Nabelinfektion führt zu Nabelbrüchen

Bislang ging man davon aus, dass Nabelbrüche vor allem auf das Konto von ungünstigen Vererbungskonstellationen gehen. Mittlerweile sieht man immer häufiger in Nabelinfektionen den eigentlichen Auslöser für spätere Nabelbrüche.
Desinfektion der Kälberbuchten kann die Rate an Nabelinfektion drastisch reduzieren helfen.
Desinfektion der Kälberbuchten kann die Rate an Nabelinfektion drastisch reduzieren helfen.
Nabelinfektionen stehen mit bis zu 15 % und mehr bei den Kälbererkrankungen an dritter Stelle hinter Durchfällen und Atemwegsproblemen. In Problembetrieben kann jedes Kalb davon betroffen sein. In den ersten drei Lebenswochen sind Kälber am anfälligsten für Nabelentzündungen, danach nimmt die Empfindlichkeit deutlich ab. Nur 1,8 % der Nabelbrüche sind laut deutschen Studien auf erbliche Ursachen zurückzuführen

Risikofaktoren für Nabelentzündungen
• Ungenügende Kolostrumzufuhr, Abwehrschwäche
• Häufiger bei männlichen Kälbern (2:1)
• Häufiger nach Kaiserschnitt als nach Spontangeburt
• Häufiger bei sehr großen Kälbern (Schwergeburt)
• Unhygienische Abkalbebedingungen
• Durchfälle führen 2,65 x häufiger zu Nabelentzündungen
• Kälber, die in seitlicher Stellung vor und während der Geburt im Becken lagen, weisen ein erhöhtes Risiko für Nabelentzündungen später auf
• Zu kurzes Abreißen der Nabelschnur
• Gegenseitiges Besaugen

Nabeldippen
Um ein Vielfaches aber ist die Gefahr für die Ausbildung eines Nabelbruches höher, wenn sich das Kalb eine Nabelinfektion eingefangen hatte: In diesen Fällen steigt das Risiko gleich um das 6fache. Nach den Erfahrungen aus Florida kann durch einfaches Desinfizieren des Nabels eine Nabelinfektion in 70-80 % der Fälle verhindert werden. Die Nabeldesifektion ist somit die wichtigste Vorbeugemaßnahme überhaupt. In der Universität Cornell in den USA konnte ebenfalls die Bedeutung des Nabeldippens eindrucksvoll unterstrichen werden. Neugeborene Kälber, bei denen auf eine Desinfektion des Nabels verzichtet wurde, hatten eine 18%ige Todesrate im Gegensatz zu „nabelgedippten“ Kälbern, von denen denen nur 7 % starben. Weiterhin wogen ungedippte Kälber im Alter von 3 Monaten im Schnitt fast 3 kg weniger als gedippte Kälber.

Fazit
Nabelinfektionen führen in vielen Fällen zu einer Störung des physiologischen Nabelring-Verschlusses. Dadurch kommt es gehäuft zu auftretenden Nabelbrüchen. Gelingt es die vielfältigen Risikofaktoren zu minimieren, sind auch Nabelbrüche eher eine Ausnahmeerscheinung. Nabelinfektionen sind die Hauptursache für Nabelbrüche.

Autor: Dr. Peter ZIEGER, Innovationsteam Milch Hessen (D)


Autor:
Aktualisiert am: 25.03.2009 17:33
Landwirt.com Händler Landwirt.com User