresniveau mit 2,7 % an; Anfang November soll die Entwicklung angedauert haben. Was die Ausrichtung der Molkereien angeht, spricht das CNIEL von einem starken Rückgang der Konsummilcherzeugung und der Vollmilchpulverproduktion in Frankreich.

Kein Mengendruck aus Ozeanien erwartet
Wie in der Europäischen Union haben 2009 auch die Milcherzeuger in den Vereinigten Staaten die Produktion leicht zurückgefahren, und zwar von Jänner bis Oktober im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 0,3 %. Das geringere Rohmilchaufkommen ging einher mit einer starken Abnahme der Exporte, die das CNIEL beim Magermilchpulver auf mehr als 40 % und beim Käse auf rund ein Viertel beziffert. Im Zuge der Abstockung der Herden nach dem Preisverfall wird 2010 mit einem spürbaren Produktionsrückgang gerechnet. In Argentinien geht man für den Zeitraum von Januar bis Juli 2009 im Vergleich zur Vorjahresperiode von einer Erhöhung des Rohmilchaufkommens um knapp 3 % aus. Einiges kommt für die Entwicklung des Weltmarktangebots nun auf die Entwicklung in Neuseeland und Australien als weiteren wichtigen Produktionsländern auf der Südhalbkugel an, wo die Milcherzeugung sich am saisonalen Höhepunkt befindet. Die Europäische Kommission geht davon aus, dass die neuseeländischen Milchbauern im aktuellen Wirtschaftsjahr nur geringfügig mehr Milch liefern werden als in der vorangegangenen Saison, während man in früheren Prognosen noch ein Plus von 3 % bis 4 % erwartet hatte. Für Australien rechnet man sogar mit einem um 4 % sinkenden Milchaufkommen. AgE


Aktualisiert am: 12.01.2010 12:56
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