Neue Mutageneseverfahren sind Gentechnik

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Der Europäische Gerichtshof hat entschieden: Die neuen Mutageneseverfahren sind als Gentechnik zu werten. Die Risiken seine ähnlich wie bei den bereits bekannten GVOs.
Neue Mutageneseverfahren sind laut EuGH als Gentechnik zu werten. Foto: Böck
Neue Mutageneseverfahren sind laut EuGH als Gentechnik zu werten. Foto: Böck
Strenge Auflagen für neue Züchtungsverfahren verlangt der Gerichtshof der Europäischen Union. Die mit neuen Mutageneseverfahren veränderte DNA bringe ähnliche Risiken mit sich wie die übliche Gentechnik und muss deshalb gleich behandelt werden, urteilen die Richter in Luxemburg. Zwar werde bei den neuen Züchtungsverfahren kein neues genetisches Material hinzugefügt. Aber durch die gezielte Beeinflussung des vorhandenen Erbmaterials ließen sich die gleichen Wirkungen erzielen wie mit der Gentechnik. Das Tempo und das Ausmaß der Veränderung hätten sich in jüngster Zeit bei den Mutageneseverfahren deutlich beschleunigt. Deshalb seien auch ohne Hinzufügung von Erbmaterial die Gefahren der neuen Mutageneseverfahren mit denen der Gentechnik vergleichbar. Folglich müssen mit der Genschere hergestellte Erzeugnisse der bestehenden Gentechnikgesetzgebung unterliegen. Das heißt, sie müssen die vorgeschriebenen EU-Genehmigungsverfahren für GVO durchlaufen und gekennzeichnet werden. Lediglich für alte Mutageneseverfahren will der Gerichtshof eine Ausnahme machen und es den EU-Mitgliedstaaten überlassen, ob sie die GVO-Vorschriften verlangen oder darauf verzichten. Geklagt hatte eine französische Kleinbauernorganisation, die die Genschere als Gentechnik betrachtet.

Wieder keine europäische Lösung
Das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus nimmt das heutige EuGH-Urteil zur Kenntnis und wird es mit all seinen Auswirkungen in den kommenden Tagen eingehend prüfen. Aus österreichischer Sicht bestehe derzeit kein Handlungsbedarf, das österreichische Gentechnikgesetz sei sehr streng, wird betont. Problematisch sei, "dass Gentechnik in anderen Mitgliedstaaten erlaubt ist und damit keine europaweit einheitlichen Regeln gelten".

Kritik an dem Urteil äußerte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied: "Europa läuft Gefahr, den Anschluss an andere Weltregionen zu verpassen. Dieses Urteil verbaut uns die notwendigen Möglichkeiten, mit Hilfe der Pflanzenzüchtung die Herausforderungen des Klimawandels zu meistern". Genome Editing stelle nach derzeitigem Stand der Wissenschaft eine deutliche Verbesserung in Präzision, Effizienz und Kontrollierbarkeit gegenüber bisherigen klassischen Züchtungsverfahren und auch der Gentechnik dar. Die neuen Verfahren könnten zur Förderung der Krankheitsresistenz und Toleranz gegenüber widrigen Umweltbedingungen beitragen, denn die derzeitige Dürre zeige exemplarisch, dass zukünftig beispielsweise trockenheitstolerantere Sorten gebraucht werden. "Das EU-Gentechnikrecht muss jetzt auf seine Zukunftsfähigkeit überprüft werden, um die Chancen der neuen Züchtungsmethoden nutzen zu können", so Ruckwied.

Aktualisiert am: 25.07.2018 19:48