Mobil und flexibel trocknen

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Der biologische Ackerbau ist geprägt von einer großen Vielfalt an Kulturarten. Viele davon müssen häufig direkt nach der Ernte getrocknet werden. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie selbst eine einfache Trocknung bauen.

Die von der Heizkanone erhitzte Luft wird über das Gebläse und einen Schlitz im Trocknungsboden verteilt. Foto: Böck
Die von der Heizkanone erhitzte Luft wird über das Gebläse und einen Schlitz im Trocknungsboden verteilt. Foto: Böck
Bio-Ackerbauern setzen auf weitgestellte Fruchtfolgen, die oftmals rare oder sensible Kulturen enthalten. Häufig sind dies Erntegüter, die sofort nach der Ernte getrocknet werden sollten, weil sie meist feucht geerntet werden und daher noch nicht lagerfähig sind (z. B. Buchweizen ohne Schwaddrusch). Aber auch „banale“ Produkte wie Futtergetreide müssen hie und da mit erhöhter Feuchte geerntet werden. Dann stellt sich die Frage, ob sich die Anschaffung einer neuen, professionellen Trocknungsanlage lohnt bzw. ob langfristig die Auslastung dafür erreicht werden kann. Für unregelmäßig anfallende Trocknungspartien kann eine selbst gebaute und womöglich mobile Trocknung interessant sein.

Die schnelle, improvisierte Variante
Eine Trocknungsanlage, die kostengünstig und rasch selbst hergestellt werden kann, ist die Anhängertrocknung. Dabei dient ein herkömmlicher, möglichst korndichter Anhänger oder Kipper als Basis. Dessen Plateau legen Sie zunächst mit mehreren umgedrehten Paletten aus, sodass die „Füße“ nach oben zeigen. Auf die Paletten legen Sie gelochte Bleche. Die Lochgröße wählen Sie nach dem zu trocknenden Gut. Für Getreide und die meisten anderen Feldfrüchte reichen 2 mm große Rundlöcher. Wenn Sie nur Mais trocknen wollen, dürfen die Löcher entsprechend größer sein. Bei Feinsämereien können Rundlöcher oder Schlitze unter einem Millimeter nötig sein. Fertig ist ein einfacher Trocknungsboden.
Wenn Sie etwas professioneller oder häufiger mit einer Trocknung arbeiten möchten, können Sie den Zwischenboden statt aus Paletten zum Beispiel aus zugekauften Blechprofilen anfertigen. Oder Sie schrauben etwa 20 cm über dem Plateau ein Winkelprofil aus Stahl oder Kanthölzer an die Bordwände. Natürlich können Sie rundherum auch entsprechend hohe Kanthölzer auslegen, um die Bordwände nicht anbohren zu müssen. Darauf legen Sie stabile, gekantete Lochbleche. Unterteilen Sie das Trocknungsblech in mehrere kürzere Segmente, damit Sie diese (auch alleine) leichter handhaben können. Statt eines vollflächigen Trocknungsbodens
können Sie auch gewöhnliche Belüftungskanäle verwenden. Aus diesen fertigen Sie einen oder zwei Stränge an, die Sie auf dem Plateau auslegen. Einen gleichmäßigeren Trocknungsverlauf verspricht allerdings der oben beschriebene doppelte Trocknungsboden.
Einen solchen hat Franz Windischbauer aus Ried im Traunkreis (OÖ) für seine Kipper gebaut.
Er hat dazu ein Strecknetz auf einem Holzrahmen befestigt, der genau auf das Plateau des Kippers passt. Mit Hilfe von vier Ösen im Rahmen kann der Landwirt den Boden mit dem Frontlader heraus und hinein heben. Eine eingeschnittene Öffnung an der Heckbordwand dient zur Beschickung mit warmer Luft (Foto). Mit der Anlage trocknet Windischbauer sensible Kulturen wie den Buchweizen oder feucht geerntetes Getreide. Bei Bedarf kann er die Ware aber auch nur belüften.

Das Gebläse als Herzstück
Das Erntegut soll mit Luft getrocknet werden, die von unten durch das Lochblech und das aufgeschüttete Getreide strömt. Dafür brauchen Sie zuerst ein passendes Gebläse. Eine Möglichkeit ist, ein neues Gebläse anzuschaffen. Zur richtigen Dimensionierung sprechen Sie sich mit dem jeweiligen Hersteller ab, welches Modell mit welcher Leistung zu Ihrem geplanten Volumen der Trocknungsanlage passt. Als Faustzahl für die benötigte Luft gilt je Kubikmeter Trocknungsgut eine Leistung von etwa 1.000 m³ Luft je Stunde.


Wie Sie auch beim Gebläse improvisieren können und wie eine selbst gebaute Kistentrocknung sowie mobile Trocknungscontainer für kleinere Erntemengen funktionieren, lesen Sie in der aktuellen LANDWIRT Bio-Ausgabe 6/2018.> Bestellen Sie hier kostenlos und unverbindlich Ihr Probeheft der Ausgabe 6/2018 von LANDWIRT Bio (solange der Vorrat reicht).

Autor: Lukas WENINGER, LANDWIRT Redakteur

Aktualisiert am: 08.12.2018 08:59
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