Mit Mut, Kraft und Ehrgeiz zur Meisterin

Für Erika Reisinger war nach der Fachschule klar, dass die Ausbildung für sie ausreicht. Doch nachdem ihre Kinder in Schule und Kindergarten waren, suchte sie nach neuen Herausforderungen.
Die dreifache Mutter kann sich am besten in ihrem Garten erholen und neue Kraft tanken.
Die dreifache Mutter kann sich am besten in ihrem Garten erholen und neue Kraft tanken.
„Nachdem meine 2-jährige Ausbildung in der landwirtschaftlichen Fachschule sehr umfangreich und vielfältig war, dachte ich, dies wäre schon die ganze Ausbildung für mein weiteres Leben“, beginnt Erika Reisinger zu erzählen. So hatte die damals 16-jährige auch nicht genug Ansporn, um eine Lehre zu absolvieren oder eine höhere Schule zu besuchen. Sie begann als Haushaltshilfe zu arbeiten und versorgte dort sieben Personen. Mit 23 Jahren heiratete die Landwirtstochter. „Ich war dann einfach Hausfrau. Nebenbei haben wir unser Eigenheim gebaut“, so die Niederösterreicherin.

Erster Schritt - Facharbeiterprüfung
Nach der Geburt ihrer Tochter konzentrierte sie sich nur mehr auf den eigenen Haushalt. Während dieser Zeit holte sie die Facharbeiterprüfung nach. „Ich sicherte mir dadurch einen Abschluss“, erklärt sie. Nach nur einem Monat legte sie die Prüfung ab. Auf den Geschmack gekommen, legte sie die weiteren Pläne dennoch erst auf Eis. Doch ihre Schwiegermutter erkannte ihr Talent. „Sie hat mir immer gesagt, dass ich eine gute Lehrerin wäre“, lächelt sie. Der Gedanke beschäftigt sie noch bis heute. Auch im Facharbeiterkurs wurde ihr nahegelegt als nächsten Schritt doch die Meisterprüfung zu absolvieren. „Für mich war damals klar: Den Meisterkurs mache ich nie“, sagt die dreifache Mutter.

Keine Meisterin fällt vom Himmel
In Ober- und Niederösterreich waren zu wenige Anmeldungen, so wagte sie den Schritt in die Steiermark. Gemeinsam mit zwei Bäuerinnen aus der Gegend begann sie 2003 den Kurs. Eine sehr harte Zeit wie sie gesteht. „Ich war das erste Mal so lange von meiner Familie und meinen Kindern getrennt. Mit Tränen bin ich von zuhause fortgefahren“, erinnert sich die Niederösterreicherin. Von den insgesamt 13 Kurswochen blieb sie sieben davon durchgehend in Graz. „Für meine Kinder war die Zeit absehbar und wir haben sicher alles aus dieser Zeit gelernt. So unvorstellbar es damals auch war.“ Noch beim erzählen bekommt sie Gänsehaut. „Das war eine sehr harte Zeit für mich.“ Sie konnte sich in dieser Zeit jedoch voll und ganz auf den Unterricht konzentrieren. „Ich konnte alle Fächer mit Sehr gut abschließen, da war ich die einzige“, erzählt sie stolz.

Mehr Selbstwert
„Frauen können oft mehr, als sie sich zutrauen. Viele sind in ihrem Alltag verfahren und da fehlen nur die richtigen Personen die sie motivieren. Bei mir war das nicht anders“, gesteht die Produktentwicklerin. Heute weiß sie, dass sie ihr Selbstwertgefühl mit der neuen Lernerfahrung aufgebessert hat. Ihre Zufriedenheit strahlt sie auch aus. Und das trotz ihrer vielen Aufgaben. Wie es mit ihrer Ausbildung noch weitergeht, weiß die dreifache Mutter noch nicht so genau. „Die Berufsreifeprüfung wäre interessant. Aber das wird sich noch zeigen“ So richtig fertig mit Lernen ist man wohl nie.

Autorin: Angelika KONRAD, St. Peter Freienstein


Aktualisiert am: 21.04.2010 17:05
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