No-till: Verzicht auf Bodenbearbeitung

Ökologische und wirtschaftliche Vorteile führen bei vielen Landwirten zu einem Umdenken bei der Bodenbearbeitung. Dass auch ein vollständiger Verzicht auf Bodenbearbeitung erfolgreich sein kann, führt der Niederösterreicher Karl Zaussinger seit 10 Jahren vor.
Die Bodenbearbeitung hat einen starken Einfluss auf die Regenwurmpopulation. Je weniger Bodenbearbeitung, desto mehr Regenwürmer, die bei No-till auch die Tiefenlockerung übernehmen und die Erntereste nach unten transportieren.
Die Bodenbearbeitung hat einen starken Einfluss auf die Regenwurmpopulation. Je weniger Bodenbearbeitung, desto mehr Regenwürmer, die bei No-till auch die Tiefenlockerung übernehmen und die Erntereste nach unten transportieren.
No-till oder Direktsaat heißt der Verzicht auf jegliche Bodenbearbeitung. Mit diesem System kann Erosion vermieden, der Humusgehalt erhöht, die mikrobielle Biomasse im Boden wieder aufgebaut, die Bodenstruktur verbessert und die Bodenfruchtbarkeit erhöht werden. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen sind deutlich spürbar, wie auch Versuche in Niederösterreich zeigen.

Deutliche Einsparungen
Gespart werden kann bei Investitionen in Maschinen, beim Kraftstoff und beim Arbeitsaufwand. „No-till kommt weltweit auf ca. 100 Millionen ha zum Einsatz“, erklärt DI Dr. Josef Rosner vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung. In manchen Ländern wird bereits mehr als 65% der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Direktsaat bestellt. In Österreich wird diese Nicht-Boden-Bearbeitung erst vereinzelt praktiziert und wird sich, so ist sich Rosner sicher, „nicht flächig durchsetzen, denn die Maßnahmen, die in der Bodenbearbeitung zu setzen sind, hängen von der Fruchtfolge und der Bodenart ab.“Nach der Ernte bis zur folgenden Saat wird keine Bodenbearbeitung durchgeführt. Die Ernterückstände bleiben auf der Oberfläche liegen. Es wird nur ein schmaler Schlitz bis in Saattiefe gelockert, um das Saatgut abzulegen. „Problematisch ist oft das Schließen des Säschlitzes“, weiß DI Dr. Josef Rosner aus den Versuchserfahrungen.

In der Praxis erfolgreich
Karl Zaussinger betreibt auf seinem Betrieb 70 ha großen Marktfruchtbetrieb im niederösterreichischen Wullersdorf bereits seit 10 Jahren No-till. Angebaut werden auf Böden mit der Bodenwertzahl 100, bei 550 mm Niederschlag/Jahr, Getreide, Zuckerrübe, Sonnenblume und Kürbis. Bei der Fruchtfolge wechselt er Getreide mit Hackfrüchten ab. „Getreide nach Getreide funktioniert bei No-till nicht“, so Zaussinger. Karl Zaussinger erwirtschaftet bei minimalem Aufwand gegendtypische Erträge. „Ich habe auf meinen Flächen weniger Arbeit, brauche weniger Maschinen und weniger Diesel“, führt er die wirtschaftlichen Vorteile ins Feld. Ohne einen gezielten Anbau von Zwischenfrüchten und den Einsatz chemischer Mittel gelingt No-till allerdings nicht. „Beim Spritzen spar ich nicht“, erklärt auch Karl Zaussinger. Zu Beginn hätte er gehofft den Herbizideinsatz reduzieren zu können, was aber nicht möglich gewesen sei.


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Aktualisiert am: 14.07.2009 12:06
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