Moosbrugger zum EU Marktbericht : EU Kommission darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen

Josef Moosbrugger hätte sich vom Milchmarktbericht der Europäischen Kommission mehr erwartet. Es fehlen ihm konkrete Schritte zur spürbaren Steigerung des Absatzes von Molkereiprodukten.
"Wir hätten uns vom Milchmarktbericht der Europäischen Kommission angesichts der dramatischen Lage zehntausender Bauern mehr erwartet.
Der Verbraucherpreis für Milchprodukte von Ende 2007 bis jetzt im EU-Durchschnitt um 2 % gefallen ist.
Der Verbraucherpreis für Milchprodukte von Ende 2007 bis jetzt im EU-Durchschnitt um 2 % gefallen ist.
Dieser Bericht signalisiert leider Perspektivenlosigkeit für viele Milcherzeuger, da niemand in der gesamten EU auf Basis der derzeitigen Erzeugerpreise dauerhaft produzieren kann. So wichtig und unumgänglich die Einlagerungsmaßnahmen sind, so sehr fehlen uns konkrete Schritte zur spürbaren Steigerung des Absatzes von Molkereiprodukten. Denn diese Mengen müssen konsumiert und nicht bloß eingelagert werden. Außerdem verlangen wir eine klare Kennzeichnung von Analog-Erzeugnissen sowie Anreizmaßnahmen für die vermehrte Verwendung von Milchprodukten in der Lebensmittelindustrie. Es kann nicht sein, dass auf der einen Seite Milch und Milchprodukte durch Pflanzenfette ersetzt und die Konsumenten mit Analogkäse getäuscht werden, auf der anderen Seite aber die Bauern auf ihrem hochwertigen Rohstoff sitzen bleiben", erklärte Josef Moosbrugger, Vorsitzender des Ausschusses für Milchwirtschaft der LK Österreich und Präsident der LK Vorarlberg.

Übermacht der verarbeitenden Industrie
Aus dem EU-Marktbericht geht weiters hervor, dass der Verbraucherpreis für Milchprodukte von Ende 2007 bis jetzt im EU-Durchschnitt um 2 % gefallen ist. Der Bauernmilchpreis hingegen sank im selben Zeitraum um 31 %. Moosbrugger dazu: "Irgendwie kann da in der Lebensmittelkette vom Bauern bis zum Verbraucher etwas nicht stimmen. Die Kette ist offenbar defekt. Die österreichischen und europäischen Landwirte stehen da einer Übermacht in verarbeitender Industrie und Lebensmitteleinzelhandel gegenüber. Daher unterstützen wir den Vorschlag der EU-Kommission, die Markttransparenz in der gesamten Kette der Milchproduktion zu erhöhen, allerdings liegen die strukturellen Probleme tiefer."

Marktbericht zeigt schlimme Situation auf
Die Ergebnisse der heute präsentierten Studie bestätigen den schlimmen Zustand des EU-Milchmarktes. Der Bericht nimmt zur Kenntnis, dass kurzfristig keine Entspannung der Preissituation zu erwarten sei, da die Aufstockung der Interventionsbestände von Butter und Magermilchpulver 2009 und 2010 andauern werde. Bei Magermilchpulver betragen die Einlagerungen mit 231.000 t fast die Hälfte der bisherigen Jahresproduktion von Jänner bis Juni 2009. "Diese Mengen dauerhaft einzulagern ist zu wenig, um den Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen, weil ja irgendwann die Lager wieder geräumt werden müssen", verlangte Moosbrugger als Sprecher der Milchbauern dringend weitere Absatzmaßnahmen.

Rückläufiger Verbrauch
Im Marktbericht wird außerdem festgehalten, dass EU- und weltweit die Nachfrage nach Molkereiprodukten rückläufig ist. Besonders Qualitätsware wie Käse und hochwertige Frischmilcherzeugnisse leiden darunter. EU-weit wird das Verbrauchsminus bei frischen Milchprodukten auf 2,5 % geschätzt und bei Käse auf 2,3 %. "Genau diese hochwertigen Produkte sind die wichtigsten Erzeugnisse der österreichischen Milchwirtschaft: 40 % des Rohstoffes werden zu Käse und 30 % zu Konsummilch und anderen Frischmilcherzeugnissen verarbeitet", informiert Moosbrugger.

Weltmarktpreis contra EU-Kosten
"Die Milchpreise in der EU liegen de facto auf der Höhe des Weltmarktpreises. Doch unsere Bauern haben durch die hohen Produktions- und Umweltstandards in Europa deutlich höhere Erzeugungskosten als die Mitbewerber in Neuseeland oder Argentinien. Die österreichischen Milchbauern haben zudem bedeutend höhere naturbedingte Nachteile in der Grünlandbewirtschaftung. Außerdem zeigt die Entwicklung der land- und forstwirtschaftlichen Preisindizes, dass die Ausgaben von Jänner bis April 2009 um 1,7% zunahmen. Hingegen sank der Milchpreis hierzulande vom Jänner 2008 von 40,5 Cent pro kg bis zum Jänner 2009 auf 31,1 Cent und bis zum heutigen Tag auf 25,6 Cent, was ein Minus von 37% bedeutet. Unsere Bauern können die Schere zwischen niedrigem Weltmarktpreis und hohen EU-Kosten ohne Hilfe nicht mehr schließen", gab Moosbrugger zu bedenken.

Kommission verantwortlich
"Die Kommission darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen und die Arbeit den Mitgliedstaaten überlassen, die selbst nicht viel tun können beziehungsweise dürfen. Denn die grundlegenden Entscheidungen, wie etwa Eingriffe in die Quote als Mengensteuerungssystem, werden auf europäischer Ebene festgelegt. Auch Maßnahmen zur Senkung der Milchanlieferung müssen EU-weit diskutiert und können nicht den Mitgliedstaaten alleine überlassen werden. Dass die Kommission immer von Marktorientierung und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit spricht und dann auf der anderen Seite den Mitgliedsländern vorschlägt, z. B. im Milchwirtschaftsjahr 2010/11 durch Aussetzen der Saldierung selbst die Produktion einzuschränken, halte ich für einen klaren Widerspruch", betonte Moosbrugger und verlangte weitere Schritte und Denkansätze der Europäischen Kommission. (aiz)

Hier finden Sie weiter Informationen über den EU Milchmarktbericht


Aktualisiert am: 27.07.2009 17:14
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