Mobbingopfer Fichte?

Kategorien zum Thema: Forstwirtschaft Wald
Ein Kommentar von LANDWIRT Redakteur Bernhard HENNING
Die Bewirtschaftung von künstlichen Fichtenwäldern stellt ein großes Risiko dar. Foto: Bugwood.org
Die Bewirtschaftung von künstlichen Fichtenwäldern stellt ein großes Risiko dar. Foto: Bugwood.org
Die Fichte ist Baum des Jahres 2017. Die Entscheidung der Jury überrascht doch etwas, denn durch den Klimawandel nimmt das natürliche Verbreitungsgebiet der Fichte ab. Die Fichte ist also eher keine Baumart der Zukunft und wird nur noch im Gebirge erfolgreich zu bewirtschaften sein. Offizielle Vertreter der Holzindustrie – und auch vermehrt der Forstwirtschaft – sehen das aber scheinbar ganz anders. So will Georg Schirmbeck, Vorstand des Deutschen Forstwirtschaftsrates, eine Lanze für die Fichte brechen. Gleichzeitig erzählen Vertreter der Holzindustrie begeistert von den positiven Eigenschaften der Fichte und sprechen sich gegen einen Waldumbau zugunsten von Laubholz aus. Bei so viel Zuspruch bekommt der Beobachter fast den Eindruck, als wäre die Fichte ein Mobbingopfer, initiiert von Laubholzfanatikern und Naturschützern. Dass schon im 19. Jahrhundert führende Forstwissenschaftler vor der Verfichtung der Wälder warnten, wird dabei genauso übersehen, wie die Schadholzmengen. Fast ein Drittel des Gesamteinschlages verursachen Windwurf, Schneebruch und Borkenkäfer, Tendenz steigend. Für den Waldbesitzer entsteht dadurch ein Verlust in Form von sinkenden Holzpreisen und Kosten für die Aufarbeitung. Es ist verständlich, dass die Holzindustrie weiterhin gerne Fichtenholz einschneiden will. Dann muss sie aber auch bereit sein, einen Teil des Bewirtschaftungsrisikos zu übernehmen – indem etwa nach skandinavischem Vorbild das Fichtenholz am Stock gekauft wird und zwar bereits zu Beginn der Umtriebszeit. Damit könnte die Holzindustrie beweisen, dass sie tatsächlich von der Fichte überzeugt ist. Ansonsten handelt es sich nur um Scheinargumente, mit deren Hilfe notwendige Änderungen in der Waldbewirtschaftung verhindert werden sollen.

Aktualisiert am: 14.11.2016 14:20
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