Nicht mit Geld umgehen können

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Was kann man tun, wenn man selbst das Gefühl hat ohne Ende zu arbeiten, während der Partner das Geld mit vollen Händen ausgibt? Wir beleuchten gemeinsam mit der Psychologin Claudia Prudic von der Frauen- und Familienberatungsstelle Wendepunkt welche Lösungsansätze es gibt.
Der Umgang mit Geld ist mit einer der häufigsten Streitpunkte in einer Beziehung. Foto: pathdoc/shutterstock.com
Der Umgang mit Geld ist mit einer der häufigsten Streitpunkte in einer Beziehung. Foto: pathdoc/shutterstock.com
„Es heißt immer: 'Über Geld und Kinder wird am häufigsten gestritten'. Das kann ich aus meiner Tätigkeit nur bestätigen. Häufig bildet der Streit um die Finanzen auch komplexere Beziehungsprobleme ab. Das Geld ist somit oft nur das 'Schlachtfeld', hinter dem ganz andere emotionale Wünsche stecken“, erklärt Prudic. Wirft etwa die Frau ihrem Mann Geiz vor, kann dahinter stecken: „Du gibst nie etwas her. Weder Geld noch Gefühle.“ Wer seinem Partner Verschwendung unterstellt, meint vielleicht eher: „Schau doch lieber einmal auf mich, anstatt dich so unwichtigen Dingen wie der neuesten Technik zu widmen.“ Es streiten also nicht nur Paare über das Thema Geld, die jeden Euro zweimal umdrehen müssen. Oft zeigt sich nur, dass unterschiedliche Ansichten aufeinander prallen.

Wünsche formulieren, Ziele vereinbaren
Die Psychologin schlägt vor, dass jeder nach dem Motto „hinter jedem Vorwurf steckt ein Wunsch“ seine persönlichen Anliegen ausformuliert, wie etwa: „Ich möchte hin und wieder ein Buch kaufen können, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen“ oder „Ich will regelmäßig Geld für unsere Kinder auf ein Sparbuch legen.“ Diese Wünsche werden dann in kurz-, mittel- und langfristige Wünsche eingeteilt und konkrete Ziele nach dem SMART-Prinzip vereinbart (Spezifisch – konkret formuliert; Messbar – Einhaltung überprüfbar; Akzeptiert – beide müssen einverstanden sein; Realistisch – dem Gehalt und den fixen Ausgaben angemessen; Terminisierbar – innerhalb einer bestimmten Zeit);
Doch was tun, wenn sich einer der beiden Partner nicht daran hält und etwa permanent einkaufen geht, Geld verspielt oder im Wirtshaus eine Runde nach der anderen schmeißt? Was, wenn sich derartige Entscheidungen sogar nachteilig auf die Existenzgrundlage auswirken? „Nach dem Motto 'Man muss beim eigenen Verhalten ansetzen' hilft es manchmal, die eigenen Leistungen und Liebesbezeugungen zurückzuschrauben, um den verschwenderischen Partner zur Einsicht zu bringen. Wenn jedoch ein Statussymbol nach dem anderen angeschafft wird, stecken oft massive Selbstwertprobleme dahinter. Übt der eigene Partner daran Kritik, wird diese meist als unwichtig abgetan“, betont die Psychologin, die Betroffenen in so einem Fall rät, die Meinung einer neutralen Stelle einzuholen, wie etwa bei „Wendepunkt“ oder am bäuerlichen Sorgentelefon

Wohin kann ich mich bei Problemen wenden?
Bäuerliches Sorgentelefon in Österreich:
Der direkte Draht für Lebensfragen, wenn einfach alles zu viel ist. Die Information und Begleitung sind kostenlos und Anfragen werden absolut vertraulich behandelt. Einfach zum Ortstarif anrufen unter 0810/676 810. Montag bis Freitag 8:30 bis 12:30 Uhr (ausgenommen gesetzliche Feiertage).
Montagstelefon in Bayern :
Jeden Montag (auch an Feiertagen) von 9– 13 Uhr und von 16 bis 20 Uhr: 0800 131 131 0 (kostenlos)


Autorin: Mag. Claudia Jung-Leithner. Sie ist freie Autorin für Lebensqualität Bauernhof.

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Aktualisiert am: 07.07.2017 10:43