Mögliche Konsequenzen verschärfter Tierschutzmaßnahmen auf die heimische Schweineproduktion

Von den Tierschutzorganisationen wird neben der Schweiz auch Schweden als ein Land mit besonders hohen und erstrebenswerten Tierschutzstandards genannt. Welche Konsequenzen könnte eine nationale Verschärfung der Haltungsrichtlinien bei Zuchtsauen auf die österreichische Schweineproduktion haben?
Eine nationale Verschärfung der Haltungsbedingungen bei Zuchtsauen im Abferkelstall hätte sehr wahrscheinlich fatale Folgen für die heimische Schweineproduktion.
Eine nationale Verschärfung der Haltungsbedingungen bei Zuchtsauen im Abferkelstall hätte sehr wahrscheinlich fatale Folgen für die heimische Schweineproduktion.
Ein Bild von der schwedischen Schweineproduktion hat sich der VLV-Ausschuss bei einer Studienreise gemacht. Im Rahmen dieser Studienreise sollte geklärt werden, welche Auswirkungen besonders hohe Tierschutzstandards für Land- und Fleischwirtschaft in Österreich haben könnten. Wie VLV-Geschäftsführer Dr. Johann Schlederer berichtet, liegt der Ursprung der schwedischen Situation in einer intensiven, gesellschaftspolitischen Tierschutzdiskussion in den 80er-Jahren, die von der bekannten Kinderbuchautorin Astrid Lindgren (Pippi Langstrumpf) betrieben wurde und bereits 1988, also noch lange vor Schwedens EU-Beitritt im Jahr 1995, zu folgendem Regelwerk führte, welches auch heute noch gilt:

  • Einstreu auf allen Produktionsstufen
  • Freie Abferkelung, durchgehend Gruppenhaltung
  • Mindestens 6 m2 Fläche in der Abferkelbox
  • Mindestens 1 m2 Fläche pro Mastschwein
  • Vollspaltenverbot, mindestens zwei Drittel planbefestigter Boden
  • Kupieren des Schwanzes verboten


Nach dem EU-Beitritt Schwedens folgte ein enormer Strukturwandel in der Schweineproduktion. Von den damals 11.000 Schweinehaltern stehen heute nur mehr 1.200 in der Produktion. Bei den Schlachtschweinen fiel die Produktion von 4 Mio. Stück auf eine Jahresproduktion auf unter 3 Mio. Stück. Der Selbstversorgungsgrad sank von 100 % auf ca. 70 %. Der Strukturwandel wurde rapide beschleunigt, die verbliebenen Schweinehalter zählen 200 bis 500 Zuchtsauen in ihren Stallungen, überwiegend mit angeschlossener Mast. Pro 100 Zuchtsauen und pro 1.000 Mastplätzen ist jeweils eine Arbeitskraft erforderlich. Und der Strukturwandel ist weiter voll im Gange. Von allen offiziellen Vertretern der schwedischen Schweinebauern wird wegen der aktuellen Marktlage ein weiterer Einbruch der Produktion um ein Viertel befürchtet.


Deutschland und Dänemark profitieren vom geringen Selbstversorgungsgrad

Nachdem der Schweinefleischkonsum in Schweden nicht rückläufig ist, sondern nach wie vor steigt und sich Richtung österreichischem Niveau (38kg) bewegt, wird der Verlust der heimischen Produktion durch Importe kompensiert. Insbesondere die Schweineerzeuger aus Deutschland und Dänemark decken den verstärkten Rohstoffbedarf der schwedischen Fleischindustrie. Mit den Fleischimporten wird natürlich auch das Preisniveau aus Dänemark und Deutschland importiert.

Konsequenz für die schwedischen Schweineerzeuger

Mit 20 % höheren Produktionskosten auf der einen Seite und dem Erzeugerpreisniveau der konventionellen Produktion in Dänemark und Deutschland ist auch in Schweden keine nachhaltige Produktion möglich.

Fazit: Bei einer Verschärfung der Haltungsbedinungen für Zuchtsauen würde sich ein ähnliches Szenario vermutlich auch in Österreich abspielen.

(Quelle: landwirtschaftskammer.at - Autor: Dr. Johann Schlederer)


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Aktualisiert am: 06.06.2011 19:19
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