Muss das Schwein stinken?

In der Schweinehaltung werden Geruchsemissionen immer mehr zum Streitpunkt zwischen Landwirten, Behörden und Anrainern. Doch durch geeignete Fütterungsmaßnahmen kann Schweinehaltung geruchsverträglicher werden. Die wichtigste Maßnahme dafür ist eine Reduzierung des Proteins im Futter.
Lösliche und unlösliche Ballaststoffe, in diesem Fall Silage, beeinflussen die Geruchsemissionen positiv.
Lösliche und unlösliche Ballaststoffe, in diesem Fall Silage, beeinflussen die Geruchsemissionen positiv.
Die Empfindung, dass Schweine stinken, entsteht durch eine Mischung von flüchtigen Substanzen, die der Mensch bereits in geringer Konzentration riecht. Diese Substanzen haften hartnäckig an Gegenständen oder feinen Staubpartikeln und werden so über weite Strecken transportiert.

Lagerung von Wirtschafsdünger beeinflusst Geruch
Die meisten der unangenehm riechenden Stoffe entstehen durch natürliche mikrobielle Vorgänge (Vergärung von Kohlehydraten) im Dickdarm, die auch noch in der Gülle oder im Mist stattfinden. Bei Kontakt mit Sauerstoff werden diese Substanzen geruchlos. Neben der Vermeidung der Emission von Staub beeinflussen somit auch die Lagerung und Behandlung des Wirtschaftsdüngers den Geruch in der Schweineproduktion.

Lösliche Ballaststoffe gegen Ebergeruch
Das Hormon Androstenon wird mit einsetzender Geschlechtsreife in den Hoden des männlichen Jungschweins gebildet und trägt maßgeblich zum Ebergeruch bei. Durch die Hemmung des Abbaus von Skatol durch die Leber wird der Ebergeruch drastisch verstärkt. Eine wirkungsvolle Gegenmaßnahme ist die praxisübliche Kastration der Ferkel. Daneben wird jedoch in jüngster Zeit auch ein „Impfstoff“ zur Unterbindung der normalen Hodenfunktion beworben. Durch Verfütterung löslicher Ballaststoffe (Zuckerrübenschnitzel) wird zumindest die verstärkte Freisetzung von Skatol gebremst.

Geruchsarme Schweineproduktion möglich
Der Gesamteffekt von Fütterungsmaßnahmen auf eine Geruchsbelästigung lässt sich erst durch Testpersonen zweifelsfrei feststellen. Neben der Tatsache, dass der Gestank von Gülle klar mit den gemessenen Konzentrationen von Alkalthiolen, Phenolen und Indolen verknüpft ist, zeigen holländische Untersuchungen auch einen Zusammenhang zwischen der Minimierung von Protein und einer Geruchsminimierung. Der geruchliche Gesamteffekt der Minimierung des Proteingehalts im Schweinefutter von 18 auf 12 % trat deutlich zu Tage. Der Gestank reduzierte sich etwa um den Faktor 5. Darin lässt sich in Kombination mit weiteren Fütterungsmaßnahmen ein großes Potential zur Entwicklung einer geruchsarmen Schweineproduktion erkennen.

Fazit
Die Bildung unangenehm riechender Stoffe aus der Schweinehaltung kann durch die Fütterung signifikant reduziert werden. Die wichtigste Maßnahme ist die Minimierung des Proteingehalts im Tierfutter. Weitere Entlastungen in der Geruchsemission bringen lösliche, eventuell auch unlösliche, Ballaststoffe, bestimmte phytogene Futterzusatzstoffe sowie harnansäuernde Fütterungsmaßnahmen. All diese Maßnahmen tragen gleichzeitig auch zur Minimierung der Emissionen von Stickstoff (Nitrat, Ammoniak und klimarelevantes Lachgas) in der Schweinehaltung bei. Eine umweltschonende Schweinehaltung ist demnach gleichzeitig auch geruchsarm.

Autor: Univ. Prof. DI Dr. Wilhelm WINDISCH, Universität für Bodenkultur, Wien


Aktualisiert am: 04.02.2009 16:22
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