Moosbrugger: Absatzrückgang ist Problem am Milchmarkt

Josef Moosbrugger, der Vorsitzende des Ausschusses für Milchwirtschaft der LK Österreich erklärt, dass es sich bei den aktuellen Problemen am Milchmarkt vor allem um ein Absatzproblem handle.
Josef Moosbrugger wies in einer Pressekonferenz erneut darauf hin, dass die aktuelle Lage insbesondere auf einen spürbaren Absatzrückgang - auch
Josef Moosbrugger (links) stellte zur problematischen Situation am europäischen beziehungsweise österreichischen Milchmarkt - geprägt von einem Verfall der Erzeugerpreise - klar, dass es sich vor allem um ein Absatzproblem handle.
Josef Moosbrugger (links) stellte zur problematischen Situation am europäischen beziehungsweise österreichischen Milchmarkt - geprägt von einem Verfall der Erzeugerpreise - klar, dass es sich vor allem um ein Absatzproblem handle.
im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise - zurückzuführen ist. Im Zusammenhang mit der Diskussion über die Verwendung von Käseimitaten sprach er sich für eine klare, eindeutige Lebensmittelkennzeichnung aus, um zu verhindern, dass die Konsumenten getäuscht werden.

Absatzrückgang als Hauptursache
Moosbrugger stellte zur problematischen Situation am europäischen beziehungsweise österreichischen Milchmarkt - geprägt von einem Verfall der Erzeugerpreise - einmal mehr klar, dass es sich vor allem um ein Absatzproblem handle: Die EU-Milchanlieferung habe sich im abgelaufenen Quotenjahr (April 2008 bis März 2009) sogar um 0,9% verringert, dementsprechend seien auch weniger Käse, Butter und Joghurt erzeugt worden. Gleichzeitig sei allerdings der Absatz von Molkereiprodukten spürbar gesunken. Ursachen dafür seien insbesondere Konsumrückgänge, geänderte Rezepturen der Lebensmittelindustrie, wobei Milchfett durch andere Rohstoffe ersetzt wird, sowie ein Einbruch bei den Exporten von Butter, Käse, Magermilchpulver, Kondensmilch und Molkenpulver.

Europäische Probleme verlangen europäische Lösungen
Wenn nun von mancher Seite gefordert werde, die österreichischen Milchbauern müssten ihre Molkereianlieferungen verringern und die Saldierung der Milchquoten sei zu beseitigen, so sei zu bedenken, "dass es sich hier um ein europäisches Problem handelt, das europäische Lösungen verlangt ", unterstrich Moosbrugger. Selbstverständlich sei in Österreich von den Milchbauern Quotendisziplin zu fordern, und mit den von Minister Niki Berlakovich vorgeschlagenen Instrumenten, wie etwa der Nichtzuteilung der Quotenaufstockung oder der stärkeren Bestrafung hoher Überlieferungen, würden auch national Anstrengungen unternommen, so der LK-Präsident. Es könne aber nicht so sein, dass heimische Milchbauern ihre Produktion verringern und in anderen EU-Ländern werde die Anlieferung aufgestockt, wodurch Österreich an Marktanteilen verliere. Immerhin mache die heimische Milcherzeugung nur 2 % der EU-Menge aus. Kleinräumige Maßnahmen wären daher nicht wirklich preiswirksam.

Entlastungsmaßnahmen forcieren
"Nur eine rasche, wirksam gesetzte europaweite Entlastung kann Besserung für den derzeit völlig darniederliegenden Milchmarkt bringen. Es gilt daher, rasch auf EU-Ebene Instrumente einzusetzen, die kurzfristig den Absatz ankurbeln. Solche können jedoch nur die EU-Agrarminister gemeinsam mit der Kommission auf den Weg bringen. Wir verlangen daher dringend massive Anreize für die Industrie, statt pflanzlichen Ersatzprodukten wieder Milchprodukte in ihre Rezepturen einzubauen. Die Entlastung des Marktes durch Exporterstattungen, Intervention und private Lagerhaltung ist fortzuführen, so lange die abnormalen Marktverhältnisse andauern. Darüber hinaus können auch alternative Möglichkeiten, wie etwa die Verwertung für Kälberfutter, Druck vom Markt nehmen ", erklärte Moosbrugger als Sprecher der österreichischen Milchbauern.
Weiters forderte er klarere Etikettierungsvorschriften, um den Konsumenten deutlich zu machen, wo Kunstkäse oder Pflanzenfett verwendet wird. Der LK-Präsident rief alle Marktbeteiligten dazu auf, Panikreaktionen zu vermeiden und sich von der nach wie vor praktizierten "Geiz-ist-geil-Mentalität " zu verabschieden. An die Adresse der Arbeiterkammer richtete er die Feststellung, dass Lebensmittel schon lange nicht mehr zu den Preistreibern gehören und der Anteil der agrarischen Erzeugerpreise an den Konsumentenpreisen sehr gering sei.

Milchkuh ist keine Maschine
Er warnte davor, die heimische Milchwirtschaft stets mit unsachlichen Billigpreis-Vergleichen noch weiter unter Druck zu bringen. Diese berücksichtigten weder die hohe Qualität heimischer Milchprodukte noch die erschwerten Erzeugungsbedingungen, die einen höheren Preis erforderten. "Eine Milchkuh ist keine Maschine und ein Stall keine Fabrik. Man kann eine Kuh und einen Bauernhof nicht heute abdrehen und morgen anwerfen, die Kuh lässt sich auch nicht auf Kurzarbeit umprogrammieren. Die Landwirtschaft ist kein Industriezweig wie jeder andere. Denn es geht immer noch um Lebensmittel und die Grundversorgung an existenziellen Bedürfnissen der Bevölkerung ", gab Moosbrugger zu bedenken.

Demonstration am Montag in Luxemburg
Um auf diese Umstände aufmerksam zu machen, beteiligen sich auch österreichische Milchbauern an der Kundgebung, die in Luxemburg am Montag, 22.06.2009, von 13.00 bis 15.00 Uhr stattfinden wird. "Bauern in der Krise ", "Ohne Bauern kein Essen " und "Für einen fairen Anteil am Wert unserer Arbeit " lauten die Kernbotschaften, die mehrere Tausend Demonstranten in Luxemburg den dort tagenden EU-Agrarministern übermitteln wollen.


Aktualisiert am: 24.06.2009 21:01
Landwirt.com Händler Landwirt.com User